Sonderausgabe Bundestagswahl 2009
Unter manchen deutschen Muslimen gab es lange Zeit Vorbehalte gegenüber einem aktiven politischen Engagement. Dies galt selbst für jene Muslime, die sich als deutsche Staatsbürger an Wahlen beteiligen konnten. Ein Grund für diese Zurückhaltung war die Orientierung auf die Heimatländer, was für viele das Gefühl der Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft ausschloss. Dies hat sich in den vergangenen Jahren weitgehend gewandelt: Mittlerweile rufen auch viele religiöse Verbände und Organisationen ihre Mitglieder dazu auf, sich als Bürger aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen und ihre Interessen zu vertreten.
Einige islamistische Strömungen lehnen Wahlbeteiligung und parteipolitisches Engagement von Muslimen jedoch nach wie vor strikt ab. Für sie stellt die Demokratie eine Anmaßung der Menschen gegenüber Gott dar - ihrer Ansicht nach können nur die von Gott offenbarten Gesetze und Normen gelten. Die Anhänger dieser Strömungen bilden nur eine kleine Minderheit, sie stoßen aber gerade bei religiösen Jugendlichen auf Interesse. Vor diesem Hintergrund haben wir uns mit Reaktionen auf das Ergebnis der Bundestagswahl sowie mit den Wahlaufrufen religiöser
Organisationen und der antidemokratischen Propaganda von Islamisten beschäftigt.





