Spenden für Gaza
6.4.2009
Leider könne ihr Sohn nicht mit auf die Klassenfahrt fahren, erklärte kürzlich eine Mutter arabischer Herkunft einer Grundschullehrerin in Berlin-Neukölln – und zwar, weil sie nach dem Krieg in Gaza Geld für die dortige Bevölkerung spenden müsse.
Newsletter Jugendkultur, Islam und Demokratie
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter "Jugendkultur, Islam und Demokratie",
Ausgabe Nr. 11/April 2009. Der Newsletter wird im Auftrag der bpb erstellt durch ufuq.de - Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V.
Bereits während des Krieges
in Gaza hatten verschiedene
islamische Organisationen
zu Spenden aufgerufen,
um Hilfsgüter für
die Bevölkerung in Gaza zu
finanzieren. (Zu den vielfältigen
Protesten unter
Muslimen in Deutschland
siehe
Newsletter Nr. 10/Februar 2009)
Diese Kampagnen, zu denen
auch Musikveranstaltungen,
Spendengalas und
der Verkauf von T-Shirts
für Gaza zählen, werden
vielfach von jungen Muslimen
getragen. In ihrem
Engagement kommen humanitäre
und politische
Motive zusammen. Klickt 4
Gaza heißt zum Beispiel
eine Aktion der bereits 2006 gegründeten
Initiative Aktiv für Gaza. Als "jung und engagiert" beschreiben sich die Träger, die
sich "solidarisch mit der leidenden Bevölkerung
Palästinas" zeigen möchten. Werbepartner,
so versichern die Betreiber der an
der Aktion beteiligten islamischen Internetseiten,
würden dafür zahlen, wenn die Besucher
der Seiten die dort erscheinenden Werbelayer
fünf Sekunden lang geöffnet ließen. Wenn
1.000 Besucher dies täglich fünfmal durchführten,
so wird vorgerechnet, kämen 10.000 EUR
"für Gaza" heraus. "Sind unsere Geschwister
in Palästina uns das nicht wert?", heißt es hier.
Das Spektrum der Initiatoren dieser Aktionen ist
breit und reicht vom salafitisch geprägten Online-
Portal Way to Allah bis zu der aus einer StudiVZ-
Gruppe hervorgegangenen Seite Hand in
Hand für Allah, vom islamischen Lifestyle-Label
Style-Islam bis hin zu den im sozialen Bereich
aktiven Lifemakers.
Soziales Engagement, das wird immer wieder
betont, gehöre schließlich zu den Grundpflichten
eines Muslims. Aber auch die großen Verbände
wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland
(ZMD) oder die Islamische Gemeinschaft Milli
Görüş (IGMG) werben in Moscheen
und im Internet um
Spenden für Gaza – z.B. über
den islamischen Verein Muslime
helfen.
In diesen Initiativen kommt
zum Ausdruck, wie sehr der
Krieg in Gaza viele Migranten
arabischer und muslimischer
Herkunft noch immer beschäftigt
und wie empört vor
allem junge Muslime sind –
eine Empörung, die nicht
selten in Feindbilder und
Ressentiments mündet. (siehe
dazu
Newsletter Nr. 9/Dezember 2008)
Die Spendenkampagnen erfüllen
dabei neben einem humanitären
Anliegen auch die
Funktion, eine Gemeinschaft
der Muslime zu konstituieren:
Dazu trägt der politische
Bezug zum Nahostkonflikt
ebenso bei wie der Appell
an religiöse Bindungen.
In diesem Sinne erklärte der auch bei vielen
deutschen Muslimen angesehene Scheich Yusuf
Al-Qaradawi, dass es bei diesen Initiativen
eben nicht nur um das Sammeln humanitärer
Spenden gehe, sondern um das Erfüllen der
religiösen Pflicht eines jeden Muslims.
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