Islamische Bademode

Die Hizb ut-Tahrir (HuT): Propaganda gegen "Einbürgerung" und Islam-Konferenz


4.9.2007
Die Wiedereinrichtung des Kalifats als islamisches Großreich ist das Ziel der islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir. Sie richtet sich gegen die Integration des Islams in das westliche Gesellschaftssystem.

Usama Matar, palästinensisches Mitglied der Hizb ut-Tahrir (HuT, Partei der Befreiung) zitiert aus dem Koran während der von der HuT ausgerichteten internationalen Konferenz islamischer Parteien mit dem Titel "Nach dem 11. September: Die Rolle der Muslime im Westen" in der Londoner Arena am 15. September 2002. Die HuT ist eine aus der Muslimbruderschaft hervorgegangene islamistische und neofundamentalistische Organisation mit Betätigungsverbot in Deutschland.Usama Matar, palästinensisches Mitglied der Hizb ut-Tahrir (HuT, Partei der Befreiung) zitiert aus dem Koran während der von der HuT ausgerichteten internationalen Konferenz islamischer Parteien mit dem Titel "Nach dem 11. September: Die Rolle der Muslime im Westen". (© AP)

Mit mehreren Stellungnahmen ist die islamistische Organisation Hizb ut-Tahrir (HuT – "Partei der Befreiung") in den vergangenen Wochen an die Öffentlichkeit getreten, um gegen eine "Einbürgerung" des Islams in Deutschland anzugehen. Konkreten Anlass dazu gab die zweite Islam-Konferenz des Bundesinnenministeriums im Mai. Die HuT strebt die Wiedererrichtung des Kalifats als islamisches Großreich an, in dem die muslimische Umma (Gemeinschaft der Gläubigen) vereinigt wäre. Die Aufteilung der islamischen Welt in Nationalstaaten gilt der Organisation als Versuch des Westens, die Umma zu zerstören.

Newsletter Jugendkultur, Islam und Demokratie

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter "Jugendkultur, Islam und Demokratie", PDF-Icon Ausgabe Nr. 1/August 2007. Der Newsletter wird im Auftrag der bpb erstellt durch ufuq.de - Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V.



Die Organisation hat ihren Sitz in Großbritannien, ist aber in verschiedenen europäischen Ländern aktiv. In Deutschland wurde sie im Januar 2003 wegen Ablehnung der Völkerverständigung und Befürwortung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele verboten. Zuvor hatte die Organisation im Oktober 2002 mit einer Veranstaltung an der TU-Berlin für Aufsehen gesorgt. Unter den Teilnehmern fanden sich führende Vertreter der rechtsextremen NPD. Die schätzungsweise 300 Anhänger der Organisation in Deutschland konzentrieren sich in Hamburg und Berlin. Neben der deutschsprachigen Website kalifat.com werden auch auf der Seite muslimrecht.org Positionen aus dem Spektrum der Organisation vertreten. Im deutschsprachigen Raum agiert der in Österreich lebende Shaker Assem als Sprecher.

Ende Juni wurde vor Hamburger Moscheen ein aus diesem Spektrum kommendes Flugblatt verteilt. Aus ihm gehen wesentliche programmatische Ziele der Partei sowie ideologische Grundpositionen hervor, die auch von anderen islamistischen Organisationen vertreten werden. So wird in dem Flugblatt ausdrücklich vor den Gefahren einer Integration in das "westlich-säkulare System" gewarnt. Nicht die deutsche Gesellschaft, sondern die universelle Botschaft des Islams böte Orientierung für Muslime. Dem Versuch der "Kuffar", der Ungläubigen, einen Euro-Islam zu schaffen, müsse daher entschieden entgegen getreten werden.

In dem Flugblatt vom Juni 2007 heißt es:

"In letzter Zeit vernehmen wir zunehmend Aussagen und Handlungen der Kuffar und ihrer Diener, den Islam, den uns Allah (swt) über seinen Gesandten (saw) überbracht hat, zu verfälschen und ihn in das westlich-säkulare System zu integrieren. Als Instrument zur Umsetzung dieser Ziele wurde vom deutschen Staat die so genannte 'Islam-Konferenz' einberufen, die vor kurzem zum zweiten Mal tagte.

Es wird beabsichtigt einen so genannten 'deutschen Islam' zu erschaffen. Dieser 'Islam' soll soweit uminterpretiert werden, dass er mit den hiesigen Kufr-Gesetzen ['Gesetzen des Unglaubens'] in Einklang gebracht werden kann. Homosexualität, die Ablehnung von Allah (swt) als Gesetzgeber, Säkularismus, der Abfall vom Glauben und viele andere Schlechtigkeiten sollen von den Muslimen toleriert und sogar als islamkonform angesehen werden. Der Islam soll auf einige ethische Aspekte und Glaubensrituale beschränkt werden. Sein Anspruch, das gesamte Leben eines Muslims zu lenken und zu ordnen, soll aufgegeben werden. Um von den Kuffar akzeptiert und anerkannt zu werden, sind leider auch einige Muslime und ihre Organisationen bereit, diesen Weg, trotz zahlreicher verbaler Erniedrigungen seitens der Kuffar, mitzugehen. Obwohl sie dies als einen Erfolg für ihre Gemeinden und die Muslime feiern, stellt es im Grunde nichts anderes als einen Verrat am Islam, seiner Botschaft und seinem Gesandten (saw) dar.

So wie es keinen türkischen, afghanischen oder arabischen Islam geben kann, so kann es auch keinen 'Euro'-Islam oder 'deutschen' Islam geben. Der Islam ist universell und spricht alle Nationen gleichermaßen an. Es war gerade diese Botschaft, die uns Muslime in einem einzigen Staat über 1300 Jahre vereint hat. Mit dem Versuch der Gründung eines 'deutschen Islam' beabsichtigen der deutsche

Staat und seine Vasallen, die globale islamische Ummah zu spalten und damit ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und ihre Solidarität mit den übrigen Muslimen weltweit zu kappen. Muslime in Deutschland sollen sich in Unterscheidung zu ihren Geschwistern in der islamischen Welt als 'deutsche Muslime' fühlen, die einen anderen Islam, einen 'deutschen Islam', praktizieren. Tatsache ist, dass wir Muslime weltweit eine einzige Ummah sind. Unsere leidenden Geschwister im Irak, Palästina oder Tschetschenien sind ein fester Teil dieser Einheit. Diesen Bund zu brechen ist die Absicht der erklärten Islamgegner, denn nur so können die westlichen Staaten ihre abscheulichen Verbrechen in unseren Ländern begehen, ohne dass sie einen nennenswerten Widerstand seitens ihrer muslimischen Minderheiten zu befürchten haben.

Des Weiteren beabsichtigen sie, ihre 'kapitalistisch- säkularen Errungenschaften' unseren elementaren Grundüberzeugungen aufzudrücken. So sollen wir Muslime es endlich hinnehmen, dass unser Prophet (saw) unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit beleidigt werden darf, dass unsere Schwestern in den Schulen ihre islamische Kleidung ablegen und dass die Schüler gezwungen werden am gemischten Schwimmunterricht teilzunehmen. Diese und viele andere Boshaftigkeiten können sie nur erreichen, wenn sie den Islam, den uns der Prophet Muhammad (saw) überlassen hat durch einen Islam à la Schäuble und Co. ersetzen. Aus diesem Grund unterstützen sie auch die Idee eines deutschsprachigen Religionsunterrichtes an den Schulen, denn nur hier könnten sie flächendeckend ihre 'säkulare' Version des Islams unseren Kindern 'einimpfen'." (muslimrecht. org, 29. Juni 2007)

In einem weiteren Flugblatt warnt Shaker Assem als Vertreter der HuT vor den Folgen einer gegen die Muslime gerichteten Politik in Europa und vergleicht diese mit der spanischen Inquisition:

"Was wir heute an Bestrebungen westlicher Länder erleben, Verfassungen und Gesetze zu ändern, sind Zeichen, die bei uns Fragen über die Zukunft der Muslime in diesen Ländern aufwerfen. Wird sich die spanische Inquisition wiederholen oder ist der Westen heute klüger als er es damals war? Wir würden gerne glauben, dass der Westen klüger geworden ist, dass im Westen Menschenrechtsorganisationen existieren, die eine Wiederholung der spanischen Inquisition verhindern, und dass die meisten Erklärungen westlicher Politiker bloß Meinungen bleiben und nicht zu angewandten Gesetzen mutieren. Dies könnte aber leicht passieren. Dazu bedarf es nur eines Anschlags hier oder dort (…). Wir wollen noch kein endgültiges Urteil treffen. Wir wollen nur die Öffentlichkeit zum Nachdenken bringen und uns fragen: Welche Richtung haben manche Politiker im Westen eingeschlagen? Wird sich die spanische Inquisition aufs Neue wiederholen?" (kalifat.com, 19. Juli 2007)



 

Dossier

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