Skala auf einem Transistorradio

Was Interviewer vom BBC-Kollegen Chris Stark lernen sollten


23.8.2013
Es passiert jeden Tag hundertfach: Reporter/in interviewt Schauspieler/in. Geredet wird über den neuesten Film, das nächste Projekt und nicht selten fallen viele Fragen der Schere des Prominenten-Managements zum Opfer, bevor sie gestellt sind. Überraschend anders war das Interview von Chris Stark, Co-Moderator der BBC Radio-One-Morningshow, mit Mila Kunis im März dieses Jahres. Fast 12 Millionen Mal ist sein Talk mit der US-Schauspielerin schon auf Youtube geklickt worden. Und die Medien berichten über ihn. Auch in Deutschland.



Damit hat Stark den Interview-Hit des Jahres gelandet. Vergangene Woche führte er ein Interview mit der Schauspielerin Jennifer Aniston. Die Erfolgsgeschichte scheint sich zu wiederholen: Zwei Millionen Klicks in nur drei Tagen.

Das ist kein Zufall, meint Sandra Müller, Autorin des Radio-Einsteigerbuches Radio machen. Sie hat einiges an Starks Interviewführung entdeckt, was sich zur Nachahmung eignet:

1. Natürlich sein.

Ein Interview ist (auch im Radio) oft eine recht künstliche Situation: Zwei Stühle, zwei Mikros, nichts zu trinken und in der Hand die Fragekarten. Gut kann das nur werden, wenn man es schafft, diese künstliche Atmosphäre auszublenden. Oder man folgt dem Beispiel von BBC-Moderator Chris Stark und reagiert ganz unbefangen, indem man die Ausnahmesituation selbst zum Thema macht.

2. Ruhig auch mal was von sich selbst erzählen.

Denn damit knackt man den Gesprächspartner. Zieht ihn auf seine Seite. Geht mit Persönlichem in Vorleistung, weil man selber Persönliches hören will. Stark jedenfalls hat Mila Kunis sofort für sich eingenommen, indem er ihr erzählt, wie aufgeregt er sei. Ob das stimmt, ist eine ganz andere Frage. (Er macht das öfter mal.) Im Interview mit der Schauspielerin wirkt der junge Moderator authentisch: Überraschend, ehrlich, unprätentiös. Aus dem Frage-Antworte-Spiel wird scheinbar eine ganz normale Unterhaltung zweier gleichwertiger Partner. Regel Nummer Drei lautet denn auch:

3. Sich (wenn möglich) unterhalten. Nicht nur fragen.

Auch das macht Interviews interessant. Nicht nur für den Zuhörer, sondern vor allem auch für den Interviewten. Bei Stark und Kunis hat der Hörer das Gefühl, einem Gespräch am Nachbartisch zu lauschen - mit allen Überraschungen, emotionalen Nuancen und persönlichen Geschichten, die auf diese Art möglich sind. Und das ist eben spannender als ein reines Frage-Anwort-Ping-Pong, das nicht selten nach "Lehrer fragt Schüler" oder umgekehrt klingt.

4. Nicht fragen, was alle fragen.

Oder zumindest: Nicht NUR fragen, was alle fragen. An ein, zwei Themen, auf die alle Zuhörer warten, kommt man oft nicht vorbei. Auch hier greift Stark wieder in die Trickkiste, indem er anspricht, dass vor der Kür die Pflicht kommen muss: Kunis liefert den (langweiligen) Pflichtteil zum Film im ironischen Schnelldurchlauf. Fertig. Und jetzt wieder zum spannenden Teil. Das wirkt sehr amüsant. Bleibt noch die wichtigste Lehre:

5. Interessiert, engagiert und leidenschaftlich sein.

Denn mal ehrlich: Das ist es, was Chris Starks Talk mit Kunis (und anderen) so faszinierend macht. Er strahlt eine ganz eigene Begeisterung aus für sein Interview und den Interviewpartner, wie man sie selten findet. Er vermittelt ohne Wenn und Aber, dass jeweils dieses konkrete Gespräch für ihn etwas ganz Besonderes ist. Und das macht es auch für Gesprächspartner und Hörer zu etwas Besonderem. So zufällig und überraschend das Kunis-Interview von Stark wirkt: Das war kein Zufallstreffer! Vergangene Woche interviewte Chris Stark die Schauspielerin Jennifer Aniston und auch dieses Gespräch ist mit nahezu 2 Millionen Aufrufen innerhalb von nur drei Tagen auf dem besten Weg zum Youtube-Renner. Was lernen wir daraus? Der BBC-Moderator weiß, was er tut. Er gibt sich ganz bewusst naiv und aufgeregt. In Wahrheit ist er ein souveräner Erzähler, authentischer Typ und interessierter Talker. Und wer weiß: Vielleicht hat auch er irgendwo fünf Regeln notiert…



 
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