Kinder sehen Krieg - Dossierstartbild

Newsround

Wie Children´s BBC über den Irakkrieg berichtete


20.7.2005
BBC Newsround war die weltweit erste Nachrichtensendung für Kinder. Die Berichterstattung über den Irakkrieg folgte klar gesetzten Richtlinien. Außerdem wurden die Beiträge intensiv mit der Website des Senders verknüpft, die weitere Informationen und Diskussionsforen bot.

Newsround war die weltweit erste Nachrichtensendung für Kinder. Sie lief zum ersten Mal 1972 und wurde zu Beginn zweimal die Woche ausgestrahlt. Mittlerweile läuft das Programm sechsmal am Tag auf drei verschiedenen britischen Kanälen (BBC1, BBC2 und auf CBBC). In jeder einzelnen Sendung versuchen wir, eine Reihe von klaren Zielsetzungen und Werten zu verfolgen:
  • Newsround will die erste und wichtigste Nachrichtenquelle für Kinder sein.
  • Wir zielen darauf ab, Nachrichten, die für Kinder wichtig sind, auf eine Weise zu senden, die interessant, einnehmend und einfach zu verstehen ist.
  • Wir wollen Kinder in ihrer Lebensbewältigung unterstützen, indem wir ihnen die Informationen geben, die sie über die Welt um sich herum brauchen, auf eine Art und Weise, wie sie es selbst wünschen.
  • Die Werte von Newsround: Einen auf Kinder ausgerichteten, erstklassigen Journalismus zu bieten, der auf dem Laufenden ist, der zuverlässig, kreativ, zugänglich, relevant, übersichtlich und unterhaltsam ist, der Kinder bestärkt und ihr Verständnis fördert.

Richtlinien für die Kriegsberichterstattung



Diese Wertmaßstäbe prägten die Art und Weise, wie wir über den Krieg Bericht erstatteten. So legten wir uns schon im Vorfeld spezielle Kriegs-Richtlinien auf. Bei den Berichten von Opfern galt es, extreme Vorsicht walten zu lassen, denn meist sind die ersten Einschätzungen falsch. Am 11. September beispielsweise wurden erst viel höhere Zahlen berichtet, als später bestätigt wurden. Die zweifache Kontrolle der Fakten auf ihre Korrektheit lag uns besonders am Herzen, denn es ist wichtiger, die richtigen Auskünfte zu geben, als die Ersten mit einer Aktualisierung zu sein.

Wenn Opfer betroffen waren, vermieden wir Zahlen als Einleitung der Sendung. Kinder, die am Morgen fernsehen, sind noch beim Frühstück und haben gerade "Xchange" gesehen, wenn wir auf Sendung gehen. Zur größten Entsendung britischer Truppen seit vielen Jahrzehnten waren viele besorgte Kinder unter den Zuschauern, die Familie und Verwandte in der Golf-Region hatten. Statt mit einem "Hallo, zehn britische Soldaten wurden getötet in ..." leiteten wir das Programm mit Worten ein wie: "Hallo, und unter den wichtigsten Nachrichten vom Golf-Krieg sind neue Berichte von britischen Soldaten, die in Kämpfen getötet wurden. Heute Morgen sagte der Verteidigungsminister, dass zehn Soldaten starben, als ...".

An den Alltag anknüpfen: "Newsround"-Dokumentation über Kinder in Bagdad nach dem Krieg.An den Alltag anknüpfen: "Newsround"-Dokumentation über Kinder in Bagdad nach dem Krieg. (© BBC)


Ein weiterer wichtiger Punkt war, angemessene Worte zu finden, zum Beispiel in Kommentaren über die muslimische Bevölkerungsgruppe. Sie ist facettenreich und hat nicht bloß "eine Meinung oder eine Ansicht". Entsprechend vermieden wir Ausdrücke wie "britische Moslems sagen". Wir verwendeten auch nicht den Begriff "unsere Soldaten", sondern sprachen von "britischen Soldaten". Berichteten wir von Saddam Hussein, so nannten wir ihn stets mit Vor- und Zunamen, anstatt ihn nur Saddam zu nennen.

Besondere Vorsicht ließen wir auch beim Gebrauch erschreckender Bilder walten. Gefühlsbetonte Sprache vermieden wir. Auch die Wahl, wie viel und wann wir über den Krieg berichteten, musste gut überlegt werden. Wochen ständiger Kriegsberichterstattung führen nur zur Ermüdung. Wo möglich versuchten wir, Alternativen zur Kriegsberichterstattung anderer Sender anzubieten, was in den ersten Kriegstagen zugegebenermaßen schwierig war.

Auch das Internet bezogen wir als Ort für weitere Informationen und Hintergrundberichte ein: Ein Ort, an dem Kinder auch ihre Bedenken ausdrücken konnten und erfuhren, dass andere Kinder möglicherweise die gleichen Sorgen wie sie haben, was an sich schon beruhigend ist.

Aktivitäten zur Unterstützung von Kindern



In unserer Berichterstattung wollten wir die Kinder in Bezug auf ihre eigene Gefährdung beruhigen, denn trotz des Krieges gingen die Kinder zur Schule, besuchten Freunde und lebten normal weiter. Andererseits durften jene Kinder nicht übersehen werden, deren Familien im Golf kämpften oder die Verwandte im Irak und in den Nachbarländern haben.

Es gibt sicherlich viele Wege, Kinder zu unterstützen. Eine Möglichkeit ist, ihnen Räume anzubieten, in denen sie ihre Erfahrungen teilen können. Eine weitere besteht darin, zusätzlich zu den Fernsehsendungen Erklärungen und Perspektiven auf unserer Website anzubieten. Newsround produzierte drei interaktive Sendungen - vor, während und nach dem Krieg -, die Kinderdiskussionen beinhalteten und für Kinder eine weitere Plattform boten, Fragen zu stellen. Mit weiterem Fortschreiten des Krieges wurden wir mit einem Extra-Morgen-Bulletin für BBC2 beauftragt, damit auch andere Zuschauergruppen von Kindern auf bestmöglichem Weg die neuesten Nachrichten erfahren konnten.

Wir beteiligten uns zudem an einem "Irak-Tag" der BBC kurz vor Kriegsbeginn und nutzten dies als Gelegenheit, zu erklären, weshalb Großbritannien kurz vor einem neuen Krieg stand. Als Teil dieses Programms gaben wir eine Umfrage zu den Ansichten von Kindern zum Krieg in Auftrag, in der Hunderte von Kindern in ganz Großbritannien befragt wurden.

Das eindeutige Ergebnis der Studie: Mehr als acht von zehn Kindern wollten keinen Krieg mit dem Irak. Nur eines von zehn war der Meinung, dass Großbritannien in den Krieg ziehen solle. Die Hälfte der Kinder hatte Angst vor Angriffen auf das Vereinigte Königreich. Etwa ein Drittel machte sich Sorgen, dass der Krieg auf andere Länder übergreifen könne. Auf die Frage, ob dieser Krieg die Menschen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die in Großbritannien leben, beeinflusse, antworteten fast sieben von zehn Kindern, der Krieg verschlimmere die Dinge. Und zwei von zehn Kindern nahmen an, dass sich nichts ändere.

Techniken der Berichterstattung



In unserer täglichen Berichterstattung über den Krieg boten wir einen aktuellen Überblick über die Geschehnisse. Zwar hatten wir niemanden vor Ort, doch wir nutzten die Informationen anderer BBC-Korrespondenten. Wir beantworteten die Fragen der Kinder zum Krieg, stellten ergänzendes Material und Hilfen auf unsere Website und lasen eine Reihe von Kindermeinungen aus E-Mails ab. Wir präsentierten Aussagen von Kindern aus Großbritannien, aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen sowie Meinungen von Kindern aus der ganzen Welt.

Trotz der Wichtigkeit der Nachrichten zum Krieg bezogen wir bald auch wieder andere Neuigkeiten aus Großbritannien und der Welt mit ein, um ein Gleichgewicht in das Leben der Kinder zu bringen.

Nach Kriegsende



Nach Kriegsende schickte Newsround ein kleines Team in den Irak, um eine Sonderdokumentation über die Auswirkungen des Konflikts auf die dort lebenden Kinder zu produzieren. Newsround hat auch weiterhin über die Nachwirkungen des Konflikts berichtet. Angriffe auf Koalitionstruppen, irakische Kinder, die wieder zur Schule gehen, und die Debatte in Großbritannien über die "Rechtfertigung" der Kriegsbeteiligung sind Teil unseres Programms. Es ist eine wirkliche Herausforderung, verantwortungsbewusst für Kinder über den Krieg zu berichten. In der täglichen Sendung Newsround nehmen wir diese Herausforderung an.



 
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