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Fluchtmigration nach Deutschland und Europa: Einige Hintergründe


15.12.2015
Migration – sonst eher ein Randthema in der medialen Berichterstattung und politischen Debatte – entwickelte sich im Laufe des Jahres 2015 zu einem der Hauptnachrichtenthemen. Hintergrund ist der starke Anstieg der Zahl von Menschen, die in Deutschland und einigen anderen EU-Mitgliedstaaten Schutz vor Krieg, Verfolgung und Not suchen.

Ein Flüchtling aus dem Irak hält am 20.09.2015 in Tovarnik, Kroatien, am Bahnhof den Kopf seines Sohnes während die Nacht einbricht und sie auf einen Zug zur Weiterreise warten.September 2015, Tovarnik, Kroatien: Ein Flüchtling aus dem Irak hält den Kopf seines Sohnes während die Nacht einbricht und sie auf einen Zug zur Weiterreise warten. (© picture-alliance/dpa)

Waren im gesamten Jahr 2014 in der Europäischen Union rund 626.000 Asylanträge gestellt worden, davon etwa 202.000 in Deutschland (vgl. Abbildung 1), so wurden allein in der ersten Jahreshälfte 2015 etwa 398.000 Asylanträge in den 28 EU-Mitgliedstaaten gezählt. Hatte das für die Bearbeitung von Asylanträgen zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu Jahresbeginn noch geschätzt, dass 2015 insgesamt rund 250.000 Asylanträge in Deutschland gestellt werden würden, so korrigierte es diese Prognose bereits im Frühjahr nach oben und ging nunmehr von 450.000 Asylanträgen aus. Im August war dann auch diese Vorhersage überholt. Das BAMF verkündete, dass 2015 800.000 Personen als Asylsuchende nach Deutschland einreisen könnten. Wie war diese Zahl des BAMF zustande gekommen?

Abbildung 1: Asylanträge in der Bundesrepublik Deutschland 1975-2015Abbildung 1: Asylanträge in der Bundesrepublik Deutschland 1975-2015 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Abbildung 2: Monatlich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellte Asylanträge (Erst- und Folgeanträge) seit Januar 2014 und Entwicklung der Zugänge im EASY-System seit Januar 2015Abbildung 2: Monatlich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellte Asylanträge (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Prognose zur Asylzuwanderung



Das Bundesamt erstellt regelmäßig Prognosen zur erwartbaren Zahl der Asylsuchenden, unter anderem, um den Bedarf an Unterbringungsplätzen zu ermitteln. Seit Sommer 2014 berücksichtigt das Bundesamt bei der Erstellung seiner Prognosen zur Asylzuwanderung nicht nur die Zahl der tatsächlich formal gestellten Asylanträge, sondern auch die Zahl der Personen, die nach Deutschland einreisen und bei Behörden, zum Beispiel bei der Grenzpolizei, angeben, einen Asylantrag stellen zu wollen. Alle Asylbegehrenden werden in einem Computersystem, dem sogenannten System zur Erstverwaltung von Asylsuchenden (EASY) registriert. Mit Hilfe dieses Systems werden die Asylsuchenden nach dem Königsteiner Schlüssel – einer Aufnahmequote, die auf der Bevölkerungsgröße und den Steuereinnahmen basiert – auf die 16 Bundesländer verteilt. In einer Erstaufnahmeeinrichtung warten sie dann darauf, dass sie einen Termin beim BAMF erhalten, um ihren Asylantrag stellen zu können. Der starke Anstieg der Asylsuchendenzahlen in der ersten Jahreshälfte führte dazu, dass ein formaler Asylantrag mangels ausreichender personeller Kapazitäten beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht mehr unmittelbar nach der erstmaligen Registrierung im EASY-System gestellt werden konnte. Die Folge: Die Zahl der registrierten Asylbegehrenden und der tatsächlich gestellten Asylanträge driftete immer weiter auseinander (vgl. Abbildung 2). Hatte das BAMF bis zum 31. Juli insgesamt rund 218.000 Asylanträge entgegengenommen, so waren zum selben Zeitpunkt bereits 309.000 Personen als Asylsuchende im EASY-System registriert. Die neue Prognose des BAMF sollte diese Entwicklung berücksichtigen. Nach Angaben des BAMF waren bis Ende November insgesamt rund 965.000 Personen als Asylsuchende registriert worden, aber nur 425.035 formale Asylanträge beim BAMF eingegangen. In der Praxis hatte die Zahl die Asylbegehrenden also die im Sommer veröffentlichte Prognose von 800.000 Ende November bereits überstiegen.


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Autor: Vera Hanewinkel für bpb.de
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