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Reed Elsevier PLC

Umsatz 2011: £ 6,002 Mrd. (€ 6,902 Mrd.)

1.9.2012

Geschichte und Profil



1993 begann die Zusammenarbeit des britischen Verlagsriesen Reed International mit der niederländischen Elsevier-Gruppe. Beide Unternehmen agieren als selbständige Konzerne, firmieren seit April 2002 aber nur noch als Reed-Elsevier.

Reed hatte 1894 als Papierfabrik angefangen, später auch Tapeten und Farbe produziert und war erst knapp 80 Jahre später durch den Kauf von Publikumszeitschriften und Tageszeitungen - unter anderem des "Daily Mirror" - zum Medienunternehmen geworden. Ab den 80er Jahren war Schluss mit Papier- und Anstreicherbedarf, ein Jahrzehnt später stieg Reed dann nach und nach von der Publikums- zur Fachpresse um.

Elsevier, gegründet 1880 in Rotterdam, war bereits zu Beginn der Zusammenarbeit mit Reed der größte Fachzeitschriftenverlag der Niederlande und besaß führende Tageszeitungen wie das "Allgemeen Dagblad". Wie Reed stieß auch Elsevier seine Publikumstitel 1995 ab, um sich ganz auf den weiteren Ausbau der Fachinformationssparte zu konzentrieren. Eine sicher geglaubte Fusion mit dem ebenfalls niederländischen Fachverlagsriesen Wolters Kluwer scheiterte aber überraschend im März 1998. Reed Elsevier machte zwar kartellrechtliche Auflagen dafür verantwortlich, doch auch die Doppelstruktur des britisch-niederländischen Unternehmens mit zwei Hauptsitzen und doppeltem Management war wohl nicht ganz unschuldig.

Seit 1999 ist die komplexe Reed-Elsevier-Geschäftsstruktur grundlegend reformiert worden. Mittlerweile gibt es ein einheitliches Management unter einem Chairman und einem CEO. Untergeordnet sind jeweils eigene Vorstandsvorsitzende für die verschiedenen Kernbereiche des Konzerns. Der ehemalige CEO Crispin Davis gilt als treibende Kraft hinter dem erfolgreichen Umbau eines "archaischen Zweiländerkonstrukts zur weltweit führenden Mediengruppe" (Guardian).

Von 2005 bis Mitte 2008 sorgten Verbindungen des Konzerns zum internationalen Waffenhandel für Schlagzeilen. Ausgerechnet die renommierte und von Reed Elsevier herausgegebene Medizin-Fachzeitschrift „The Lancet“ kritisierte in einem Artikel die Aktivitäten der Tochterfirma Spearhead/Reed Exhibitions. Letztere ist auf die Organisation von Messen und Ausstellungen spezialisiert. Im September 2005 veranstaltete die Firma erstmals die DSEi (Defence Systems and Equipment international), eine der größten Militäraustellungen der Welt, auf der unter anderem auch von der UNO geächtete Streubomben kommerziell vertrieben werden. Über zwei Jahre lang distanzierte sich „The Lancet“ regelmäßig von den Beziehungen des Mutterkonzerns zur internationalen Rüstungsindustrie mit dem Hinweis, diese wären für eine medizinische Publikation moralisch nicht tragbar. Im März 2007 verfassten rund 80 „Lancet“-Redakteure einen offenen Brief samt kritischem Fragenkatalog an Davis. Auf drei Seiten protestierten unter anderem Ian Gilmore, Präsident der obersten britischen Ärzteorganisation Royal College of Physicians, und der US-Linguist Noam Chomsky in Leserbriefen gegen die Waffenmessen. Sir Michael Atiyah, ehemaliger Präsident der einflussreichen Royal Society, forderte einen Boykott von Reed-Elsevier-Publikationen. Der ehemalige CEO Crispin verteidigte das kontroverse Engagement mit dem kurzen Statement, dass „die Verteidigungsindustrie notwendig für die Aufrechterhaltung von Freiheit und nationaler Sicherheit“ sei. Im Mai 2008 reagierte das Management und kündigte an, die DSEi werde zukünftig nicht mehr von Reed Elsevier organisiert. Der Druck von Seiten der Aktionäre und der Protestbewegung „The Campaign Against Arm Trade“ war zu groß für das Unternehmen geworden.

Zu einer peinlichen Panne kam es im Mai 2009, als bekannt wurde, dass Elsevier in Australien jahrelang im Auftrag von Pharmakonzernen Zeitschriften publizierte, die wie unabhängige Fachtitel aussahen. In einer Stellungnahme räumte der Verlag ein, dass man erst kurz vor dem publik werden der Panne erfahren habe, dass eine australische Tochterfirma in dem Zeitraum von 2003 bis 2005 eine Reihe von bezahlten Sammelpublikationen im Auftrag von Pharma-Unternehmen veröffentlicht hatte. Diese Publikationen wurden allerdings so gestaltet, dass sie wie Fachmagazine wirkten und keinen entsprechenden Hinweis auf die Verbindung zur Pharmaindustrie enthielten. Zusätzlich wurden in den Pseudo-Fachblättern Artikel über Hormonerstaz-Therapien abgedruckt, die nachweißlich von Ghostwritern geschrieben wurden, die im Dienste der Pharmaindustrie stehen.

Management



Erik Engstrom ist seit 2009 CEO von Reed Elsevier. Der Schwede gilt als extrem öffentlichkeitsscheu und introvertiert. Man wird bei ihm vergeblich auf einen öffentlich verkündeten Strategieplan warten, nur um den Aktienwert um ein paar Prozentpunkte anzuheben. Stattdessen arbeitet er im Stillen daran, Reeds Transformation von einem herkömmlichen Verlagshaus in ein Online- und Softwareunternehmen voranzutreiben. Eine von Aktionären immer wieder geforderte Aufsplittung des Unternehmens in Reed und Elsevier lehnt Engstrom ab.




 

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