Dossierbild Migration

1.6.2009 | Von:
Dr. Steffen Angenendt

Ökonomische Wanderungsfaktoren

Sehr oft haben Migrationsentscheidungen auch wirtschaftliche Gründe. Aber es ist schwierig, ökonomische von nicht-ökonomischen Wanderungsfaktoren zu unterscheiden. Oft wirken sie zusammen. Einerseits spricht man von "Wirtschaftsflüchtlingen", andererseits von der Anwerbung von Arbeitsmigranten.

Demokratische Republik Kongo: BinnenflüchtlingeDemokratische Republik Kongo: Binnenflüchtlinge (© EC/ECHO/François Goemans)
Ökonomische Faktoren sind zweifellos die wichtigste Wanderungsursache; demographische, ökologische, ethnisch-kulturelle und politische Wanderungsmotive werden häufig erst im Zusammenspiel mit wirtschaftlichen Motiven wirksam. Selbst Flüchtlinge können wirtschaftliche Gründe für ihre Flucht haben, wenn nämlich die Machthaber aus politischen Gründen ihre wirtschaftlichen Lebensgrundlagen zerstört haben.

Die Schwierigkeit, ökonomische von nicht-ökonomischen Wanderungsfaktoren zu unterscheiden, zeigt sich nicht zuletzt in der Debatte um "Wirtschaftsflüchtlinge", das heißt, um Flüchtlinge, denen unterstellt wird, politische Gründe für wirtschaftlich motivierte Wanderungen vorzugeben.

Nicht zuletzt wegen dieser Verflechtung mit anderen Wanderungsformen lässt sich der Einfluss von wirtschaftlichen Faktoren auf Wanderungsentscheidungen oft nur schwer bestimmen. So fällt auch die Prognose schwer, welche Einkommens- und Kaufkraftunterschiede zwischen Ländern oder Regionen Wanderungen hervorrufen.

Ähnlich schwierig sind aus der Perspektive der Aufnahmeländer Prognosen des Arbeitskräftebedarfs. Hier sind sowohl kurzfristige konjunkturelle Entwicklungen, mittelfristige Änderungen der Produktionsorganisation und Wirtschaftsstruktur als auch langfristige strukturelle Gegebenheiten der Volkswirtschaften wirksam.

In einigen Industrieländern, die qualifizierte Arbeitskräfte anwerben wollen, wird unter anderem wegen dieser Prognoseschwierigkeiten überlegt, ob die Aufnahmeverfahren nicht eher an den individuellen Qualifikationen der Arbeitsmigranten als an momentan freien Stellen in einem bestimmten Wirtschaftsbereich ansetzen müssten. Mit entsprechenden Verfahren, beispielsweise Punktesystemen, könnten Zuwanderer angeworben werden, bei denen es auf Grund ihrer persönlichen Eigenschaften zu erwarten wäre, dass sie auch mit strukturellen Veränderungen der Arbeitsmärkte zurecht kämen.


Mediathek

Migration - die Gründe

2009 lebten etwa 3,5 Prozent der Weltbevölkerung (ca. 220 Millionen Menschen) - legal oder illegal – weit von ihrer Heimat entfernt. Aus welchen Gründen verlassen Menschen in der heutigen Zeit ihre Heimat?

Jetzt ansehen

Mediathek

Migration - die Wege

Diese Sendung veranschaulicht anhand von vier Beispielen, welche Auswirkungen sich aus der Migration für die Aufnahmeländer ergeben.

Jetzt ansehen

Mediathek

Migration - die Politik der EU

Europa ist noch nicht sehr lang eine Einwanderungsregion. Welche Migrationspolitik verfolgt die Europäische Union? Ein Rückblick in die Geschichte und eine Analyse der Kontrolleinrichtungen.

Jetzt ansehen

Der Film "Die Piroge" erzählt die Geschichte afrikanischer Flüchtlinge auf ihrer gefährlichen Reise nach Europa. 30 Menschen wagen die Flucht von Dakar zu den Kanarischen Inseln in einem einfachen offenen Fischerboot, einer Piroge. Als unterwegs immer mehr Probleme auftauchen und der Motor ausfällt, wird die Reise zu einem Albtraum.

Mehr lesen auf kinofenster.de

Was bedeutet es, alles hinter sich zu lassen und in einem fremden Land neu anzufangen? Das "Alphabet des Ankommens" kombiniert Journalismus mit Comics, um das Thema Aus- und Einwanderung einmal anders anzugehen. Journalisten und Zeichner aus zehn verschiedenen Ländern berichten, wie Migration heute Gesellschaft prägt.

Mehr lesen