Dossierbild Migration

1.6.2009 | Von:
Dr. Steffen Angenendt

Gesellschaftliche Wanderungsfaktoren

Oft sind innergesellschaftliche Faktoren für Migrationsbewegungen Ausschlag gebend. Zu diesen Faktoren zählen einerseits soziale, ethnische und religiöse Konflikte im Herkunftsland, aber auch attraktive gesellschaftliche Bedingungen in den Zielländern.

Demokratische Republik Kongo: BinnenflüchtlingeDemokratische Republik Kongo: Binnenflüchtlinge (© EC/ECHO/François Goemans)
Gesellschaftliche Wanderungsfaktoren sind eng mit politischen Faktoren verbunden. Soziokulturelle Druckfaktoren können beispielsweise vorliegen, wenn die Mehrheit einer Gesellschaft die Siedlungsweisen, Wirtschaftsformen und kulturellen Praktiken von Minderheiten nicht respektiert und die Regierung die Spannungen nicht in friedliche Bahnen lenken kann oder will. Sie können auch im Gegensatz zwischen laizistischen und religiös-fundamentalistischen Gruppen bestehen, bei denen es oft um die grundsätzliche Frage geht, wie Staat und Gesellschaft organisiert sein sollen.

Auf der anderen Seite sind moderne liberale Gesellschaften, in denen Staat und Kirche häufig getrennt sind oder in denen zumindest Religionsfreiheit herrscht und bürgerliche Freiheiten gewahrt sind, für viele Menschen attraktiv. Auch geringe kulturelle und ethnische Unterschiede zwischen der Herkunfts- und der Aufnahmegesellschaft wirken als Sogfaktoren: Eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsamer kultureller Hintergrund erleichtern die Zuwanderung erheblich.

Viele Wanderungsbewegungen werden dadurch angeregt, dass es zwischen den Herkunfts- und Aufnahmeregionen bereits in der Vergangenheit Wanderungen gegeben hat. Ethnische Herkunftsgemeinschaften im Aufnahmeland können neuen Zuwanderern oft entscheidende Unterstützung bieten, z.B. bei der Unterbringung oder Arbeitsbeschaffung nach der Einreise. Solche Netzwerke können legale, aber auch irreguläre Einreisen und die entsprechenden Aufenthalte unterstützen.

Um einen gesellschaftlichen Wanderungsfaktor handelt es sich auch, wenn es in der Aufnahmegesellschaft Meinungsführer gibt, die von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen legaler und erwünschter Zuwanderung überzeugt sind und sich mit ihren Möglichkeiten – beispielsweise publizistischen Mitteln – für eine Erweiterung der Zuwanderungsmöglichkeiten einsetzen.

Ähnliches gilt auch für gesellschaftliche Organisationen und Gruppen, die sich als "Lobbyisten" für bestimmte Zuwanderer einsetzen. Wenn diese gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen Bündnisse mit ethnischen, politischen oder wirtschaftlichen Interessengruppen eingehen, gelingt es ihnen häufig, spezifische Zuwanderungsmöglichkeiten zu schaffen.


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