Die Hizb ut-Tahrir (HuT): Propaganda gegen "Einbürgerung" und Islam-Konferenz
4.9.2007
Usama Matar, palästinensisches Mitglied der Hizb ut-Tahrir (HuT, Partei der Befreiung) zitiert aus dem Koran während der von der HuT ausgerichteten internationalen Konferenz islamischer Parteien mit dem Titel "Nach dem 11. September: Die Rolle der Muslime im Westen". (© AP)Mit mehreren Stellungnahmen ist die islamistische Organisation Hizb ut-Tahrir (HuT – "Partei der Befreiung") in den vergangenen Wochen an die Öffentlichkeit getreten, um gegen eine "Einbürgerung" des Islams in Deutschland anzugehen. Konkreten Anlass dazu gab die zweite Islam-Konferenz des Bundesinnenministeriums im Mai. Die HuT strebt die Wiedererrichtung des Kalifats als islamisches Großreich an, in dem die muslimische Umma (Gemeinschaft der Gläubigen) vereinigt wäre. Die Aufteilung der islamischen Welt in Nationalstaaten gilt der Organisation als Versuch des Westens, die Umma zu zerstören.
Newsletter Jugendkultur, Islam und Demokratie
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter "Jugendkultur, Islam und Demokratie",
Ausgabe Nr. 1/August 2007. Der Newsletter wird im Auftrag der bpb erstellt durch ufuq.de - Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V.
Die Organisation hat ihren Sitz in Großbritannien,
ist aber in verschiedenen europäischen
Ländern aktiv. In Deutschland wurde sie im
Januar 2003 wegen Ablehnung der Völkerverständigung
und Befürwortung von Gewalt zur
Durchsetzung politischer Ziele verboten. Zuvor
hatte die Organisation im Oktober 2002
mit einer Veranstaltung an der TU-Berlin für
Aufsehen gesorgt. Unter den Teilnehmern
fanden sich führende Vertreter der rechtsextremen
NPD. Die schätzungsweise 300 Anhänger
der Organisation in Deutschland konzentrieren
sich in Hamburg und Berlin. Neben
der deutschsprachigen Website kalifat.com
werden auch auf der Seite muslimrecht.org
Positionen aus dem Spektrum der Organisation
vertreten. Im deutschsprachigen Raum
agiert der in Österreich lebende Shaker Assem
als Sprecher.
Ende Juni wurde vor Hamburger Moscheen
ein aus diesem Spektrum kommendes Flugblatt
verteilt. Aus ihm gehen wesentliche programmatische
Ziele der Partei sowie ideologische
Grundpositionen hervor, die auch von
anderen islamistischen Organisationen vertreten
werden. So wird in dem Flugblatt ausdrücklich
vor den Gefahren einer Integration
in das "westlich-säkulare System" gewarnt.
Nicht die deutsche Gesellschaft, sondern die
universelle Botschaft des Islams böte Orientierung
für Muslime. Dem Versuch der "Kuffar",
der Ungläubigen, einen Euro-Islam zu
schaffen, müsse daher entschieden entgegen
getreten werden.
In dem Flugblatt vom Juni 2007 heißt es:
"In letzter Zeit vernehmen wir zunehmend
Aussagen und Handlungen der Kuffar und ihrer
Diener, den Islam, den uns Allah (swt)
über seinen Gesandten (saw) überbracht hat,
zu verfälschen und ihn in das westlich-säkulare System zu integrieren. Als Instrument
zur Umsetzung dieser Ziele wurde vom deutschen
Staat die so genannte 'Islam-Konferenz'
einberufen, die vor kurzem zum zweiten
Mal tagte.
Es wird beabsichtigt einen so genannten
'deutschen Islam' zu erschaffen. Dieser 'Islam'
soll soweit uminterpretiert werden, dass
er mit den hiesigen Kufr-Gesetzen ['Gesetzen
des Unglaubens'] in Einklang gebracht werden
kann. Homosexualität, die Ablehnung
von Allah (swt) als Gesetzgeber, Säkularismus,
der Abfall vom Glauben und viele andere
Schlechtigkeiten sollen von den Muslimen
toleriert und sogar als islamkonform angesehen
werden. Der Islam soll auf einige ethische
Aspekte und Glaubensrituale beschränkt
werden. Sein Anspruch, das gesamte Leben
eines Muslims zu lenken und zu ordnen, soll
aufgegeben werden. Um von den Kuffar akzeptiert
und anerkannt zu werden, sind leider
auch einige Muslime und ihre Organisationen
bereit, diesen Weg, trotz zahlreicher verbaler
Erniedrigungen seitens der Kuffar, mitzugehen.
Obwohl sie dies als einen Erfolg für ihre
Gemeinden und die Muslime feiern, stellt es
im Grunde nichts anderes als einen Verrat
am Islam, seiner Botschaft und seinem Gesandten
(saw) dar.
So wie es keinen türkischen, afghanischen
oder arabischen Islam geben kann, so kann
es auch keinen 'Euro'-Islam oder 'deutschen'
Islam geben. Der Islam ist universell und
spricht alle Nationen gleichermaßen an. Es
war gerade diese Botschaft, die uns Muslime
in einem einzigen Staat über 1300 Jahre vereint
hat. Mit dem Versuch der Gründung eines
'deutschen
Islam'
beabsichtigen
der deutsche
Staat
und seine
Vasallen, die globale islamische Ummah zu
spalten und damit ihr Zusammengehörigkeitsgefühl
und ihre Solidarität mit den übrigen
Muslimen weltweit zu kappen. Muslime in
Deutschland sollen sich in Unterscheidung zu
ihren Geschwistern in der islamischen Welt
als 'deutsche Muslime' fühlen, die einen anderen
Islam, einen 'deutschen Islam', praktizieren.
Tatsache ist, dass wir Muslime weltweit
eine einzige Ummah sind. Unsere leidenden
Geschwister im Irak, Palästina oder
Tschetschenien sind ein fester Teil dieser Einheit.
Diesen Bund zu brechen ist die Absicht
der erklärten Islamgegner, denn nur so können
die westlichen Staaten ihre abscheulichen
Verbrechen in unseren Ländern begehen,
ohne dass sie einen nennenswerten Widerstand
seitens ihrer muslimischen Minderheiten
zu befürchten haben.
Des Weiteren beabsichtigen sie, ihre 'kapitalistisch-
säkularen Errungenschaften' unseren
elementaren Grundüberzeugungen aufzudrücken.
So sollen wir Muslime es endlich
hinnehmen, dass unser Prophet (saw) unter
dem Deckmantel der Meinungsfreiheit beleidigt
werden darf, dass unsere Schwestern in
den Schulen ihre islamische Kleidung ablegen
und dass die Schüler gezwungen werden am
gemischten Schwimmunterricht teilzunehmen.
Diese und viele andere Boshaftigkeiten
können sie nur erreichen, wenn sie den Islam,
den uns der Prophet Muhammad (saw)
überlassen hat durch einen Islam à la Schäuble
und Co. ersetzen. Aus diesem Grund unterstützen
sie auch die Idee eines deutschsprachigen
Religionsunterrichtes an den
Schulen, denn nur hier könnten sie flächendeckend
ihre 'säkulare' Version des Islams
unseren Kindern 'einimpfen'." (muslimrecht.
org, 29. Juni 2007)
In einem weiteren Flugblatt warnt Shaker Assem
als Vertreter der HuT vor den Folgen einer
gegen die Muslime gerichteten Politik in
Europa und vergleicht diese mit der spanischen
Inquisition:
"Was wir heute an Bestrebungen westlicher
Länder erleben, Verfassungen und Gesetze zu
ändern, sind Zeichen, die bei uns Fragen
über die Zukunft der Muslime in diesen Ländern
aufwerfen. Wird sich die spanische Inquisition
wiederholen oder ist der Westen
heute klüger als er es damals war? Wir würden
gerne glauben, dass der Westen klüger
geworden ist, dass im Westen Menschenrechtsorganisationen
existieren, die eine Wiederholung
der spanischen Inquisition verhindern,
und dass die meisten Erklärungen
westlicher Politiker bloß Meinungen bleiben
und nicht zu angewandten Gesetzen mutieren.
Dies könnte aber leicht passieren. Dazu bedarf es nur eines Anschlags hier oder dort
(…). Wir wollen noch kein endgültiges Urteil
treffen. Wir wollen nur die Öffentlichkeit zum
Nachdenken bringen und uns fragen: Welche
Richtung haben manche Politiker im Westen
eingeschlagen? Wird sich die spanische Inquisition
aufs Neue wiederholen?" (kalifat.com,
19. Juli 2007)
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