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21.2.2014 | Von:
Michael R. M. Abrigo

Historische Entwicklung

PhilippinenPhilippinen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Die Geschichte der Migration ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Philippinen verbunden. Die Zu- und Abwanderung wurde bis in die ersten Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes (1946)[1] weitgehend durch wirtschaftliche, insbesondere Handels- und Kolonialbeziehungen mit anderen Ländern beeinflusst.

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Info

Hintergrundinformationen

Hauptstadt: Manila
Amtssprachen: Filipino, Englisch
Fläche: 343.448 km²
Bevölkerung (2010): 92,3 Mio.
Bevölkerungsdichte: 269 Einwohner/km²
Bevölkerungswachstum (2000-2010): 1,9%
Ausländeranteil (2010): 0,2%
Erwerbsquote (2012): 64,2%
Arbeitslosenquote (2012): 7,0%
Religionen (2007): Katholiken (81,0%), Protestanten (11,6%), Muslime (5,1%), Buddhisten (0,1%)

Einwanderung

Die Inseln, die heute zu den Philippinen zählen, wurden mehr als 300 Jahre von verschiedenen Kolonialregierungen regiert. Die Einwandererbevölkerung hat im Laufe des letzten Jahrhunderts einen Anteil von rund einem Prozent an der Gesamtbevölkerung nicht überstiegen. Im Jahr 1883, gegen Ende der spanischen Kolonialherrschaft, belief sich die Zahl der nicht-indigenen Einwohner auf rund 44.440 Personen und damit ca. 1,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im Anschluss an die beiden Weltkriege wuchs die philippinische Bevölkerung um zwei bis drei Prozent. Diese Entwicklung verringerte den Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung. Im Jahr 1918 lebten etwa 63.000 Ausländer im Land; sie stellten 0,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die absolute Zahl der Ausländer nahm bis in die 1970er Jahre hinein zu. Anschließend verringerte sie sich aufgrund von wirtschaftlichen Instabilitäten. Aktuelle Statistiken zeigen wieder einen Zuwachs der ausländischen Bevölkerung, deren Zahl die des Jahres 1970 – damals lebten 219.438 Ausländer auf den Philippinen – aber seither nicht überschritten hat.

Auswanderung

Die Philippinen können auf eine lange Geschichte der Auswanderung zurückblicken. Historische Belege gehen dabei bis in das Jahr 1417 zurück, als sich adelige Sulus und ihre Familien auf eine Handelsmission nach China begaben. Während der spanischen Kolonialherrschaft bemannten philippinische Seefahrer Schiffe auf der Handelsroute zwischen Manila und Acapulco (1570-1815).[2] Im Jahr 1763 verließen philippinische Seefahrer ihr Schiff und ließen sich in Louisiana, USA, nieder.[3] Gegen Ende der spanischen Kolonialherrschaft schickten wohlhabende Familien ihre Mitglieder zum Studium nach Europa, hauptsächlich nach Spanien, wo sie liberale und nationalistische Ideen aufnahmen, die dann auch die sogenannte Propagandabewegung beflügelten, welche eine Reform der spanischen Kolonialregierung und -verwaltung anstrebte.[4]

Die großangelegte Entsendung von philippinischen Arbeitskräften wurde in den frühen Jahren der US-amerikanischen Kolonialherrschaft eingeführt. Mit der Verabschiedung des sogenannten "Pensionado-Gesetzes" im Jahr 1903 wurden philippinische Studierende in die USA geschickt, um dort ihre Bildung zu vertiefen, da die USA danach strebten, ein Commonwealth der Philippinen als Vorbereitung auf die Unabhängigkeit des Landes zu errichten. Darüber hinaus wurden zwischen 1906 und 1934 rund 150.000 Filipinos[5], überwiegend Männer, rekrutiert, um auf den Plantagen, insbesondere auf Hawaii und in Kalifornien, zu arbeiten. Amerikanische Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs auf den Philippinen stationiert waren, brachten ihre philippinischen "Kriegsbräute" mit zurück in die USA. In den ersten Jahren nach dem Krieg war es Filipinos im Rahmen des "Philippine-US Military Base"-Abkommens erlaubt, als Rekruten der Marine oder Arbeiter an einem amerikanischen Militärstützpunkt in die USA zu migrieren.

Reformen der Einwanderungsgesetzgebung in Kanada (1962), den USA (1965) und Australien (1966), die zu einer Verringerung der Hürden für die Zuwanderung aus Asien führten, vereinfachten die Einwanderung von Filipinos in diese Länder. In den USA, in der unmittelbaren Zeit nach der Reform, waren die meisten philippinischen Migranten Familienmitglieder von früher zugewanderten Filipinos, die von dem Programm zur Familienzusammenführung der Lyndon B. Johnson Regierung Gebrauch machten. Gastarbeiterprogramme in einigen europäischen Ländern ermöglichten es philippinischen Arbeitskräften darüber hinaus, eine Arbeit in Europa aufzunehmen.

Von Beginn des 20. Jahrhunderts an wird die philippinische Auswanderung durch ein organisiertes System zur großangelegten Entsendung von Arbeitskräften nach Übersee bestimmt. Dennoch dauerte es bis in die 1970er Jahre hinein bis die Zahl der Abwanderer deutlich stieg. Hintergrund war der Bauboom im Nahen Osten, vor allem in Saudi Arabien, der durch die Ölpreiskrise in den 1970er Jahren hervorgerufen wurde.[6] Die staatliche Verwaltung überseeischer Beschäftigung wurde 1974 mit dem Arbeitsgesetzbuch ("Philippine Labor Code") ins Leben gerufen. Das Arbeitsgesetzbuch sah ursprünglich vor, die Kontrolle über die Rekrutierung und Beschäftigung philippinischer Arbeitskräfte gänzlich in die Hand der Regierung zu legen. Dies war eine Reaktion auf eine zunehmende Zahl von Zuwiderhandlungen gegen Wanderarbeitnehmer in den Aufnahmeländern. Diese Politik wurde später jedoch aufgegeben. Stattdessen wurde eine stärkere Regulierung privater Rekrutierungsagenturen durch die Regierung angestrebt.[7]

Fußnoten

1.
Die Vereinigten Staaten entließen die Philippinen am 4. Juli 1946 durch den Vertrag von Manila in die Unabhängigkeit. Offiziell feiert das Land seine Unabhängigkeit aber am 12. Juni im Gedenken an die Einrichtung der philippinischen Revolutionsregierung 1898.
2.
Samonte (1995).
3.
Mercene (2007).
4.
Agoncillo (1990).
5.
Der Begriff Filipinos bezeichnet in diesem Dossier philippinische Staatsangehörige.
6.
Für weitere Informationen zu den Persischen Golfstaaten siehe das Länderprofil über die Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrats, abrufbar unter: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/150735/golfstaaten (Zugriff: 16.10.2013)
7.
Mughal/Padilla (2005) und Agunias (2008).
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