Islamische Bademode

Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG)


17.12.2009
Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs ist umstritten: Die Organisation bekennt sich öffentlich zu Demokratie und Rechtsstaat. Verfassungsschutzbehörden werfen ihr dagegen islamistische Bestrebungen vor.

Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) zählt zu den in Deutschland umstrittensten islamischen Organisationen. Verfassungsschutzbehörden werfen ihr seit Jahren islamistische Bestrebungen vor. Auch der Verfassungsschutzbericht 2008 stellt die "verbalen Bekenntnisse der IGMG zu Demokratie und Rechtsstaat" in Zweifel. Auf der anderen Seite betont etwa der Soziologe und IGMGExperte Werner Schiffauer die Integrationsbereitschaft, die insbesondere von jüngeren Mitgliedern der IGMG gezeigt werde.

Newsletter Jugendkultur, Islam und Demokratie

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter "Jugendkultur, Islam und Demokratie", PDF-Icon Ausgabe Nr. 15/Dezember 2009. Der Newsletter wird im Auftrag der bpb erstellt durch ufuq.de - Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V.

Milli Görüs heißt "Nationale Sicht" und geht zurück auf den türkischen islamistischen Politiker Necmetin Erbakan, der Anfang der 70er Jahre in der Türkei das politische Ziel der IGMG formulierte: die Bekämpfung der säkularen und die Errichtung einer "gerechten Ordnung" (adil düzen) auf strikt islamischer Grundlage. Sprachrohr der internationalen Milli- Görüs-Bewegung ist die türkische Tageszeitung Milli Gazete, die bis heute immer wieder sehr positiv über Erbakan berichtet, "den Westen" diffamiert und nicht selten auch antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet.

In Deutschland und Europa wurde die IGMG in den 70er Jahren aktiv und zielte zunächst vor allem auf die türkischen Arbeitsmigranten. Als sich abzeichnete, dass diese mit ihren Familien in Deutschland bleiben würden, entwickelte sich die IGMG mehr und mehr zu einer deutschen Organisation. Einige hundert Moscheevereine sowie diverse Jugend-, Frauen- und Studentenvereine gehören zum engeren Umfeld der IGMG. In Deutschland gibt sie die zweisprachige Zeitschrift "IGMG-Perspektive" heraus, die vor allem über politische, kulturelle und religiöse Anliegen deutschtürkischer Migranten berichtet.

Die IGMG dominiert mit dem Islamrat einen der vier großen muslimischen Dachverbände und ist über diesen in der vom Bundesinnenministerium einberufenen Deutschen Islam Konferenz vertreten. Auch auf der Ebene der Länder und Kommunen ist die IGMG vielfach Gesprächspartner, wenn es um Islam und Integration geht.

So ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Auf der einen Seite steht die "alte", an der islamistischen Ideologie Erbakans orientierte IGMG, die meist einem sehr traditionell geprägten Milieu entstammt, sich weiterhin an der Türkei orientiert und von starker Abgrenzung gegenüber der nichtislamischen Umwelt geprägt ist. Auf der anderen Seite findet sich eine neuere Generation von IGMG-Repräsentanten, viele davon in Deutschland geboren, die auf eine Integration von Islam und Muslimen in Deutschland drängt. Dabei ist auch diese Generation in der Regel von einem konservativen Islamverständnis geprägt, welches sich zum Beispiel in der Geschlechtertrennung in der Jugendarbeit widerspiegelt.



 

Dossier

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