Dossierbild Migration

1.6.2009 | Von:
Dr. Steffen Angenendt

Herausforderungen

Grenzüberschreitende Wanderungsbewegungen bieten Chancen, sind häufig aber auch mit Problemen verbunden. Die Staaten stehen vor zahlreichen migrationsbedingten Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden können.

Burundi: Flüchtlingslager 2002Burundi: Flüchtlingslager 2002 (© EC/ECHO/Yves Horent)
Im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung werden die internationalen Wanderungsbewegungen weiter zunehmen. Die Integration der Märkte wird für viele Menschen neue Möglichkeiten, aber auch neue Zwänge zur Migration schaffen. Generell wird die individuelle Mobilität zunehmen, sowohl in den wirtschaftlich entwickelten als auch in den weniger entwickelten Weltregionen. In vielen Gebieten wird angesichts von Armut, Unterentwicklung und Konflikten der Abwanderungsdruck weiterhin steigen, und es wird auch künftig ethnisch-religiöse Konflikte mit ethnischen Vertreibungen (wie in den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien oder den Bürgerkriegen in Ruanda oder in Sudan) geben. Wahrscheinlich wird die Verschlechterung der Umweltbedingungen vor allem in den wüstennahen Gebieten zu neuen Wanderungsbewegungen führen, und es können weitere komplexe Katastrophen mit Massenfluchtbewegungen ausbrechen.

Steuerung und Kooperation

Vielen Regierungen ist bewusst, dass sie diese globalen Herausforderungen nicht mehr im Alleingang bewältigen können. Zahlreiche Staaten haben bereits mit der Konzeption und Gestaltung der nationalen Migrationspolitik erhebliche Schwierigkeiten. Den Regierungen fällt insbesondere die Balance zwischen der wirtschaftlich als notwendig erachteten Öffnung für Zuwanderer und der häufig von den Einheimischen geforderten Begrenzung der Wanderungsbewegungen schwer: Unternehmen drängen auf eine Ausweitung der Zuwanderung, um Engpässe am Arbeitsmarkt auszugleichen, während bei der Bevölkerung die Sorge über zusätzliche Konkurrenz um wenige Jobs wächst. Auch wissen die Regierungen oft nicht, wie sie mit den migrationsbezogenen Folgen der regionalen Integration umgehen sollen. Die Debatten über die Personen- und Dienstleistungsfreiheit in der EU oder in der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) sind dafür Beispiele.

Die Industriestaaten reagieren auf diese Entwicklungen ambivalent: Einerseits versuchen sie, ihre nationalen Handlungskapazitäten auszubauen und die Wanderungsbewegungen zu kontrollieren. Andererseits bemühen sie sich um gemeinsame Regelungen, indem sie die regionale Zusammenarbeit wie beispielsweise im Rahmen der Gemeinsamen Innen- und Justizpolitik der EU vertiefen. Zum Teil bemühen sie sich auch um die Kooperation mit internationalen Organisationen, an die sie Aufgaben delegieren. So haben in den vergangenen Jahren der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) und die International Organisation for Migration (IOM) neue Aufgaben in der Betreuung von Flüchtlingen und Migranten übernommen.


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