Dossierbild Migration

16.5.2007

Arbeitsmarktintegration

Auszug aus dem Datenreport 2006

Ein Auszug aus dem Datenreport 2006 des Statistischen Bundesamtes zeigt einige Aspekte der Arbeitsmarktintegration und weiterer Lebensbedingungen von Migrantinnen und Migranten verschiedener Herkunftsgruppen.

Erwerbsstatuts, berufliche Stellung und Einkommen von Migranten

Der folgende Textauszug und die vorgestellten Daten sind dem Datenreport 2006 des Statistischen Bundesamtes entnommen. Die referierten Angaben beruhen auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) und bilden die berufliche Situation der größten Zuwanderergruppen in Deutschland ab: von Migrantinnen und Migranten aus der Türkei, den EU-Staaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien (hier als Südwest-Europa bezeichnet), den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens und Aussiedler. Alle Analysen beziehen sich auf die alten Bundesländer, da die große Mehrheit der Zuwanderer dort lebt.

Abb. 1: Erwerbsstatus von Deutschen und in Deutschland lebenden Ausländern, Aus: Datenreport 2006, S. 569.Abb. 1: Erwerbsstatus von Deutschen und in Deutschland lebenden Ausländern, Aus: Datenreport 2006, S. 569. (© Statistisches Bundesamt)
Die Teilnahme am Erwerbsleben ist in den einzelnen Zuwanderergruppen sehr unterschiedlich. Abbildung 1 zeigt, dass fast jeder dritte Zuwanderer aus der Türkei nicht am Erwerbsleben teilnimmt. Dies betrifft vor allem türkische Frauen, die in der Mehrzahl nicht berufstätig sind. Auch tragen rechtliche Beschränkungen bei der Arbeitsaufnahme für Nicht-EU-Bürger dazu bei, dass die Erwerbsbeteiligung von Zuwanderern aus der Türkei und Staatsbürgern der Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens geringer ist als bei Zuwanderern aus EU-Ländern und Aussiedlern mit deutscher Staatsbürgerschaft.

Auch bei der Stellung innerhalb des Erwerbssystems zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen. Während bei den Deutschen und den Zuwanderern aus Südwest-Europa (Griechenland, Italien, Portugal und Spanien) weit über 60% einer Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung nachgehen, sind dies bei den Aussiedlern und Zuwanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien knapp 60% und bei den Zuwanderern aus der Türkei nur rund 45%. Teilzeitarbeit wird dabei weitgehend von Frauen ausgeübt. Große Unterschiede zeigen sich in den Arbeitslosenzahlen. Hier weisen Zuwanderer aus der Türkei die höchste Quote auf. Insgesamt hat sich das Arbeitslosigkeitsrisiko für Zuwanderer in den 1990er-Jahren stark erhöht und liegt deutlich über dem der deutschen Bevölkerung.

Abb. 2: Beschäftigungsstruktur von Deutschen und Zuwanderern in Westdeutschland, Aus: Datenreport 2006, S. 570.Abb. 2: Beschäftigungsstruktur von Deutschen und Zuwanderern in Westdeutschland, Aus: Datenreport 2006, S. 570. (© Statistisches Bundesamt)
Die berufliche Stellung der Beschäftigten geht mit einer spezifischen Verteilung nach Wirtschaftssektoren einher. Die Mehrzahl der beschäftigten Zuwanderer ist als ungelernte und angelernte Arbeiter vorwiegend im industriellen Sektor tätig (vgl. Abb. 2). Die berufliche Mobilität vor allem bei den als so genannte Gastarbeiter nach Deutschland immigrierten Zuwanderern ist gering. Sie haben den wirtschaftlichen Strukturwandel seit den 1970er-Jahren nur unzureichend und verzögert vollziehen können. Dies wiederum ist ein wichtiger Grund für die hohen Arbeitslosigkeitsquoten. Nur Zuwanderer aus Südwest-Europa arbeiten häufiger als qualifizierte Facharbeiter und weisen auch im Vergleich zu den anderen Zuwanderergruppen den höchsten Anteil höherer Angestellter auf. Der Abstand zu den deutschen Beschäftigten, die in der Mehrzahl als Angestellte tätig sind, verringert sich zwar zwischen 1996 und 2004, bleibt jedoch groß. Dieser Befund dokumentiert sich auch an den durchschnittlichen Berufsprestigewerten, die für Deutsche deutlich höher sind als für die Zuwanderergruppen.

Die Unterschiede in der beruflichen Qualifikation manifestieren sich auch in den Arbeitseinkommen. Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien und Aussiedler beziehen die niedrigsten Einkommen und konnten nur von einer geringen nominalen Einkommenssteigerung zwischen 1996 und 2004 profitieren. Die Einkommensunterschiede zwischen den Gruppen werden weniger durch Niedrigeinkommen geprägt, sondern vor allem durch die unterschiedlichen Anteile bei den Hocheinkommensbeziehern. Zuwanderer aus Südwest-Europa finden sich weniger häufig im Niedrigeinkommensbereich als deutsche Erwerbstätige. Dafür gibt es in der Gruppe der Deutschen 8%, die mehr als das Doppelte des Durchschnittsverdienstes erhalten, ein Anteil der von keiner Zuwanderergruppe erreicht wird. Daran wird erneut deutlich, dass höhere Berufspositionen nur selten von Zuwanderern eingenommen werden.

Weitere Lebensbedingungen im Vergleich

Abb. 3: Lebenssituation von Deutschen und Zuwanderern in den alten Bundesländern, Aus: Datenreport 2006, Bonn, S. 566.Abb. 3: Lebenssituation von Deutschen und Zuwanderern in den alten Bundesländern, Aus: Datenreport 2006, Bonn, S. 566. (© Statistisches Bundesamt)
In Abbildung 3 sind weitere wichtige Indikatoren der Lebensbedingungen dargestellt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer verweist auf die unterschiedlichen Zuwanderungsphasen. Zuwanderer aus den vier südwest-europäischen Staaten leben mit 32 Jahren im Schnitt am längsten in Deutschland, während (Spät-)Aussiedler hauptsächlich erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 nach Deutschland immigriert sind. Dementsprechend unterscheidet sich auch der Anteil der 2. Generation zwischen den Zuwanderergruppen, also derjenigen, die in Deutschland geboren wurden oder als Kinder nach Deutschland gekommen sind. Ein Vergleich der Daten von Haushaltsgröße und Familienstand verdeutlicht die stabile, traditionale Familienorientierung vor allem der türkischen Zuwanderergruppe. Mehrgenerationenfamilien mit mehr als einem Kind sind immer noch typisch, auch wenn sich die Geburtenrate der zugewanderten Frauen allmählich an die der deutschen Frauen angleicht.

Die Ergebnisse zur Wohnfläche pro Person und zum monatlichen Haushaltsäquivalenzeinkommen zeigen deutliche Unterschiede in den materiellen Lebensbedingungen. Deutsche verfügen im Vergleich zu den Zuwanderern über ein deutlich höheres Einkommen und über mehr Wohnraum pro Person. Unter den im Durchschnitt schlechtesten Lebensbedingungen leben Zuwanderer aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien. Mehr als ein Drittel der Zuwanderer aus diesen Regionen leben in einkommensarmen Haushalten. Zwischen 1996 und 2004 verbesserte sich die Einkommenslage bei den türkischen Zuwanderern und den Migranten aus den vier südwest-europäischen Staaten deutlich, während sie sich für Aussiedler und Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien eher verschlechterte. Besonders der Anstieg an einkommensarmen Haushalten ist bemerkenswert. Die im Schnitt deutlich niedrigere Wohnfläche bei allen Zuwanderergruppen im Vergleich zur Gruppe der Deutschen erklärt sich allerdings auch aus dem hohen Anteil von Zuwanderern, die in städtischen Mietwohnungen leben.

Quelle: Auszug aus Statistisches Bundesamt (Hg.): Datenreport 2006. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn 2006, S. 565-567.


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