Islamische Bademode

Pop-Islam

19.3.2012
Der Begriff des Pop-Islam wurde von der Islamwissenschaftlerin und Journalistin Julia Gerlach geprägt. Er bezieht sich auf eine Strömung unter jungen Muslimen, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden ist. Charakteristisch für diese Szene ist die Verknüpfung konservativer Religiosität mit modernem Lebensstil und explizitem Bezug auf die deutsche Gesellschaft.

Gerade Jugendliche aus bildungsnahen Milieus sind in der "pop-islamischen" Szene vertreten. Sie sehen den Islam als zentralen Teil ihrer Identität und bekennen sich selbstbewusst zum islamischen Glauben. Gleichzeitig betonen sie ihre Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft. "Deutsch" und "Muslim" sind für sie zwei Attribute, die selbstverständlich zusammengehen. Dazu gehört für viele auch, sich ehrenamtlich in die Gesellschaft einzubringen.

Der Islam gilt diesen Jugendlichen als Antwort auf viele aktuelle Probleme und Konflikte. Die Hinwendung zu konservativen, religiös begründeten Werten und Normen betrachten sie als Schutz vor Drogen, oberflächlichen Vergnügungen, liberaler Sexualität und anderen "Versuchungen" – und als Rezept gegen Gewalt und Kriminalität.

Unter den Vertretern dieser Strömung finden sich viele in Deutschland aufgewachsene Muslime, die sich mit ihrer Religiosität auch von dem eher traditionalistischen und ritualisierten Islamverständnis ihrer Eltern abwenden. Diese Abgrenzung spiegelt sich auch in der Orientierung an Predigern wie dem Ägypter Amr Khaled oder dem Islamwissenschaftler Tariq Ramadan. Diese bemühen sich darum, konservative Wertvorstellungen mit dem Alltag junger Muslime in Einklang zu bringen. Ihnen geht es dabei auch um den Vorbildcharakter, den man als Muslim mit einer islamischen Lebensführung für andere Muslime wie Nicht-Muslime anstreben sollte. Das beinhaltet auch die Vorstellung, dass man selbst die Grundlagen für den eigenen Erfolg im Leben legt.

Die Grenzen zu anderen Strömungen des islamischen Spektrums sind dabei oft fließend. So genießt der ägyptische Gelehrte Yusuf Al-Qaradawi, der der islamistischen Muslimbruderschaft zugerechnet wird, in pop-islamischen Strömungen hohes Ansehen.



 

Dossier

Islamismus

Seit 9/11 hat ein Wort Hochkonjunktur: Islamismus. Wer sind seine Wortführer? Welche Ziele verfolgen sie? Das Dossier führt ein in Vergangenheit und Gegenwart der extremistischen Herrschaftstheorie, die die Welt des 21. Jahrhunderts vor große Herausforderungen stellt. Weiter... 

Fereshta Ludin, Vordergrund rechts, und ihr Anwalt Hansjoerg Melchinger, Vordergrund links, verfolgen die Urteilsverkündung des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe am Mittwoch, 24. September 2003. Nach dem Urteil aus Karlsruhe kann das Land Baden-Württemberg einer muslimischen Lehrerin das Tragen eines Kopftuches nur verbieten, wenn es dafuer ein neues Gesetz verabschiedet.Debatte

Konfliktstoff Kopftuch

Darf eine muslimische Lehrerin in deutschen Schulen ein Kopftuch tragen? Die Debatte um das Kopftuch zeigt eine Gesellschaft auf der Suche nach ihrer Identität. Weiter... 

Dossier

Gangsterläufer

Der Dokumentarfilm "Gangsterläufer" begleitet den jungen Intensivtäter Yehya E. Seine kriminelle Energie und sein Reflexionsvermögen erstaunen und schockieren zugleich. Die bpb zeigt den Film - ergänzt um Analysen und Interviews zu Themen wie Jugendkriminalität, "Problemviertel", Flucht und Migration. Weiter... 

Dossier

Neukölln Unlimited

Die Geschwister Lial, Hassan und Maradona wachsen in Berlin Neukölln auf, ihre Jugend ist von der Leidenschaft für Breakdance und Musik geprägt, aber auch vom Kampf der Familie für ihr Bleiberecht. Der Dokumentarfilm "Neukölln Unlimited" zeigt den Alltag und die Träume selbstbewußter junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und kann für wichtige Fragen der politischen Bildung sensibilisieren in den Themenfelder Migration, Asyl, Bildung und Jugendkultur. Weiter...