Dossierbild Migration

15.3.2005 | Von:
Dr. Carolin Butterwegge (geb. Reißlandt)

Migration in Ost- und Westdeutschland von 1955 bis 2004

Das Kriegsende 1945 und die Neuordnung Europas bildeten den Hintergrund für millionenfache Wanderungsbewegungen. Erst ab Mitte der 1950er-Jahre und seit dem Bau der Mauer 1961 entwickelten sich neue Zuwanderungsformen – durch die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte.

Italienischer Gastarbeiter bei der Herstellung von feuerfesten Produkten in der Firma Rheinische Chamotte- und Dinaswerke in Mehlem.Italienischer Gastarbeiter bei der Herstellung von feuerfesten Produkten in der Firma Rheinische Chamotte- und Dinaswerke in Mehlem. (© Bundesregierung, B 145 Bild-00004809, Foto: Simon Müller)
Das Kriegsende 1945 und die nachfolgende politisch-territoriale Neuordnung Europas bildeten den Hintergrund für millionenfache Wanderungsbewegungen. Dabei handelte es sich zumeist um Zwangswanderungen, deren Zahl nur langsam zurückging. Erst ab Mitte der 1950er-Jahre und vor allem seit dem Bau der Mauer im Jahr 1961 entwickelten sich neue Zuwanderungsformen.

DDR: Zuwanderung aus den "sozialistischen Bruderstaaten"

Der erste Beitrag informiert über die Migrationspolitik und das Wanderungsgeschehen in der damaligen DDR. Das Migrationsgeschehen nach dem Mauerbau war ebenfalls durch die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte gekennzeichnet – allerdings in weit geringerem Umfang als in der Bundesrepublik. Der Arbeitskräftemangel war vor allem auf die Abwanderung eines erheblichen Teils der Bevölkerung in den Westen zurückzuführen: Von 1949 bis zum Mauerbau 1961 waren 2,7 Millionen Menschen von Ost- nach Westdeutschland übergesiedelt.

Zwischen 1966 und 1989 warb die DDR rund 500.000 Arbeitskräfte aus Vietnam, Polen, Mosambik und anderen Staaten an. Die Migranten arbeiteten unter schweren Bedingungen und lebten separiert von der Bevölkerung. Zugleich gewährte die DDR bis Mitte der 1970er-Jahre einigen Tausend Flüchtlingen vor allem aus Chile, Spanien und Griechenland Asyl.

Bundesrepublik: "Gastarbeiter"-Anwerbung, Aussiedler- und Asylzuwanderung

In der Bundesrepublik wurden zwischen 1955 und 1973 von Unternehmen und Behörden Millionen ausländischer Arbeitskräfte (so genannte Gastarbeiter) aus verschiedenen Mittelmeerländern angeworben. Sie und ihre Familien bilden bis heute die größte Gruppe der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund. Daneben bestanden weitere Formen der Zuwanderung, die besonders seit der Wiedervereinigung und dem Ende des Kalten Krieges zahlenmäßig stark ins Gewicht fielen: Aussiedlerinnen und Aussiedler aus Ostmittel- und Südosteuropa und der ehemaligen Sowjetunion sowie Flüchtlinge und Asylsuchende (in den 1990er-Jahren vor allem aus dem zerfallenden Jugoslawien).

Die Politik tat sich schwer, die unterschiedlichen Migrationsbewegungen zu steuern und zu kontrollieren und die Integration der Zugewanderten zu gestalten. Bevor mit dem Zuwanderungsgesetz Anfang 2005 eine gänzliche Neuordnung des Ausländerrechts in Kraft trat, durchlief die bundesdeutsche Migrations- und Integrationspolitik sechs prägende Phasen, die der zweite Beitrag vorstellt:

    1955-1973
    Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte

    1973-1979
    Anwerbestopp und Konsolidierung der Ausländerbeschäftigung

    1979-1980
    Konkurrierende Integrationskonzepte

    1981-1990
    Wende in der Ausländerpolitik

    1991-1998
    Dementi und praktische Akzeptanz der Einwanderungssituation

    1998-2004
    Deutschland, Einwanderungsland? Staatsangehörigkeit und Zuwanderungsdebatte


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