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Aktuelle Trends


1.9.2009
Im Jahr 2008 erreichte die Einwanderung nach Schweden mit insgesamt 101.171 zugewanderten Personen einen Rekordwert. Diese Zahl umfasst alle Personen, die 2008 mit dem Vermerk "eingewandert" ins schwedische Melderegister eingetragen wurden. Die Registrierung erfolgt in der Regel bei allen Personen, die sich für einen längeren Zeitraum in Schweden aufhalten wollen.

Die Registrierung erfolgt in der Regel bei allen Personen, die sich für einen längeren Zeitraum in Schweden aufhalten wollen und keine Touristen, Saisonarbeiter oder andere Arbeitskräfte mit lediglich kurzem, vorübergehendem Aufenthalt sind. Die größte Gruppe unter den Zuwanderern 2008 waren zwar schwedische Staatsbürger, die zuvor im Ausland ansässig gewesen waren, aber es kamen auch viele Iraker, Staatsbürger der nordischen Nachbarländer und Polen.

Auch die Auswanderung aus Schweden war 2008 und 2007 mit jeweils über 45.000 Personen so hoch wie zuletzt während der großen Abwanderungswellen nach Amerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 54 % der 2007 Ausgewanderten waren Menschen, die vorher nach Schweden eingewandert waren. Die restlichen 46 % waren Schweden, die mehrheitlich nach Norwegen, Dänemark und Finnland fortzogen.

Zuwanderung 2008 nach Herkunftsländern
Schweden (Rückkehrer)17.853
Irak12.103
Nordische Nachbarländer (Dänemark, Norwegen, Finnland)9.251
Polen6.970
Somalia4.064
Deutschland3.405
Thailand3.060
China2.677
Rumänien2.544
Serbien1.791
Sonstige37.453
Insgesamt101.171
Quelle: Statistiska Centralbyrån


Zuwanderung 2008 nach AufnahmegründenZuwanderung 2008 nach Aufnahmegründen Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (bpb)
Familienzusammenführung ist heute die häufigste Migrationsursache bei Einwanderern aus Ländern außerhalb des Nordischen Rates und der EU. Die Nachziehenden sind häufig Familienmitglieder von Personen, die als Flüchtlinge aufgenommen wurden. Dies wird am Beispiel der Herkunftsländer Irak und Somalia deutlich: Von den 33.184 Personen, die 2008 als Familienangehörige nach Schweden kamen, waren 8.215 irakische und 3.548 somalische Staatsbürger. Bei rund zwei Dritteln aller Aufenthaltserlaubnisse, die im Rahmen der Familienzusammenführung erteilt werden, handelt es sich um so genannte "neu etablierte Beziehungen". Dies bedeutet, dass schwedische Staatsbürger oder in Schweden ansässige Ausländer eine Person mit ausländischer Staatsangehörigkeit heiraten, die durch die Heirat ein Aufenthaltsrecht erwirbt. Beim übrigen Drittel bestand schon vor der Zusammenführung ein familiäres Verhältnis.

Neben den zugewanderten Familienangehörigen sind auch Personen aus EU-Ländern und den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) [1] eine wichtige Einwanderergruppe. Die größte Gruppe innerhalb der EU- und EWR-Bürger bildeten im Jahr 2008 Polen, gefolgt von Deutschen, Rumänen, Niederländern und Franzosen.

Die EU-Erweiterung vom Mai 2004 machte sich in Schweden unmittelbar bemerkbar. Schweden war eines der wenigen Länder der "alten" EU, die keine Übergangsregelungen gegen die Freizügigkeit der Bürger der "neuen Staaten" in Kraft setzten. Anders als etwa in Deutschland oder Österreich konnten Personen aus den Erweiterungsländern sofort nach Schweden einreisen und dort arbeiten, ohne dass sie zuvor eine Arbeitserlaubnis beantragen mussten. Bereits im Jahr der Erweiterung waren polnische Zuwanderer die größte Gruppe innerhalb der Kategorie der EU- und EWR-Bürger. Befürchtungen des damaligen schwedischen Ministerpräsidenten Göran Persson, Schweden werde ohne freizügigkeitsrechtliche Restriktionen Opfer von "sozialem Tourismus", bewahrheiteten sich nicht. Die meisten EU-Zuwanderer kamen als Arbeitskräfte oder Dienstleister. Anzeichen für eine übermäßige Inanspruchnahme sozialer Leistungen durch die neuen EU-Bürger gab es nicht [2] Vor dem Hintergrund dieser positiven Erfahrung setzte Schweden auch 2007, als Rumänien und Bulgarien der EU beitraten, keinerlei Restriktionen in Kraft. Dies machte sich erneut in einem spürbaren Zuwachs der Einwanderung – vor allem aus Rumänien – bemerkbar, jedoch in deutlich geringerem Umfang als bei polnischen Staatsbürgern 2004. [3]

Auch ausländische Studierende stellen einen bedeutenden Anteil der Neuzuwanderer. Insgesamt stammen gegenwärtig rund sieben Prozent der an schwedischen Universitäten und Hochschulen eingeschriebenen Studenten aus dem Ausland. Im akademischen Jahr 2006/2007 waren dies in absoluten Zahlen 29.700 ausländische Studierende. Beflügelt wurde die Studentenmigration lange davon, dass schwedische Universitäten von aus- wie inländischen Studenten keine Gebühren verlangten. Im Herbst 2009 kündigte die Regierung in Stockholm jedoch an, dass ausländische Interessenten ab dem Wintersemester 2011 für ein Studium in Schweden bezahlen müssten.

Die Arbeitszuwanderung aus Staaten außerhalb der Europäischen Union bewegt sich zahlenmäßig etwa auf dem gleichen Niveau wie die Zuwanderung von Studenten. Im Jahr 2008 bekamen insgesamt 14.513 Arbeitsmigranten aus Drittstaaten eine Aufenthaltserlaubnis. Die meisten von ihnen kamen aus Thailand (3.985), Indien (2.393) und China (1.976). [4] Dass thailändische Staatsangehörige eine besonders starke Gruppe innerhalb der Arbeitsmigranten ausmachen, liegt vor allem daran, dass sie jedes Jahr im Spätsommer nach Nordschweden kommen und als Saisonarbeiter Preiselbeeren und die als Delikatesse bekannten Moltebeeren sammeln. Sie reisen stets zum Ende der Pflücksaison nach einigen Wochen wieder aus.


Fußnoten

1.
Zum EWR gehören über die EU-Staaten hinaus auch Island, Norwegen und Liechtenstein.
2.
Vgl. Inga tecken på "social turism", in: Dagens Nyheter, 24. August 2004.
3.
Vgl. Wadensjö (2007).
4.
Migrationsverket.

 
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