Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

2.5.2013 | Von:
Julie Vullnetari

Aktuelle Entwicklungen

Die Schlüsseldebatten über Migration konzentrieren sich auf die Auswirkungen der Wanderungsbewegungen auf Rücküberweisungen (Remittances), die Bevölkerungsentwicklung und die Diaspora.

Rücküberweisungen

Während der zwei postkommunistischen Jahrzehnte waren Rücküberweisungen die Rettungsleine des Landes. Angefangen von $150 Millionen US-Dollar im Jahr 1992 stiegen sie Jahr für Jahr bis auf einen Höchstwert von $1,3 Milliarden US-Dollar 2007. Seit dem Zeitpunkt sinken sie jedoch. In den frühen 1990er Jahren deckten Rücküberweisungen fast das gesamte Handelsdefizit und stellten 22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Bis 2009 sind diese Zahlen gesunken, sie sind aber immer noch relevant. Rücküberweisungen decken nach wie vor 33 Prozent des Handelsdefizits und stellen 9 Prozent des BIP. Auf der Mikroebene betrachtet waren und sind Rücküberweisungen der Schlüssel zum Überleben vieler albanischer Familien. Sie verschaffen ihnen Zugang zu besserer Bildung und Gesundheitsversorgung und ermöglichen es ihnen, in die Landwirtschaft zu investieren oder in kleine familiengeführte Unternehmen.[1] Großteile der inneralbanischen Migration wurden mithilfe der Rücküberweisungen von im Ausland arbeitenden Familienmitgliedern finanziert.[2] In den letzten Jahren hat sich die Abwanderung von Albanern verstetigt. Ein Zeichen dafür ist der schnelle Familiennachzug ins Ausland. Dieser Prozess, zusammen mit der fortwirkenden Wirtschaftskrise in den Aufnahmeländern, insbesondere in Griechenland, hat zu einer Abnahme der Rücküberweisungen nach Albanien geführt.

Bevölkerungsentwicklung

Migration hatte für die Entwicklung der Bevölkerung Albaniens drei wesentliche Folgen: Bevölkerungsverlust, Umverteilung und Alterung. Zahlen aus den zwei postkommunistischen Bevölkerungszählungen belegen dies. Der Zensus aus dem Jahr 2001 bezifferte den Bevölkerungsverlust durch Abwanderung seit 1989 auf 700.000 Personen. Bis 2011 verlor das Land weitere 8 Prozent seiner Wohnbevölkerung im Jahr 2001. Diese Entwicklung wurde ebenfalls hauptsächlich der Abwanderung zugeschrieben.[3]
Gleichzeitig hat auch die interne Migration ein großes Ausmaß angenommen und die Kombination der beiden Wanderungsbewegungen (internationale Migration und Binnenwanderung) hat zu Tragfähigkeitsproblemen geführt, die aus einer ungleichen Bevölkerungsverteilung innerhalb des Landes resultieren. Während sich beispielsweise die Bevölkerung der Gemeinde Leskovik im gebirgigen Südosten des Landes so sehr verringert hat, dass sich die Bevölkerungsdichte nur mehr auf zwei Einwohner pro Quadratkilometer beläuft, resultieren die Probleme der Hauptstadt Tirana aus einer Überbevölkerung. Die Bevölkerungsdichte liegt hier bei rund 10.500 Einwohnern je Quadratkilometer und damit sehr weit über dem Landesdurchschnitt von etwa 100 Einwohnern pro Quadratkilometer.[4] Die hohe Zahl junger Abwanderer hat zusammen mit einem Rückgang der Geburtenraten im Land zu einer schnellen Alterung der Bevölkerung geführt. Dies ist vor allem in ländlichen Gegenden der Fall. 2011 lag das Durchschnittsalter der Bevölkerung Albaniens bei etwas über 35 Jahren. 1989 war dagegen noch ein Drittel der Bevölkerung jünger als 15 Jahre alt gewesen.

Diaspora

Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung des Landes, ist die albanische Diaspora sehr groß, insbesondere, wenn auch die historischen albanischen Communities im Ausland berücksichtigt werden. Oftmals werden alle im Ausland lebenden Albanerinnen und Albaner zu dieser Diaspora gezählt, einschließlich derjenigen, die aus dem Kosovo, Mazedonien und Montenegro stammen. Auch diese Migranten verstehen Albanien wiederum als das wahre Zentrum eines umfassenden albanischen Mutterlandes. Damit besteht vor allem eine symbolische Beziehung zu Albanien, die aber beispielsweise wohlhabenden Albanern aus der Diaspora in den USA und in der Schweiz Investitionsmöglichkeiten in Albanien eröffnet. In den vergangenen Jahren hat sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf Hochqualifizierte und Fachkräfte gerichtet, die von der albanischen Regierung und internationalen Entwicklungspartnern als besonders wichtige Akteure im Entwicklungsprozess des Landes gesehen werden, da sie über Fachwissen, technologisches Knowhow und breite Netzwerke verfügen.

Fußnoten

1.
King et al. (2011).
2.
Vullnetari (2012).
3.
INSTAT (2012).
4.
INSTAT (2011), S. 21.
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Autor: Julie Vullnetari für bpb.de
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