Dossierbild Migration

1.6.2009 | Von:
Dr. Steffen Angenendt

Demografische Wanderungsfaktoren

Kann die Bevölkerungsentwicklung in einem Land wanderungsauslösend sein? Demografische Migrationsfaktoren wirken meist erst in Kombination mit bestimmten ökonomischen und ökologischen Konstellationen.

Im Görlitzer Park, Berlin-KreuzbergIm Görlitzer Park, Berlin-Kreuzberg (© Susanne Tessa Müller)
Die Bevölkerungsentwicklung ist kein eigenständiger wanderungsauslösender Faktor. Sie wird erst wirksam, wenn bestimmte ökonomische und ökologische Konstellationen vorliegen. Als langfristige Rahmenbedingung kann sie aber sowohl interne als auch grenzüberschreitende Wanderungsbewegungen beeinflussen. Entscheidend sind hierbei die Geschwindigkeit und die regionale Verteilung des Bevölkerungswachstums.

So kann ein starkes Bevölkerungswachstum über einen gewissen Zeitraum bestimmte Altersjahrgänge verstärken, die dann zu einem späteren Zeitpunkt gleichzeitig auf den Arbeitsmarkt und den Wohnungsmarkt drängen. Wenn Gesellschaften darauf nicht ausreichend vorbereitet sind, kann die Konkurrenz um Arbeitsplätze, Wohnraum und staatlichen Leistungen steigen. Der Anreiz zur Auswanderung kann stärker werden. Beispiele hierfür bieten viele nordafrikanische Staaten.

Andererseits kann die Bevölkerungsentwicklung in den Aufnahmeländern als Sogfaktor wirksam werden, etwa wenn – wie in fast allen europäischen Staaten zu beobachten ist – die Geburtenzahlen langfristig abnehmen und gleichzeitig die Lebenserwartung steigt. Der strukturelle Wandel dieser Bevölkerungen besteht dann zunächst in einer demografischen Alterung, später auch in einer Schrumpfung der Bevölkerung. Beides kann den Bedarf an Zuwanderern erhöhen.

Strategien zur Schließung dieser Lücken durch Zuwanderer können temporär ausgerichtet sein, wie etwa bei der früheren "Gastarbeiterpolitik" der Bundesrepublik, wenn aktuelle Arbeitsmarktlücken im Vordergrund stehen. Sie können aber auch auf eine dauerhafte Einwanderung angelegt sein, wie seit langem in den klassischen Einwanderungsländern Australien, Kanada und USA.

Viele Industriestaaten entwickeln nicht zuletzt aus demografischen Gründen neue Instrumente zur Anwerbung von Zuwanderern. Die meisten Staaten möchten vor allem die dauerhafte Einwanderung von hoch Qualifizierten fördern, und für Fachkräfte und gering Qualifizierte nur befristete Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Die Instrumente, mit sie dazu einsetzen, sind vielfältig: Sie bauen Vorrangprüfungen ab, mit denen bislang sicher gestellt werden sollte, dass keine einheimischen Arbeitskräfte für die betreffende Position zur Verfügung stehen. Einige Staaten entwickeln Punktesysteme, mit denen dauerhafte Zuwanderer angezogen werden sollen. Andere Staaten entwickeln Anwerbeprogramme für Branchen mit besonderem Arbeitskräftebereich, oder schaffen neue temporäre Zuwanderungsmöglichkeiten. Zudem bemühen sich viele Staaten zunehmend um ausländische Studenten. Schließlich führen einige Staaten auch noch umfangreichere Legalisierungen von irregulären Zuwanderern durch.


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