Pädagogik mit dem Teufel
6.4.2009
Der Teufel spielt auch im Islam eine wichtige Rolle. Nach traditioneller islamischer Vorstellung setzt der Teufel alles daran, die Menschen zum Ungehorsam gegenüber Gott zu verleiten. Daher kommt der Warnung vor den Verführungen des Teufels in den Predigten konservativer Imame, vor allem aber auch bei salafitischen Jugendpredigern wie z.B. Pierre Vogel, eine besondere Bedeutung zu.
Newsletter Jugendkultur, Islam und Demokratie
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter "Jugendkultur, Islam und Demokratie",
Ausgabe Nr. 11/April 2009. Der Newsletter wird im Auftrag der bpb erstellt durch ufuq.de - Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V.
Der Verweis auf das
Treiben des Teufels
enthält eine eindeutige
Botschaft:
Der Mensch kann
sich entscheiden
zwischen einer
gottgefälligen Lebensweise
und dem
Leben in Sünde.
Darin wird eine dichotome
Weltsicht
deutlich, die für
streng religiöse und
vor allem für islamistische
Auffassungen
charakteristisch
ist: Hier gibt
es nur die Alternative zwischen einer
gottgerechten Ordnung und einer Gesellschaft
der Jahiliya, der Unwissenheit und
Ignoranz. Kategorien wie "gut" und
"böse", "islamisch" und "unislamisch",
"gesund" oder "schädlich", "gerecht"
und "ungerecht" sind klar voneinander getrennt
– der Einzelne muss sich nur entscheiden.
Für den Umgang mit Ambivalenzen
oder ein selbständiges wertegeleitetes Abwägen
in persönlichen oder gesellschaftlichen
Konflikten bleibt dabei kein Platz.
Deutlich wird diese Weltsicht zum Beispiel
in einer Videoserie über das Treiben des
Teufels, die vom Shia-Forum ins Deutsche
übersetzt und unter anderem auf Youtube
eingestellt wurde. (»Videos im Shia-Forum«)
Das Shia-Forum zählt mit über 2.500 registrierten
Nutzern zu
den aktivsten
deutschsprachigen
Islam-Foren, in denen
religiöse schiitische
Jugendliche
über Themen aus
dem Alltag junger
Muslime diskutieren.
Allein auf Youtube
wurden die einzelnen
Videos hunderte
Male abgerufen.
Die professionell gemachte
Videoserie
über die Einflüsterungen
des Teufels
umfasst vierzehn
Episoden, in denen
verschiedene Sünden
gegenüber Gott
zur Sprache kommen.
Der Plot ist
dabei immer der
gleiche: Ein junger
Muslim gerät in eine
Situation, in der er
sich eigentlich "islamisch
korrekt" verhalten
will – bis der
Teufel auf die Bühne
tritt und mit sanftem
Druck versucht,
den jungen Gläubigen zur Sünde zu verleiten.
Ganz konkret geht es hier ums Rauchen,
den Genuss von Alkohol, das Chatten
im Internet, respektloses Verhalten gegenüber
den Eltern – oder um das sündige Interesse
für das andere Geschlecht.
Mit diesen Warnungen vor der Sünde, die den Menschen letztlich ins ewige Höllenfeuer
bringt, stehen die Betreiber des
Shia-Forums nicht alleine. Auch in anderen
Veröffentlichungen, die sich an junge
Muslime richten, findet sich der pädagogische
Hinweis auf den Teufel. Ein Beispiel
dafür ist das populäre Buch "Jung &
Muslim", das im Verlag der Muslimischen
Jugend in Deutschland verlegt wird. (siehe
dazu
Newsletter Nr. 2/Oktober 2007)
Nicht weniger eindringlich sind die Warnungen
des ins Deutsche übersetzten
Buches "Der Teufel wird sich über dieses
Buch sehr ärgern". Darin dokumentiert
der türkische Autor Feyzullah Birışık fiktive
Gespräche mit dem Teufel, der den
Menschen
"Schritt für
Schritt" verfolge.
Wenn
der Mensch
vergäße,
"dass der
Teufel in
seiner eigenen
Straße,
seiner Wohnung,
seinem
Zimmer
und in ihm
selbst ist",
dann könne
er nicht
mehr unterscheiden,
was "göttlich
und was
teuflisch"
sei, warnt Birışık. Ziel des Buches sei es
daher, über den Teufel und seine Strategien
zu informieren, um den Gefahren
rechtzeitig entgehen zu können.
Wie in den Videos des Shia-Forums erscheint
das Leben der Jugendlichen auch
hier als ein ständiges Ringen mit den
Verlockungen des "Bösen", der Alltag als
ein Kampf gegen die eigenen Wünsche
und Begehren.
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