Dossierbild Migration

1.6.2009 | Von:
Dr. Steffen Angenendt

Feminisierung

Internationale Migration wird zunehmend weiblicher. Insgesamt ist das Geschlechterverhältnis zwar in etwa ausgeglichen; bei einigen Wanderungsbewegungen ist jedoch der Frauenanteil weit größer als der Anteil an Männern. Ein wichtiger Faktor sind geschlechtsspezifische Fluchtursachen.

Blumenverkäuferin in BerlinBlumenverkäuferin in Berlin (© Susanne Tessa Müller)
Eine wichtige Entwicklung des internationalen Wanderungsgeschehens ist die Feminisierung. Dies betrifft weniger den Anteil der Frauen an der gesamten Migration, der auch bereits in den 1960er-Jahren nur einige Prozentpunkte unter dem heutigen Niveau von 49 Prozent lag, als die Tatsache, dass inzwischen bei einigen Wanderungsbewegungen der Frauenanteil größer als der Anteil an Männern ist. Das gilt vor allem in Südostasien.

Heute wandern mehr Frauen eigenständig auf der Suche nach Arbeit aus. Sie versorgen ihre zurückbleibenden Familien und erhöhen durch Rücküberweisungen den Wohlstand und die Entwicklung ihrer Herkunftsländer. Migrantinnen tragen zu sozialen Veränderungen im Herkunftsland bei, indem sie die gesellschaftliche Wertschätzung weiblicher Erwerbsarbeit und die Akzeptanz weiblicher Mobilität fördern. Gerade bei Migrantinnen spielen grenzübergreifende Netzwerke, Familienbindungen und ethnische Gemeinschaften eine wichtige Rolle, weil sie die anfänglichen Unsicherheiten und Kosten der Migration verringern.


Frauenanteil an den internationalen Migranten in Prozent der Gesamtzahl der Migranten, 1960-2000Frauenanteil an den internationalen Migranten in Prozent der Gesamtzahl der Migranten, 1960-2000 (© bpb)
Auch die Fluchtbewegungen weisen einen erheblichen Frauenanteil auf. Der Anteil von Frauen und Männern unter den Flüchtlingen ist fast gleich groß, weil es zahlreiche Fälle gibt, in denen Frauen aufgrund ihrer Religion, ihrer politischen Einstellung und ihres zivilgesellschaftlichen Engagements geschlechtspezifisch verfolgt werden. Nach wie vor werden allerdings mehr Männer als Flüchtlinge anerkannt, da sie häufiger die geschlechtsneutral formulierten Anforderungen der Genfer Flüchtlingskonvention erfüllen.

Einige Staaten haben begonnen, bei der Flüchtlingsanerkennung auch die geschlechtspezifische Verfolgung zu berücksichtigen. Einige Herkunftsländer versuchen, ihre Migrantinnen durch Auswanderungsverbote vor Ausbeutung und Missbrauch zu schützen. Auch zuwanderungspolitische Maßnahmen, gesetzliche Einreisebestimmungen und Aufenthaltstitel der Aufnahmeländer wirken sich häufig restriktiv auf die Mobilität von Frauen aus.


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