Lokaljournalistenprogramm

Projektteam Lokaljournalisten

4.2.2014
Das Projektteam Lokaljournalisten (PLJ) ist das Herausgeberteam des drehscheibe-Pakets. Seine Mitglieder sind erfahrene Lokalredakteure. Sie sind zugleich wichtige Berater und Vordenker für das Lokaljournalistenprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Team garantiert, dass alle Projekte sich am Alltag der Journalisten orientieren. Das achte Team ist seit Februar 2014 im Einsatz.

Das Projektteam Lokaljournalisten (PLJ) ist das Herausgeberteam des drehscheibe-Pakets. Seine Mitglieder sind erfahrene Lokalredakteure. Sie sind zugleich wichtige Berater und Vordenker für das Lokaljournalistenprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Team garantiert, dass alle Projekte sich am Alltag der Journalisten orientieren. Das achte Team ist seit Februar 2014 im Einsatz.

Die Pressemitteilung der Bundeszentrale für politische Bildung zum achten PLJ finden Sie hier.

Stefan Aschauer-Hundt

Stefan Aschauer-Hundt
Süderländer Tageblatt
Lokalredakteur

An der Lohmühle 7-9, 58840 Plettenberg
Tel. (02391) 909 30
Fax (02391) 90 93 40
E-Mail: st@mzv.net

Stefan Aschauer-Hundt: "Die Lokalzeitung steht heute vor einer mehrfachen Bewährungsprobe. Wir Zeitungsleute müssen an mehreren Fronten kämpfen, um überhaupt Lokaljournalismus erhalten zu können. Ich wähle ganz bewusst den Begriff 'Zeitungsleute', weil mir die Teilung in Redaktionen, Anzeigenabteilungen, Techniker, Vertriebler und Oberhäupter von vorgestern scheint.

Seit 20 Jahren haben wir uns als Branche schlechtgeredet und dem bedruckten Papier konsequent den Tod vorausgesagt. Zwar gibt es immer noch gedruckte Zeitungen, sehr gute sogar, jedoch ist die self-fulfilling prophecy für einen Teil der Bevölkerung eingetreten: Es ist nicht mehr normal, eine Tageszeitung in den Händen zu halten. Durchs Netz vagabundieren halbgare 'Nachrichten', die mit erschreckender Banalität kommentiert und weitergegeben werden. Es genügt vielen, 'etwas mitzubekommen', und sei es noch so falsch.

Hier müssen wir uns bewähren: Die Lokalzeitung muss ihren Wert per se unter Beweis stellen, als unverzichtbarer Navigator durch den Tag und unsere Regionen glänzen, als Motor der Demokratie und des Gemeinwesens wirken, als Identitätsstifter und letztlich auch als ein Stück Vertrautheit erscheinen.

Die zweite Bewährungsprobe ist wirtschaftlicher Natur: Das kaufmännische Fundament des Lokaljournalismus erodiert. Wo es nur noch Discounter und Filialisten gibt, immer weniger klassischen Fachhandel, haben Anzeigenvertreter schlechte Karten. Sage übrigens niemand, der Erlösschwund läge am Medium Papier: Erstens kostet auch Online Geld und zweitens sind die Erlöse dort meistens mau. Soll sagen: Die gedruckte Zeitung muss auch auf der Finanzierungsseite neu erfunden werden.

Die dritte Bewährungsprobe jedoch ist die eigentliche Aufgabe: Zeitung kann nur funktionieren, wenn es uns gelingt, immer wieder eine neue, andere Geschichte aufzuspüren und zu erzählen, wenn wir also die Freiheit finden, unseren Beruf als Berufung zu leben. Denn Hand aufs Herz: Wir sind doch eigentlich alle Vollblutjournalisten, also zum Beruf berufene. Machen wir was daraus, jeden Tag! Und bewähren wir uns."

Yvonne Backhaus-Arnold

Yvonne Backhaus-Arnold
Hanauer Anzeiger
stellvertretende Chefredakteurin

Donaustraße 5, 63452 Hanau
Tel. (06181) 290 33 17
Fax (06181) 290 32 00
E-Mail: redaktion@hanauer.de

Yvonne Backhaus-Arnold: "Es ist schon viel geschrieben worden über die Zukunft des Lokaljournalismus. Wie wichtig ist er in Zeiten von Facebook, Twitter und Internet? Wird es die gedruckte Tageszeitung in ein paar Jahren überhaupt noch geben? Was verändert sich durch die Digitalisierung? Wie können wir diesen Veränderungen als traditionell eingestellter Verlag begegnen?

Ich glaube, dass wir – egal wie der neue, alte Lokaljournalismus aussehen wird – Menschen brauchen, die ihn mit Leben füllen – ob auf Papier oder auf Bildschirm. „Ich will hJournalistin werden.“ Das habe ich vor fast 20 Jahren bei meinem ersten Schülerpraktikum bei der Thüringer Allgemeine gesagt. Warum? „Weil es einer der schönsten Berufe der Welt ist!“ Es ist der erste Satz, den ich sage, wenn ich heute, als CvD des Hanauer Anzeigers, mit Schülern über das Berufsbild und die Zukunft des Journalismus spreche.

Zu viel Enthusiasmus? Zu viel Naivität? Nein! Der Lokaljournalismus ist und bleibt für mich die Wurzel der Gesellschaft – vielleicht ist er sogar ihr Herz. Er ist Spiegel, begleitet Veränderungen, deckt auf, prangert an. Wir Lokalredakteure erzählen Geschichten, kommentieren Entscheidungen, begleiten politische Prozesse, liefern Service für die Menschen vor Ort, sind Diskussionsplattform und Ideengeber – egal auf welchen Kanälen. Dafür brauchen wir guten Nachwuchs. Dafür brauchen wir Weiterbildung. Dafür brauchen wir immer wieder neue Ideen. Dafür brauchen wir aber auch neue Formen der Organisation. Und natürlich brauchen wir dafür auch mutige Verleger.

Wir müssen uns nicht neu erfinden, aber wir müssen uns fragen, welche Rolle wir in Zukunft spielen wollen? Wir müssen kritisch sein – mit uns und gegenüber unserem beruflichen Alltag. Welche Abläufe können wir verbessern? Welche Termine streichen, um endlich wieder Zeit zu haben für Geschichten? Wo liegt unser Schwerpunkt? Es gibt viel zu tun für uns Lokaljournalisten – also packen wir’s an!"

Sylvia Binner

Sylvia Binner
Bonner General-Anzeiger
Chefin vom Dienst und Deskchefin

Justus-von-Liebig-Straße 15, 53121 Bonn
Tel. (0228) 668 84 05
Fax (0228) 668 84 11
E-Mail: s.binner@ga-bonn.de

Sylvia Binner: "Totgesagte leben länger. Das möchte ich all den Kollegen unter die Nase reiben, die seit Jahren in selbstzerstörerischer Manier den Untergang des Journalismus herbeireden. Natürlich geben sinkende Auflagenzahlen und der Ausverkauf ganzer Redaktionen Grund zur Sorge. Aber die Selbstzerfleischung muss irgendwann ein Ende finden. Wer soll schließlich an unsere Zukunft glauben, wenn wir es noch nicht mal selbst tun? Also genug der Grabesreden. Es wird sie weitergeben, die Regionalzeitung. Zumindest dann, wenn wir, die Lokaljournalisten, die Bedürfnisse unserer Leser ernst nehmen. Wenn wir uns bemühen, ihnen die immer komplizierter werdende Welt zu erklären, ob in Print oder im Netz.

Der Slogan 'Denke global, handle lokal' ist da kein schlechter Wegweiser. Die klug gemachte Zeitung vor Ort muss sich als Navigator durchs undurchschaubare Dickicht des weltweiten Nachrichten-Dschungels unverzichtbar machen. Sie muss ihren Nutzern dabei helfen, ganz gleich auf welchem Vertriebskanal sie ihre Informationen abrufen, die immer kompliziertere Realität zu verstehen. Nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Also raus aus dem Elfenbeinturm und ran an den Leser. Immer bereit, mit ihm in den Dialog zu treten. Immer bereit dazu, sich zu verändern. Denn wer versucht, sich auf dem Erreichten auszuruhen, wird scheitern.

Deshalb brauchen Lokaljournalisten den Mut, sich und ihre Arbeit immer wieder in Frage zu stellen, um ihre Leser aufs Neue zu überraschen. Sie brauchen die Kreativität, neue Wege zu gehen, brauchen Spielräume und Brutstätten für Ideen und Experimente, wie sie längst nicht in allen Regionalzeitungen vorhanden zu sein scheinen. Lokaljournalisten brauchen aber auch die Klugheit, Erfolgsrezepte beizubehalten, ihren Lesern Orientierung zu geben, sie zu informieren und zu unterhalten. Genau dann, wenn diese Faktoren zusammentreffen, macht Lokaljournalismus riesigen Spaß. Und zwar denen, die ihn machen, und denen, für die er gemacht wird."

Ralf Freitag

Ralf Freitag
Lippische Landes-Zeitung
Bereichsleiter Medien und Kommunikation

Ohmstraße 7, 32758 Detmold
Tel. (05231) 91 11 03 Fax (05231) 91 11 45
E-Mail: rfreitag@lz.de

Ralf Freitag : "Wir Zeitungsmacher erleben gerade nicht mehr und nicht weniger als eine mediale Revolution auf mehreren Ebenen. Zum einen ermöglichen die sich in immer kürzeren Zeitabständen verdoppelnden Leitungskapazitäten ein völlig neues Mediennutzungsverhalten. Schon auf Smartphones werden grafisch und inhaltlich immer aufwändigere Informationen konsumiert. Auf den größeren mobilen Tablets erwarten die Nutzer schon heute Angebote in qualitativ höchster technischer, grafischer und inhaltlicher Form. Die hohe Anzahl, in der heute mediale Inhalte ausgetauscht und umgesetzt werden, ist aber nichts anderes als eine Ausdrucksform des ebenfalls rasanten gesellschaftlichen Wandels.

Mittendrin und als Herz dieses rasenden multimedialen Kreislaufs steht die Redaktion. Sie ist für die modernen Zeitungsverlage wichtiger denn je. Denn nur hochprofessionelle Informationsaufbereitung für alle Kanäle versetzt heute Medienhäuser in die Lage, ihrem Namen auch mit betriebswirtschaftlich tragfähigen Geschäftsfeldern gerecht zu werden. Dazu bedarf es eines hohen Maßes an Organisation, Planung, multimedialer Kompetenz und professioneller Arbeit. Und das vor allem in den Lokalredaktionen. Die Krise unserer Branche ist aus meiner Sicht vor allem eine Krise des Umgangs mit dieser Revolution in den Verlagen und Redaktionen."

Christina Knorz

Christina Knorz
Nordbayerischer Kurier
Redaktionsleiterin

Maximilianstraße 58/60, 95444 Bayreuth
Tel. (0921) 29 41 78
E-Mail: christina.knorz@kurier.tmt.de

Christina Knorz: "Facebook ist zehn Jahre alt und immer noch fehlt ein Gutteil der Lokalredakteure. Wenn Neugier, Spaß oder Einsicht in die Notwendigkeit neuer Kommunikationswege und Erzählformen nicht durchschlagend zunehmen, macht der letzte Redakteursjahrgang in absehbarer Zeit völlig zurecht das Licht aus. Denn selbst wenn der zögerliche Journalist dreimal pro Woche liked und einmal das Foto vom Grillhähnchen mit mediterranem Gemüse teilt, hat er immer noch keine dringend nötige Routine in der Beantwortung der journalistischen Gretchenfrage: Wie erzählst du deine Geschichte? Leider hat ein handelsüblicher Redaktionsleiter immer noch keine bessere Strategie als es durchgehen zu lassen, wenn es heißt: „120 Zeilen mit Bild, vielleicht 140, wenn ich heute Nachmittag noch jemanden ans Telefon bekomme.“

Das Dilemma lokaler Redaktionen ist, dass unsere Fähigkeiten nicht den Ansprüchen unsere Leser entsprechen. Wir müssten eigentlich jeden Tag exklusiv sein wie der Spiegel, Hintergründe liefern wie die FAZ, so schnell sein wie SPON und so relevant wie 11 Freunde für Fußballfans. Wir haben ältere Leser, die mit unseren Neuerungen fremdeln, sind aber noch lange nicht dort, wo wir als unverzichtbarer Nachrichtenführer im Lokalen in Inhalt und Form sein müssten um überlebensfähig zu sein.

Ich glaube an einen Paradigmenwechsel, dass das Lokale Vorreiter vor den sogenannten Leitmedien sein kann. Denn auf lange Sicht sind wir zwar nicht die Einzigen, die ständig Zugang zu Exklusiv-Material haben. Wir sind aber die Einzigen, die es für den Lebensraum unserer Leser passgenau einordnen können.

Es scheint so, als sei die Kaste der Journalisten momentan die Einzige, die sich daran erinnert, dass wir eine unverzichtbare Aufgabe unseren Beruf nennen. Denn politische, wirtschaftliche oder Meinungs-Macht wird immer unabhängige Kontrolle brauchen, gerade wenn jeder im Internet sein eigener Publizist ist. Dafür müssen wir aber nicht nur einen Spurt hinlegen, was unsere fachlichen und technischen Kenntnisse betrifft. Wir müssen nicht nur den Spagat meistern aus absolut sauberem Recherchehandwerk, verständlich aufgeschrieben und mit Haltung auf dem Kanal erzählt, der dem Inhalt entspricht. Wir müssen die Rezipienten durch all das auch wieder davon überzeugen, dass wir zurecht vierte Macht im Staat und damit unverzichtbar sind. Das wäre der allerbeste Nutzwert-Journalismus."

Prof. Dr. Wiebke Möhring

Prof. Dr. Wiebke Möhring
Technische Universität Dortmund
Institut für Journalistik

Emil-Figge-Straße 50, 44227 Dortmund
Tel. (0231) 755 4195
E-Mail: wiebke.moehring@tu-dortmund.de

Prof. Dr. Wiebke Möhring: "'Das Lokale ist der wichtigste Teil einer Zeitung für die Leser’ – über diesen Satz diskutierte ich das erste Mal vor mehr als 20 Jahren an der Hochschule. Die Zahlen der Leserschaftsforschung belegen es immer wieder, Umfragen und Studien zeigen, dass die Menschen tatsächlich interessiert sind an allem, was um sie herum passiert. Und dennoch haben es gerade Lokalzeitungen schwer.

Lokale Kommunikation ist heute schon lange keine alleinige Domäne mehr des professionellen Lokaljournalismus. Lokaljournalisten haben auf dem lokalen Informationsmarkt Konkurrenz bekommen durch neue Kommunikatoren oder durch digitale Kommunikationsformen wie Local Based Services – und auch die Nutzerin und Nutzer emanzipieren sich, verändern ihre Kommunikationsgewohnheiten, wollen einerseits mitreden und gleichzeitig dennoch informiert werden.

Wie und wo kann sich Lokaljournalismus verorten, welche Ansätze und Strategien sind möglich und sinnvoll? Welche redaktionellen und verlagspolitischen Entscheidungen werden welche Konsequenzen haben? Diesen Prozess aus wissenschaftlicher Perspektive zu begleiten ist spannend und völlig ergebnisoffen."

Peter Taubald

Peter Taubald
MADSACK Mediengruppe
Redakteur

Rathausplatz 11, 30823 Garbsen
Tel. (05136) 8 55 45
E-Mail: p.taubald@kabelmail.de

Peter Taubald: "Wo kein Geld ist, gibt es auch keinen Journalismus’, hat Bild-Chefredakteur Kai Diekmann vor einiger Zeit Nachwuchsjournalisten erklärt. Und Hubert Burda wird mit den Worten zitiert: „Allein mit Qualitätsjournalismus kann heute niemand mehr überleben.“ Geht es nur noch um Kohle? Ist nur wertvoll, was sich auch gut verkaufen lässt?

Nein, aber die Aussagen bringen die Lage der Zeitungsbranche auf den Punkt: Wenn das journalistische Produkt immer weniger Käufer findet und als Werbeträger an Bedeutung verliert, wackelt das Geschäftsmodell, das Geld für guten Journalismus wird knapper. Der Springer-Verlag setzt auf Digitalisierung und hat seine Regionalzeitungen verkauft, Geld wird im Netz ebenso wie bei Burda vor allem mit Portalen ohne journalistische Inhalte verdient.

Und die Regionalzeitungsverlage? Sie werden zu Medienhäusern und stehen vor der Herausforderung, lokale Inhalte im Netz zu vermarkten, um weiterhin Journalismus finanzieren zu können. Das geht, so die einhellige Meinung unter Journalisten, nur mit Qualität. Über die sollten wir sprechen. Deckt sich unsere Vorstellung von Qualität mit der des Kunden, der dafür bezahlen soll? Und hat Herr Burda nicht vielleicht recht, dass Qualitätsjournalismus gar nicht ausreicht, um genug Geld zu verdienen? Was dann?

Lokaljournalismus muss Lesern/Usern aller Altersgruppen Plattformen bieten für Information, Kommunikation und Unterhaltung, für Teilhabe am örtlichen Geschehen auf allen Kanälen. Qualität wird er in der Wahrnehmung des Kunden haben, wenn er ihm unverzichtbar erscheint, und dann wird er für ihn bezahlen, ob auf Papier oder im Netz. Das muss unser Anspruch sein. Da ist noch viel zu tun."

Dr. Petra Waschescio

Dr. Petra Waschescio
Volksstimme Jerichower Land-Anhalt
Deskmanagerin

Jerichower Land-Anhalt GmbH
Zerbster Straße 39, 39288 Burg
Tel. (03921) 456 441
E-Mail: petra.waschescio@volksstimme.de

Dr. Petra Waschescio: "Die Zeiten sind nicht rosig. Den Lokalzeitungen laufen die Leser davon. Am fehlenden Interesse der Menschen an ihrem Umfeld liegt das nicht. Ganz im Gegenteil, schaut man sich die Zugriffe auf Online-Meldungen und die Posts in sozialen Netzwerken an. Die Menschen identifizieren sich mit ihrer Umwelt. Das heißt, gerade Lokalzeitung hat eine Chance. Denn nirgendwo sonst sind Journalisten näher an den Menschen und an dem, was sie wirklich bewegt.

Daraus erwächst aber auch eine Verantwortung: Wir müssen das Ohr dort haben, wo die Leser sich austauschen. Das ist der Marktplatz und die Kneipe genauso wie die digitale Welt. Wir sollten uns jeden Tag bei jedem Beitrag fragen: Welche Relevanz hat er für unsere Leser? Denn fehlt diese, wird niemand bereit sein für Inhalte zu bezahlen, weder gedruckt noch online.

Und wir müssen uns als Gesprächspartner anbieten. Denn angesichts einer wachsenden Entfremdung zwischen Politik und Bürgern ist Zeitung eine der wenigen Institutionen, die diese zwei wichtigen Säulen der Demokratie wieder zusammenbringen kann. Wir müssen politische Prozesse kritisch begleiten und transparent machen. Das gilt nicht nur für die kommunale Ebene. Lokaljournalismus heißt auch verständlich zu machen, was die große Welt mit der kleinen Gemeinde und dem eigenen Alltag zu tun hat. Und wir müssen den Lesern ein Forum bieten, sich in die politischen Prozesse einzubringen.

Die Personaldecke in den Lokalredaktionen wird immer dünner. Es ist deshalb nicht leicht, das Ziel im Auge zu behalten. Das Lokaljournalistenprogramm der Bundeszentrale bietet die Chance, aus der Routine auszubrechen, über den Tellerrand zu schauen und neue Ideen kennenzulernen. Als Mitglied des Projektteams möchte ich aus der täglichen Praxis heraus daran mitarbeiten, diese Angebote zu entwickeln."

Maike Sophie Wessolowski

Maike Sophie Wessolowski
Herborner Tageblatt/Dill-Post/Haigerer Zeitung
Redaktionsleiterin

Rathausstraße 1, 35683 Dillenburg
Tel. (02771) 87 44 17
Fax (02771) 87 44 04
E-Mail: m.wessolowski@mittelhessen.de

Maike Sophie Wessolowski: "Hat Lokaljournalismus Zukunft? Ein Blick in die vergangene Woche: Montag: Der größte Arbeitgeber der Region wird erstmals auf der weltweit größte Messe für Informationstechnik fehlen – dieser Artikel sorgt für Gesprächsstoff. Dienstag: Zehntausende Klicks für die Geschichte über einen geretteten Boxer, der gequält und ausgesetzt wurde. Die teils harschen Reaktionen werden nicht unkommentiert abgedruckt – sondern mit Unterstützung einer Psychologin eingeordnet. Mittwoch: Die Auseinandersetzung mit einem Bürgermeister, der nicht möchte, dass wir seine Parteizugehörigkeit in Artikeln nennen, kostet Kraft. Aber die Redaktion bleibt standhaft. Donnerstag: Gerüchte über einen Amoklauf an einer großen Schule verbreiten sich über soziale Netzwerke und Chats. Der Artikel über den Vorfall ist sachlich, sensibel geschrieben und das Interview mit einer Forscherin einordnend. Freitag: Nach einer Reportage über Flüchtlinge, die in einem 1500-Einwohner-Dorf isoliert leben, werden die Bürger aktiv: Einladungen zum Fußballtraining, ehrenamtlicher Deutschunterricht, Geschenke zu Weihnachten. Wir sind dabei. Samstag: Wie benennen die Menschen in der Stadt eigentlich ihre W-LAN-Router? Der Artikel über die Scanfahrt, die ein Kollege mit dem Mobiltelefon unternommen hat, lässt den Leser schmunzeln und erklärt, wie und warum man offene Netzwerke verschlüsseln sollte. Sonntag: Das Porträt über den US-Amerikaner, der im 300-Seelen-Dorf in Hessen seine Heimat gefunden hat, berührt.

Informieren, erklären, aufklären, einordnen, moderieren, unterhalten und auch mal unbequem sein – nah dran zu sein am Leser ist Lokalen keine Floskel.

Damit Redaktionen sich immer wieder überprüfen, immer wieder Lust haben, Neues auszuprobieren, dem Leser etwas Einzigartiges zu bieten, brauchen sie Anregungen, Anleitung und den Freiraum, dies abseits des Alltags zu erfahren. Ich hoffe, dass ich im Projektteam Lokaljournalismus dafür sorgen kann, dass wir spannende Vorträge, Seminare und Arbeitsgruppen vorbereiten, sodass möglichst viele Verlage Lust bekommen, aus ihren Redakteuren Seminarteilnehmer zu machen. Jede einzelne Idee, die danach umgesetzt wird, sorgt dafür, dass Lokaljournalismus eine Zukunft hat – auf allen medialen Kanälen."

Berthold L. Flöper

Berthold L. Flöper
Bundeszentrale für politische Bildung
Fachbereich Multimedia
Lokaljournalistenprogramm

Adenauerallee 86, 53113 Bonn
Tel. (0228) 99 515 558
Fax (0228) 99 515 498
E-Mail:floeper@bpb.de

Berthold L. Flöper: "Das Projektteam Lokaljournalisten ist das Kreativ- und Beratungs-Zentrum für das Lokaljournalistenprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Bestehend aus erfahrenen Redakteurinnen und Redakteuren sichert es den Praxisbezug und sorgt dafür, dass alle Aktivitäten der bpb für die Zielgruppe maßgeschneidert sind und sie somit auch flächendeckend – von der großen Regionalredaktion bis hin zur Einzelkämpferredaktion – erreichen. Die bpb engagiert sich besonders für den Lokaljournalismus, weil er das Fundament der Tageszeitung ist. Durch seine einzigartige Nähe zum Publikum sichert er den Erfolg und sorgt für die direkte Leseransprache. Er stiftet Identität mit den Medien. Die lokale und regionale Berichterstattung fördert – wenn sie qualitativ hochwertig und kompetent gemacht wird – das Gespräch und die Mitsprache der Bürger im kleinsten Gemeinwesen. Durch den Lokaljournalismus kann sich die Tageszeitung neu erfinden – sowohl im Print als auch als crossmediales Angebot moderner Medienhäuser."




 
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