Dossierbild Migration

Binnenmigration und Binnenvertriebene


1.6.2009
Grenzüberschreitende Wanderungen sind nur ein Aspekt des globalen Wanderungsgeschehens. Ebenso wichtig ist die Zunahme von internen Wanderungsbewegungen, also die Migration von Menschen, die ihre Heimatorte verlassen, um in anderen Landesteilen bessere Lebensbedingungen oder Schutz vor Gewalt zu finden.

Wanderarbeiter in Peking. Foto: APWanderarbeiter in Peking. (© AP)
Grenzüberschreitende Wanderungen sind nur ein Aspekt des globalen Wanderungsgeschehens. Ebenso wichtig ist die Zunahme von internen Wanderungsbewegungen, also die Migration von Menschen, die ihre Heimatorte verlassen, um in anderen Landesteilen bessere Lebensbedingungen oder Schutz vor Gewalt zu finden.

Prinzipiell sind bei Binnenwanderungen die gleichen Triebkräfte wirksam wie bei grenzüberschreitenden Wanderungen. Entscheidende Triebkräfte sind auch hier die Globalisierung und die mit ihr häufig einhergehenden regionalen Entwicklungsunterschiede, außerdem ethnische Spannungen oder gewalthaltige lokale Konflikte, vor denen Menschen fliehen. Auch die Erscheinungsformen von grenzüberschreitenden und internen Wanderungsbewegungen ähneln sich.

So wird bei der wirtschaftlich motivierten Binnenmigration wie bei der internationalen Arbeitsmigration die temporäre und zirkuläre Migration wichtiger. Viele Migranten kehren nach einer gewissen Zeit in ihre Heimatorte zurück, weil sie ihre wirtschaftlichen Ziele erreicht haben. Viele kommen aber auch zurück, weil sie in der anderen Umgebung nicht erfolgreich waren und keine oder keine ausreichende Beschäftigung gefunden haben. Und schließlich findet die wirtschaftliche Bedeutung der Überweisungen derjenigen, die zu Arbeitszwecken fort gegangen sind, zunehmende politische Aufmerksamkeit. Diese Geldflüsse werden nun von vielen Regierungen als willkommener Entwicklungsbeitrag für ärmere Landesteile gesehen, und in einigen Ländern verändert dies den politischen Umgang mit Binnenmigranten.

Einige Länder, etwa China, Indien und Vietnam, haben bereits begonnen, die traditionellen Zuzugsbegrenzungen für die stark nachgefragten Städte zu lockern, mit denen die bisher von den Regierungen vor allem als Belastung der Infrastrukturen kritisch gesehene Land-Stadt-Wanderung reduziert werden sollte. Hierzu hat sicherlich beigetragen, dass sich Zuzugsbeschränkungen in den meisten Fällen als relativ wirkungslos erwiesen haben. Sie werden häufig unterlaufen und in der Regel steht der bürokratische Aufwand in keinem Verhältnis zum Resultat. Wichtiger ist möglicherweise noch die Einsicht, dass durch eine Behinderung von Mobilität wirtschaftliche Entwicklungspotenziale verloren gehen, und dass die Binnenmigranten durch ihre Geld- und Warentransfers den Staat von Entwicklungsleistungen in den ländlichen Gebieten entlasten können.

Die Formen der Binnenmigration unterscheiden sich in den Weltregionen zum Teil deutlich. Während nach Analysen der International Organization for Migration bei der Binnenmigration saisonale und zirkuläre Wanderungen dominieren und eine Strategie zu Anpassung an die zunehmenden Entwicklungsunterschiede in den Ländern darstellen, nehmen in Lateinamerika vor allem Wanderungen zwischen städtischen Gebieten zu. In einigen westlichen und östlichen afrikanischen Staaten hingegen wächst sowohl die Wanderung zwischen ländlichen Gebieten als auch die zwischen Städten. Wie in den Staaten des Mittleren und nahen Ostens gibt es auch im südlichen Afrika zum Teil erhebliche temporäre Rückwanderungen aus Städten in ländliche Gebiete, jeweils in Abhängigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung.

So unterschiedlich diese regionalen Trends der Binnenmigration sind, ist ihnen aber doch gemeinsam, dass Wanderungen immer seltener einmalige und definitive Bewegungen sind, sondern Folgewanderungen in andere Landesteile und in andere Länder nach sich ziehen.

Ein anderer, politisch zunehmend wichtiger werdende Erscheinung von Binnenwanderungen sind Binnenflüchtlinge. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen schätzte, das es Ende 2007 weltweit 51 Millionen Binnenvertriebene gab, von denen 26 Millionen vor gewalthaltigen Konflikten und 25 Millionen vor Naturkatastrophen geflohen waren. Der Schutz und die Versorgung dieser Flüchtlinge stellt die internationale Gemeinschaft vor besondere Schwierigkeiten, weil es für diese Flüchtlinge kein internationales Schutzregime gibt und der Zugang zu diesen Menschen für Hilfsorganisationen immer von der Zustimmung des betreffenden Landes abhängt.



 

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