Koffer

4.12.2012 | Von:
Bettina Gransow

Zusammenfassung und Fazit

Insgesamt leistet die chinesische Binnenmigration einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung ländlicher Haushaltseinkommen und ist insofern als ein wichtiger Ausweg aus ländlicher Armut anzusehen.

KrankenstationDie Städte versuchen Ausgaben, die durch die Zuwanderung für städtische Infrastruktur- und Versorgungssysteme entstehen, möglichst gering zu halten. (© Bettina Gransow )
Die Summe der Rücküberweisungen von Migrant/innen betrug im Jahr 2005 mit 30 Milliarden US$[1] ein Vielfaches der gesamten offiziellen Entwicklungshilfe[2] an China (2 Milliarden US$) im selben Jahr. Auch wenn die Wirkung von Rücküberweisungen auf die ländliche Entwicklung umstritten ist, da nur ein Teil davon produktiv verwendet wird, so zeigt dies doch den positiven Beitrag der Migrant/innen zur Armutsminderung und damit die entwicklungspolitische Bedeutung chinesischer Binnenmigration. Allerdings ist auch deutlich geworden, dass die Arbeitsmigration ihren Preis hat: Gefährliche und unsichere Arbeitsbedingungen, lange Arbeitszeiten, vertragslose Arbeitsverhältnisse und vorenthaltene Löhne, eine hohe Unfallrate und das Risiko von Berufserkrankungen, dazu ein rudimentäres, unzureichendes Versicherungssystem, über Jahre zerrissene Familien, unzureichende Bildungsangebote für die Kinder und vielfältige Formen der Diskriminierung in den Städten gehören zu den Schattenseiten des Migrantenlebens.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat die chinesische Regierung auf diese Missstände reagiert, insbesondere auf das Problem nicht ausbezahlter oder zu geringer Löhne. Unter dem Druck der Öffentlichkeit wurde 2003 das System der Abschiebehaft und zwangsweisen Rückführung von Migrant/innen aufgegeben. Institutionelle Reformen im Bereich der sozialen Sicherung und des hukou-Systems zielen auf eine grundlegende Überwindung der dualen Stadt/Land-Struktur. Diesen Bemühungen stehen die Interessen der lokalen Regierungen, Stadtverwaltungen und privilegierten städtischen hukou-Inhaber entgegen. Die Städte, die für die Kosten öffentlicher Dienstleistungen aufkommen, sich aber ihre Steuereinnahmen mit der Zentralregierung teilen müssen, versuchen Ausgaben, die durch die Zuwanderung für städtische Infrastruktur- und Versorgungssysteme entstehen, möglichst gering zu halten. Damit bleibt der ungleiche Zugang zu knappen öffentlichen Gütern wie Bildung, Gesundheitsversorgung und subventioniertem Wohnraum weiterhin bestehen.

Dieser Text ist Teil des Kurzdossiers "Binnenmigration in China - Chance oder Falle?".

Fußnoten

1.
Murphy (2006), S.5.
2.
Official development aid (ODA)
Creative Commons License

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Autor: Bettina Gransow für bpb.de
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