Krieg in den Medien
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Geschichte der Kriegspropaganda

1.10.2011
Immer wieder in der Geschichte wurde von Politikern und Militärs Propaganda in Verbindung mit dem Krieg angewendet.

Robert FentonDer vom englischen König beauftragte Fotograf Robert Fenton nahm, ganz seinem Befehl folgend, im Krimkrieg (1853–56) nur die Seiten des Krieges auf, die frei von Kriegshandlungen, Leid und Tod waren. (© Library of Congress, Washington D.C.)
Propaganda findet schon seit der Antike als Mittel der Meinungsbeeinflussung im Krieg Verwendung, etwa in Form von Reden oder Liedern. Mit dem Aufkommen der modernen Massenmedien wie Hörfunk, Film und Fernsehen sowie dem Internet, durch die eine große Anzahl Menschen in kürzester Zeit erreicht werden kann, hat sich die Bedeutung der Propaganda und deren Ausmaß jedoch enorm erweitert. Seit dem Ersten Weltkrieg werden in allen größeren kriegerischen Auseinandersetzungen Medien als Mittel der Propaganda gezielt und umfassend eingesetzt. Anhand von sieben Kriegen im 20. und 21. Jahrhundert soll die Rolle und der Einsatz von Propaganda im Krieg aufgezeigt werden.

Erster Weltkrieg



Im Ersten Weltkrieg wurde Propaganda erstmals in großem Umfang als Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung der Bevölkerung für den Krieg. Neben Flugblättern, Postkarten und Plakaten hielten zahlreiche Fotografen die Ereignisse auf den Schlachtfeldern fest. Auch der Film wurde als Mittel eingesetzt, um über das Geschehen an der Front zu berichten. Im Vergleich zu Fotografie und Zeitung hatte der Film, der erst 1895 erfunden worden war, jedoch nur geringe Bedeutung. Gerade einmal 141 Spiel- und Nachrichtenfilme über den Krieg wurden in Großbritannien produziert, in Deutschland waren es deutlich weniger. Die Filme, die entstanden, hatten stark patriotischen Charakter. Sie sollten dazu dienen, die Bevölkerung von der eigenen Überlegenheit und der Richtigkeit des Krieges zu überzeugen.

Sowohl Deutschland als auch die alliierten Nationen hatten staatliche Behörden eigens zum Zweck der gezielten Verbreitung von Propaganda eingerichtet. Im Deutschen Reich war dies das Bild- und Filmamt, kurz BUFA genannt. Diese Behörden schickten Fotografen und Kameramänner an die Front, Mitarbeiter kontrollierten und zensierten die Aufnahmen.
Soldaten der Triple EntenteDeutsche Propagandapostkarte mit der Darstellung verwundeter und zerlumpter Soldaten der Triple Entente. (© Deutsches Historisches Museum, Berlin)
Das Leid und Elend des Krieges wurde in den von der BUFA freigegebenen Mediendarstellungen enorm verharmlost. Die deutschen Soldaten wurden siegesgewiss und heldenhaft dargestellt. Daneben wurden Propagandamaterialien auch von privaten Verlegern herausgegeben. Diese machten sich häufig über die Kriegsgegner lustig und stellten sie als Schwächlinge und Verlierer dar.

Zweiter Weltkrieg



Bereits kurz nach der Machtübernahme Hitlers 1933 wurde das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter der Leitung von Joseph Goebbels gegründet. Rundfunk, Presse und Filmwirtschaft wurden ihrer Freiheiten beraubt. Sie gerieten unter staatliche Kontrolle und hatten der nationalsozialistischen Ideologie zu folgen. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kameramänner und Fotografen in sogenannten Propagandakompanien systematisch an der Front eingesetzt. Jede Aufnahme wurde vor der Veröffentlichung sorgfältig auf ihre mögliche Wirkung im Hinblick auf die Kriegsmoral geprüft.

Aus den Filmaufnahmen entstanden Kriegspropagandafilme wie der Dokumentarfilm "Die Feuertaufe" (1939/1940). Sie sollten vor allem die Überlegenheit der deutschen Streitkräfte demonstrieren. Verwendung fanden die Bilder vom Krieg auch in der "Wochenschau", einer regelmäßig in Kinos präsentierten Reportage mit einem hohen Anteil an verharmlosenden Kriegsberichten. Die "Wochenschau" zeigte weder kämpfende Soldaten noch tote Menschen. Die rund 1.150 produzierten Filme glorifizierten das Deutsche Reich, ohne das Geschehen zu hinterfragen. In antisemitischen Filmen wie "Jud Süß" (1940) oder "Der ewige Jude" (1940) wurden die Juden als minderwertig, boshaft und als Bedrohung dargestellt.

Als Propagandamittel wurde erstmals auch das Radio verwendet. Joseph Goebbels hielt den Hörfunk für das "allermodernste und [...] allerwichtigste Massenbeeinflussungsinstrument". In einer Rede 1933 vor den Intendanten des Reichsrundfunks formulierte er beispielsweise: "Das Volk mit dieser Gewissheit und dieser Gesinnung bis in die letzte Faser zu durchtränken – die Menschen so lange zu hämmern und zu feilen und zu meißeln, bis sie uns verfallen sind:
Mikrophonzimmer Joseph Goebbels im Reichspropagandaministerium, aufgenommen im August 1933.Mikrophonzimmer Joseph Goebbels im Reichspropagandaministerium, aufgenommen im August 1933. (© Bundesarchiv, Bild 183-1991-0204-503 / Fotograf: o. Ang.)
das ist eine der Hauptaufgaben des Deutschen Rundfunks!" Um dies zu erreichen, wurde von staatlicher Seite dafür gesorgt, dass die deutschen Haushalte Rundfunkgeräte günstig erwerben konnten. Über die sogenannten "Volksempfänger" erreichten die propagandistischen Reden Hitlers die Bevölkerung. Charakteristisch für diese Reden waren einprägsame Losungen und Schlagworte, die ständig wiederholt und stark emotionalisiert wiedergegeben wurden.

Die alliierten Streitkräfte setzten neben Filmen ebenfalls den Hörfunk als Medium ein. Ihnen ging es vornehmlich darum, die Bevölkerung zu beruhigen und junge Männer für den Krieg zu mobilisieren. Sowohl im Radio als auch mit Film- und Fotomaterial wurde täglich von der Front berichtet. Eigene Erfolgsmeldungen und die Gräueltaten der Achsenmächte standen dabei im Vordergrund. Die Deutsche Wehrmacht und vor allem Adolf Hitler wurden auf Plakaten häufig lächerlich gemacht. Andere Darstellungen versuchten, in symbolischer Form die Gefährlichkeit und Brutalität des Gegners zu verdeutlichen: Sie zeigen zum Beispiel die Zerstörung von positiven patriotischen Symbolen wie der Freiheitsstatue oder der amerikanischen Flagge durch die Achsenmächte.



 
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