Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

Hintergrundinformationen


3.7.2012
Die Schweiz ist ein Einwanderungsland. Diese Tatsache wurde trotz früh einsetzender grenzüberschreitender Arbeitsmigration lange Zeit nicht anerkannt. Bereits Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gewann die Zuwanderung im Zusammenhang mit der Industrialisierung an Gewicht. Diese Zeit war von einer liberalen Migrationspolitik geprägt. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs veränderte sich jedoch das politische Klima und es wurden Maßnahmen zur Kontrolle der Einwanderung eingeführt. Mit dem starken wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg begann die gezielte Rekrutierung von Arbeitskräften, welche in besonderem Maße die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte.

SchweizSchweiz. Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)
Doch nicht nur Bedürfnisse des Arbeitsmarkts, sondern auch fremdenfeindliche Stimmen beeinflussten die Zuwanderungspolitik, die zunehmend restriktivere Züge annahm. Gleichzeitig wurde die Situation für die ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz verbessert und es fand eine sukzessive Inklusion der Zuwanderer/-innen in das Wohlfahrtssystem statt.

Das Ende des 20. Jahrhunderts und der Beginn des 21. Jahrhunderts kennzeichnen verschiedene migrationspolitische Entwicklungen. Zur Regulierung der Migration wurde ein duales Zulassungssystem geschaffen, das die Einwanderung aus EU-Staaten und Staaten der Europäischen Freihandelszone (EFTA) privilegiert. Mit der Zunahme der Zahl der Asylgesuche gewann zudem der Asylbereich an Relevanz, gekennzeichnet durch eine Politik restriktiver Schließung. Darüber hinaus traten Regelungen zur Bekämpfung irregulärer Migration in Kraft. Auch das Thema der Integration avancierte zu einem Schwerpunkt verschiedener gesetzlicher Maßnahmen und die finanzielle Unterstützung zur Förderung der Integration wurde erheblich ausgebaut.

Info

Hintergrundinformationen

Hauptstadt: Bern
Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch
Fläche: 41.284 km²
Ständige Wohnbevölkerung (Ende 2011): 7.952.555
Bevölkerungsdichte (2007): 246,9 Einwohner je km²
Bevölkerungswachstum (2010): 1,0%
Ständige ausländische Bevölkerung (2011): 1.814.755 (22,4% der Gesamtbevölkerung)
Erwerbsbevölkerung (2011): 4.719.000
Anteil ausländischer Beschäftigter an allen Erwerbstätigen (2011): 28,2%
Erwerbslosenquote (2011): 3,6%
Konfessionen (2010): Römisch-katholisch (38,8%), evangelisch-reformiert (30,9%), islamische Gemeinschaften (4,5%), konfessionslos (20,1%)


Historische Entwicklung der Migration



Die Entstehung des Staatenbundes geht viele Jahrhunderte zurück, doch erst mit der Verfassung von 1848 wurde der Schweizer Bundesstaat begründet. Das Migrationsgeschehen zur Zeit des Staatenbundes und des jungen Bundesstaats war in erster Linie durch Abwanderung geprägt. Seit dem 16. Jahrhundert bot vor allem die militärische Migration, insbesondere der Söldnerdienst in vielen Staaten Europas, Erwerbsmöglichkeiten. Andere Formen der Migration hatten zu dieser Zeit noch keine große Bedeutung.[1]

Ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz und Anteil an der Gesamtbevölkerung 1900-2009.Ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz und Anteil an der Gesamtbevölkerung 1900-2009. Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)
Ab dem 18. Jahrhundert trat die Siedlungswanderung in den Vordergrund. Anders als die militärische Emigration beschränkte sich diese Form der Abwanderung nicht auf Europa. Neben Ländern wie Russland, Preußen und Spanien wurden nun auch Ziele in Übersee, mehrheitlich in Amerika, angesteuert. Die starke Überseemigration ging im frühen 20. Jahrhundert erheblich zurück. Ihren letzten Höhepunkt verzeichnete sie nach dem Ersten Weltkrieg.[2]

Im Zuge der Industrialisierung, insbesondere während der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung am Ende des 19. Jahrhunderts, wuchs die ausländische Bevölkerung in der Schweiz bedeutend an. Die Zuwanderung erfolgte vor allem aus den Nachbarstaaten. Diese brach mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 jedoch abrupt ab. In der Zwischenkriegszeit ging die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz stark zurück (vgl. Abb.).[3]

Während des rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rekrutierung von ausländischen Arbeitskräften massiv gefördert und die Zuwanderung in die Schweiz nahm ein bislang unbekanntes Ausmaß an. Lag der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer an der gesamten Wohnbevölkerung 1950 bei 6,1%, so stieg er bis 1970 auf 17,2%, in absoluten Zahlen passierte der Umfang der ausländischen Bevölkerung die Millionengrenze (vgl. Abb.). Infolge der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre verließen jedoch viele Ausländerinnen und Ausländer das Land.

Ein erneuter Wirtschaftsaufschwung ab Mitte der 1980er Jahre ließ die grenzüberschreitende Zuwanderung wieder anwachsen. Zwar kam es in den 1990er Jahren zu einer Konjunkturabschwächung, dennoch hielt das Wachstum der ausländischen Bevölkerung weiter an. Die Neuzuwanderinnen und Neuzuwanderer kamen während dieser Periode am häufigsten im Rahmen der Familienzusammenführung in die Schweiz. Zeitgleich stieg die Zahl der Asylsuchenden deutlich an (vgl. 'Flucht und Asyl').[4]

Aktuelle Entwicklung der Migration



Zwischen 2000 und 2010 dominierten weiterhin Zuwanderinnen und Zuwanderer, die im Rahmen der Familienzusammenführung oder zwecks Erwerbstätigkeit in die Schweiz einreisten. Allerdings erreichte der Familiennachzug nicht mehr die Höchstwerte der 1990er Jahre. Gleichzeitig nahm im Zusammenhang mit der schrittweisen Einführung der Personenfreizügigkeit für Staatsangehörige aus EU- und EFTA-Staaten seit 2002 die ökonomisch bedingte Migration stark zu. Seit 2006 stellt die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit den häufigsten Zuwanderungsgrund dar und erreichte 2008 mit 78.537 Einreisen einen Höhepunkt. Andere Formen der Zuwanderung[5] fielen im Vergleich dazu deutlich geringer aus. Insgesamt wurde 2010 die Zuwanderung von 224.444 ausländischen Personen verzeichnet, darunter 15.105 Asylsuchende. Hinzu kam der Zuzug von 22.283 Schweizer Staatsangehörigen aus dem Ausland.[6]

Obwohl in der Schweiz nur wenige Daten zur Abwanderung statistisch erfasst werden, ist ihr Umfang nicht unbedeutend. Im Jahr 2010 wurden 96.839 Abwanderungen registriert. Diese Zahl umfasst auch 26.311 Fortzüge von Schweizer Staatsangehörigen. Nicht berücksichtigt sind dagegen die Ausreisen von Personen der nichtständigen ausländischen Bevölkerung (71.675) sowie von Personen aus dem Asylbereich (13.557)[7]. Zusammengenommen erfasste die Statistik damit im Jahr 2010 die Abwanderung von 182.071 Personen.[8]


Fußnoten

1.
Hoffmann-Nowotny (1985), Wyler (1923).
2.
Ritzmann (2011).
3.
Arlettaz/Burkart (1990), Arlettaz (1985), Bundesamt für Statistik BFS (1992), Hoffmann-Nowotny (1985), Wyler (1923).
4.
Bundesamt für Statistik (1992), Hoffmann-Nowotny (1985), Piguet (2006).
5.
Die Statistik erfasst folgende Kategorien als Einwanderungsgrund: Erwerbstätigkeit, Familiennachzug, Aus- und Weiterbildung, Rentner/-innen, anerkannte Flüchtlinge und Härtefälle (vgl. Bundesamt für Statistik BFS: Statistisches Lexikon der Schweiz).
6.
Bundesamt für Statistik: Statistisches Lexikon der Schweiz.
7.
Die Statistik unterscheidet zwischen der ständigen und der nichtständigen Bevölkerung und dem Asylbereich. Unter die ständige Wohnbevölkerung fallen Schweizer Staatsangehörige, Niedergelassene (unbefristeter Aufenthalt, Ausweis C), Aufenthalter (Aufenthaltsbewilligung für mindestens ein Jahr, Ausweise B, Ci) und Kurzaufenthalter (bei einer Aufenthaltsbewilligung von mindestens 12 Monaten, Ausweis L). Seit 2010 schließt die Definition der ständigen Bevölkerung außerdem Personen im Asylprozess mit einer Gesamtaufenthaltsdauer von mindestens 12 Monaten ein. Zur nichtständigen Wohnbevölkerung werden alle Kurzaufenthalter gezählt, die über eine Aufenthaltsbewilligung von weniger als 12 Monaten verfügen (Ausweis L). Das Saisonnierstatut wurde abgeschafft (1991 für Personen außerhalb der EG und 2002 für Angehörige der EU- und EFTA-Staaten). Unter den Asylbereich fallen die Asylsuchenden (Ausweis N) und die vorläufig Aufgenommenen (Ausweis F) (vgl. www.bfm.admin.ch; www.bfs.admin.ch).
8.
Carrel (2011), Bundesamt für Statistik: Statistisches Lexikon der Schweiz.