Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

2.5.2013 | Von:
Julie Vullnetari

Zuwanderung nach Albanien seit 1990

Obwohl die Zahl der Zuwanderer fast vernachlässigbar ist, rücken unter dem Druck der EU Zuwanderungsbewegungen nach Albanien zunehmend in den Fokus der albanischen Behörden. Verlässliche Wanderungsstatistiken gibt es für die meisten Jahre nicht und die Daten, die existieren, sind lückenhaft und teilweise auch widersprüchlich. Die Weltbank beispielsweise beziffert den Umfang der Zuwandererbevölkerung im Jahr 2010 auf 90.000, d.h. 2,8 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes. Mehr als die Hälfte davon sind diesen Angaben zufolge Frauen. Die Zuwanderer stammen hauptsächlich aus Griechenland, Mazedonien, der Tschechischen Republik, Israel, Italien und Russland.[1] Daten des Innenministeriums zeichnen ein nuancierteres Bild.[2] Tabelle 6 gibt einen Überblick über ausgewählte Zahlen von Aufenthaltsgenehmigungen nach Staatsangehörigkeit im Zeitraum 2006-2010. Tabelle 7 klassifiziert diese Zahlen nach den Haupttypen dieser Aufenthaltsgenehmigungen.

Tabelle 6: Ausländische Bevölkerung in Albanien nach Staatsbürgerschaft, 2006-2010
LandJahr
 2006%2007%2008%2009%2010%
Quelle: Daten des albanischen Innenministeriums, in: GoA (2010, S. 30-31)
Anmerkung: Rumänen und Bulgaren werden erst ab 2007 zu den Zahlen für die EU gezählt.
Europa1.749 2.894 4.298 5.007 4.114 
Italien4831660815656117091082715
Griechenland8931173131214521713
Übrige EU272 368 410 487 592 
Kosovo10031293158322033546
Türkei477151.396342.573442.947431.64929
Übriges Europa328 276 370 439 521 
Asien und Mittlerer Osten751 498 820 1.047 733 
China55118276758810786123817
Amerika(s)491 547 557 579 621 
USA4111345111448844774638
Afrika
Ozeanien
12041474137216021893
Gesamt3.1111004.0861005.8121006.7931005.657100


Tabelle 7: Art der an Ausländerinnen und Ausländer vergebenen Aufenthaltsgenehmigungen, 2006-10
AufenthaltsgrundJahr
 2006%2007%2008%2009%2010%
Quelle: Daten des albanischen Innenministeriums, in: GoA (2010, S. 29-32)
Beschäftigung1.531492.177533.707644.398652.60146
Humanitär/Religiös1.235401.355331.464251.565231.54727
Familienzusammenführung288949412555106229,297717,3
Studium230,7280,7551901,31833,2
Asyl340,1320,8310,5350,5420,8
Andere0 0 0 831,23135,5
Gesamt3.1111004.0861005.8121006.7931005.663100


Die Tabellen zeigen Folgendes: Erstens, die Vergabe von Aufenthaltsgenehmigungen hat in den vergangenen Jahren allgemein – wenn auch nur leicht – zugenommen. Zweitens, die große Mehrheit dieser Aufenthaltsgenehmigungen wird zum Zwecke der Beschäftigung erteilt. Die Familienzusammenführung ist mit einem Anteil von etwa 10 Prozent an allen vergebenen Aufenthaltsgenehmigungen in diesen Jahren konstant geblieben und stieg dann 2010 auf 17 Prozent an. Die Zahl der Asylberechtigungen blieb auf einem niedrigen Niveau.

Drittens, die wichtigsten Herkunftsländer von Zuwanderern sind die Türkei, gefolgt von Italien, China und den USA. Die Zuwanderer konzentrieren sich viertens auf das Ballungsgebiet Durrës-Tirana – 84 Prozent der Migranten sind hier wohnhaft gemeldet.[3] Mehr als die Hälfte der Antragsteller einer Arbeitserlaubnis im Jahr 2010 lebte in der Hauptstadt Albaniens.[4] Die Mehrzahl der Zuwanderer ist männlich – Frauen stellten im Zeitraum 2006-2010 durchschnittlich ein Viertel der Zuwanderer. Die meisten Migranten sind im erwerbsfähigen Alter.[5]

Wenn man die Art der ausgestellten Aufenthaltsgenehmigungen mit den Merkmalen Herkunftsland, Alter und Geschlecht in Verbindung setzt, ergibt sich folgendes Bild: Männliche türkische Staatsangehörige im erwerbstätigen Alter dominieren. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen erleichtert das visumfreie Reisen zwischen Albanien und der Türkei seit 1992 die Zuwanderung. Zum anderen werden viele groß angelegte Infrastrukturprojekte in Albanien von türkischen Firmen durchgeführt, die wiederum bevorzugt türkische Staatsangehörige einstellen, wie zum Beispiel beim Bau der Fernstraße zwischen Durrës und Kukës.[6] Chinesinnen und Chinesen z.B. sind hingegen überwiegend selbstständig und unterhalten ihre eigenen Geschäfte oder sie arbeiten als Angestellte in den Geschäften ihrer Landsleute, vor allem im Handel in Tirana. Darüber hinaus gibt es eine auffällige Präsenz von Frauen aus den Philippinen, die als Haushaltshilfen für ausländische Fachkräfte oder Konsulatsangestellte, die in Albanien stationiert sind, sowie für reiche albanische Familien arbeiten, die Hausangestellte als Statussymbol betrachten.

Fußnoten

1.
World Bank (2011), S. 45.
2.
GoA (2010). Dies ist das aktuellste Dokument, das Statistiken der albanischen Regierung zur Einwanderung – Asylbewerber und Flüchtlinge eingeschlossen – zur Verfügung stellt. Ein Warnhinweis: Es gibt Widersprüche zwischen den Daten, die in diesem Dokument enthalten sind, manchmal treten diese sogar innerhalb einzelner Tabellen auf. Die Jahre 2009 und 2010 in den Tabellen 3 und 4 sowie das Jahr 2010 in den Tabellen 6 und 7 veranschaulichen dies. Darüber hinaus können diese Daten erheblich von denjenigen abweichen, die internationale Organisationen wie das UNHCR (für Flüchtlinge und Asylsuchende) oder die Weltbank zur Verfügung stellen.
3.
GoA (2010), S. 29-30, S. 44.
4.
GoA (2010), S. 19.
5.
GoA (2010), S. 29-30.
6.
GoA (2010), S. 44.
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Autor: Julie Vullnetari für bpb.de
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