Islamische Bademode

"Palestine forever"

Nahostkonflikt im Musikvideo


10.3.2010
Die Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt findet unter Jugendlichen häufig sehr emotional statt. Dazu trägt die Berichterstattung über den Konflikt bei. Auch in der Popmusik wird der Nahostkonflikt oft reduziert auf eine Auseinandersetzung zwischen "Gut" und "Böse".

Szene aus dem Musikvideo "Palestine will be free" von Maher Zain. Screenshot von youtube.comSzene aus dem Musikvideo "Palestine will be free" von Maher Zain. Screenshot von youtube.com (© Screenshot von youtube.com)
Der Nahostkonflikt ist für viele Jugendliche arabischer, türkischer oder muslimischer Herkunft ein wichtiges Thema. Medienberichte über Ereignisse, bei denen Palästinenser vertrieben, verletzt oder getötet werden, erregen immer wieder große Aufmerksamkeit und emotionale Anteilnahme. Charakteristisch dafür ist etwa die Empörung, die Mitte Dezember durch ein unter anderem vom Fernseh-Sender Al-Jazeera ausgestrahltes Video ausgelöst wurde, das zeigt, wie ein mutmaßlicher palästinensischer Attentäter mehrfach von einem Israeli mit dem Auto überrollt wird. Eine Auseinandersetzung mit den komplexen Konfliktursachen findet vor dem Hintergrund solcher Bilder allerdings kaum statt.

Newsletter Jugendkultur, Islam und Demokratie

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter "Jugendkultur, Islam und Demokratie", PDF-Icon Ausgabe Nr. 16/März 2010. Der Newsletter wird im Auftrag der bpb erstellt durch ufuq.de - Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V.

Sehr emotional werden die Ereignisse im Nahen Osten auch in der Popmusik thematisiert. In dem Lied "Palestine forever" besingt etwa der international erfolgreiche britisch-muslimische Sänger Sami Yusuf den Konflikt aus einer religiösen Perspektive als Kampf um Gerechtigkeit: Gott sei mit den Unterdrückten, heißt es in dem Stück des Sängers zum Krieg in Gaza, und eines Tages werde er "die Tyrannen" zurechtweisen. Wie so oft steht dabei das Bild von Kindern im Mittelpunkt, die für eine "gerechte Sache" kämpfen. (Mehr über Sami Yusuf und "Palestine forever" im Newsblog auf ufuq.de.)

Böse Besatzer



Diese schlichte Weltsicht, die das Konfliktgeschehen in "gute" Palästinenser und "böse" israelische Besatzer unterteilt, kennzeichnet auch das im Sommer noch unter dem Eindruck des Gaza-Krieges veröffentlichte Stück des im Libanon geborenen und in Schweden lebenden Sängers Maher Zain: "Palestine will be free" lautet der Titel, des auch in Deutschland viel beachteten Stücks, das kurz nach der Veröffentlichung vom bekannten englischsprachigen Internet-Portal Islam-Online zum "Lied der Woche" gewählt wurde.

Das Lied ist wegen des professionell gemachten Animationsvideos besonders attraktiv. Der vom britischen Label Awakening Records erstellte Videoclip wurde auf Youtube innerhalb von wenigen Monaten über 200.000 Mal aufgerufen. Er zeigt den Horror von Krieg und Zerstörung aus der Perspektive eines palästinensischen Schulkindes: Nur mit einem Stein in der Hand verlässt das Mädchen während eines Angriffs die Schule und stellt sich inmitten von Trümmern einem auf sie zu rollenden Panzer entgegen. Dann lässt sie den Stein jedoch fallen, geht auf den israelischen Panzer zu und zwingt dessen Fahrer allein mit ihrer Entschlossenheit und ihrer Friedfertigkeit zur Umkehr. Im Text ist vom Leid, den Tränen und den Menschenrechten der Palästinenser die Rede. Mit "bloßen Händen" würden sie jedoch dafür sorgen, dass Palästina "eines Tages frei sein wird".

Religiöse Botschaft



Lieder wie "Palestine forever" oder "Palestine will be free" unterscheiden sich deutlich von den zahlreichen martialischen Videos, die im Internet den militanten Kampf gegen Israel glorifizieren. So verbindet sich hier die Darstellung der Situation in Palästina ausdrücklich mit einer religiösen Botschaft und den Idealen von Gerechtigkeit und Frieden. Doch auch diese friedlichen Appelle sind geprägt von einer Gut-Böse- Unterteilung, bestätigen Feindbilder und haben mit den konkreten Geschehnissen in Israel und Palästina nur wenig zu tun. Im Gegenteil: Hinweise auf die komplizierte und widersprüchliche Geschichte und die Hintergründe des palästinensisch-israelischen Konfliktes würden die Eindeutigkeit der Botschaft und der darin vermittelten Weltsicht nur in Frage stellen.



 

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