Islamische Bademode

Als Muslim zur Polizei?


30.7.2008
Verbietet es der Islam, in Deutschland in den Polizeidienst einzutreten? Diese Frage stellt sich ein junger, religiös geprägter Muslim. Antworten sucht er in einem Internet-Forum - und stößt auf sehr unterschiedliche Meinungen.

Die ersten Polizeiautos in blauer Lackierung spiegeln sich vor dem Polizeipräsidium in Frankfurt im Rückspiegel eines Fahrzeuges. Die Polizei Hessen präsentiert sich ab sofort mit ihren neuen Fahrzeugen im blau-silbernen Look. (© AP)

Es sind meist sehr religiöse junge Muslime, die sich fragen, ob es nach den Regeln des Islam statthaft ist, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben in Deutschland zu beteiligen. Im deutschsprachigen Online-Forum Dimadima brachte "Salah ad-Din" dieses Thema zur Sprache. Das Forum richtet sich vor allem an Heranwachsende und junge Erwachsene maghrebinischer Herkunft. (dimadima.de) Dabei geht es um Themen, die vom Austausch von Kochrezepten über Musiktipps bis hin zur marokkanischen Innenpolitik reichen.

Newsletter Jugendkultur, Islam und Demokratie

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter "Jugendkultur, Islam und Demokratie", PDF-Icon Ausgabe Nr. 7/August 2008. Der Newsletter wird im Auftrag der bpb erstellt durch ufuq.de - Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V.



"Salah al-Din" bat die Forumsteilnehmer in seinem Beitrag um Rat, ob es als Muslim erlaubt sei, bei der deutschen Polizei zu arbeiten. Er schrieb:

"Salam Leute, Ich hab mal ne frage und zwar bin ich moslem, und hab interesse daran, ein Studium bei der Bundespolizei zu beginnen. Ist das mit dem Glauben vertretbar? (denn mein Vater sagt es wäre nicht vertretbar und versucht es halt zu verhindern, das ich dieses Studium beginne.)

Wie könnte ich ihn davon überzeugen, dass es gut für mich wäre? Ich sehe den Beruf noch als einen, wo ich menschen helfen kann, ist das ein fehler?"

Die Forumsteilnehmer waren sich nicht einig. "Mo080" macht zunächst auf mögliche Konflikte mit dem Glauben aufmerksam, in die man als Polizist geraten könne:

"Die Frage die du dir stellen musst, ist: gibt es Gesetze oder sonst irgendwelche Dinge, die du als Polizist durchsetzen musst (und) die gegen die Islamischen Gesetze verstoßen? Wenn es so ist, dann lass es sein und hör auf deinen Vater und wenn es nicht so ist, dann versuch mit deinen Vater zu reden."

Dagegen sieht "Warda" zunächst keinen Widerspruch zwischen dem Islam und der Arbeit als Polizist in Deutschland. Schließlich gehe es bei der Arbeit der Polizei ja auch darum, Menschen zu helfen. Dennoch empfiehlt sie: "um ganz sicher zu gehen, solltest du in der moschee mal einen imam fragen."

Ganz ähnlich sieht es "Sabah1001". Zwar verweist auch er auf mögliche Konflikte, mit denen man als Muslim im Staatsdienst konfrontiert werden könnte. Grundsätzlich aber spreche nichts gegen eine solche Tätigkeit:

"Du wirst, was Deine Frage angeht, je nach Imam unterschiedliche Meinungen hoeren. Die meisten wuerden, weil es nicht klar ist, was der Job mit sich bringt, und weil Dein Vater dagegen ist, sich beschraenkt und bedingt dafuer entscheiden und sich vor allem ueber Dein Umfeld naeher informieren. Es gibt manche, die wuerden das befuerworten, weil der Nutzen fuer die Umma groesser ist, wenn es einzelne in die Polizei schaffen. (...)

Es gibt aber auch manche, die dagegen waeren, weil neben den von anderen Usern genannten Gruenden, gibts noch sowas wie, dass man eventuellen Fremdinteressen dient, die 'nicht-muslime' sind, dass man immer Mischteams mit gutdurchtrainierten, jungen und huebschen Polizistinnen hat und somit zu Zina (außerehelichem Geschlechtsverkehr, die Red.) 'verleitet' wird, dass man eine 'Gehirnwaesche' bekommt, etc. etc."

Die Sorge, man könne durch eine Tätigkeit als Polizist in Konflikte mit seinem Glauben geraten, besteht für "Sabah1001", ist für ihn aber allein kein Grund, den Beruf zu meiden. Schließlich, meint er abschließend, könne es auch in anderen Berufen passieren, dass man mit "schlechten Menschen" in Kontakt gerate.

Die Diskussion ist typisch für viele islamischen Online-Foren: Die in ihnen geäußerten Meinungen zu religiösen Fragen sind oft sehr unterschiedlich. Deutlich wird dabei, wie wichtig das Internet gerade für junge religiöse Muslime geworden ist – immer häufiger wenden sie sich mit ihren Fragen an Online-Foren. "Meinungsmachern" ist es in diesen Diskussionen relativ leicht möglich, vermeintlich verbindliche Antworten "des Islam" auf die angesprochenen Fragen zu verbreiten.




 

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