Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

26.6.2014 | Von:
Lan Diao
Maren Opitz

Historische Entwicklung der Migration

In der chinesischen Geschichte gibt es sowohl Phasen der Einwanderung als auch der Auswanderung. Zum einen ließen sich im 19. und 20. Jahrhundert viele Ausländer in den großen Metropolen wie Shanghai nieder, andererseits wanderten viele Chinesen aufgrund von Kriegen und Hungersnöten aus. Seit der Gründung der Volksrepublik China kam es vermehrt zur Rückwanderung. Erst seit der Einführung der Reformpolitik Ende der 70er Jahre kommen auch immer mehr Ausländer für temporäre und langfristige Aufenthalte nach China.

Jüdisches Viertel in Shanghai. In den 1930er Jahren fanden mehr als 15.000 Juden aus Deutschland und Österreich Schutz vor Verfolgung in der Stadt.Jüdisches Viertel in Shanghai. In den 1930er Jahren fanden mehr als 15.000 Juden aus Deutschland und Österreich Schutz vor Verfolgung in der Stadt. (© picture-alliance / Christian Ender)
Schon früh hat es auf dem Territorium des heutigen Chinas regen Handel mit ausländischen Kaufleuten gegeben. Nach der Blütezeit des Handels im 17. und frühen 18. Jahrhundert, wurde er Mitte des 18. Jahrhundert durch die Einführung eines restriktiven Handelssystems reguliert. Der Handel mit dem Westen war nun ausschließlich über den im Süden gelegenen Hafen Kantons abzuwickeln. Er war nur lizenzierten westlichen Kaufleuten gestattet sowie auf chinesischer Seite den Cohong vorbehalten, einer Gilde chinesischer Kaufleute. Zunächst kamen britische Händler – meist junge Männer – nach Kanton. Es folgten österreichische, dänische, holländische, französische, spanische, schwedische und amerikanische Kaufleute. In den 1760er Jahren kamen jährlich etwa 20 Schiffe mit jeweils 100 bis 150 Personen an Bord nach China – in den 1840er Jahren waren es etwa 300. Die Kaufleute durften nur wenige Monate im Jahr in Kanton leben, ihre Familien nicht mitbringen und sich nur in den ihnen zugewiesenen Unterkünften aufhalten.

Erst nach den beiden verlorenen Opiumkriegen (1839-1842 und 1856-1860) musste sich China mit der Unterzeichnung der sogenannten ungleichen Verträge dem Handel mit dem Westen öffnen. Der Vertrag von Nanjing zwischen China und dem Kriegsgegner Großbritannien zwang die Chinesen beispielsweise zur Öffnung diverser Häfen. Der Vertrag umfasste darüber hinaus ein Wohnrecht für Ausländer und erlaubte christlichen Missionaren, ihren Glauben in China zu verbreiten. In Shanghai errichteten Großbritannien, aber auch Frankreich und die USA, die 1844 ihrerseits Verträge mit China ähnlichen Inhalts geschlossen hatten, Konzessionsgebiete (Wohnviertel für Ausländer), in denen sich letztlich aber auch chinesische Bürger niederließen. Die Zahl der Ausländer in Shanghai betrug 1900 bereits 100.000. In den 1930er Jahren fanden zudem mehr als 15.000 Juden aus Deutschland und Österreich Schutz vor Verfolgung in der Stadt. Sie benötigten dafür weder gültige Identitätspapiere noch ein Visum.[1]

Chinesische Emigration

Die ersten Communities chinesischer Händler in Südostasien gab es bereits um 1400. Als zwischen 1700 und 1800 die Bevölkerung des Qing-Reichs von 150 auf 300 Millionen stieg, sahen sich immer mehr chinesische Familien gezwungen, männliche Familienmitglieder von zuhause fort zu schicken, um ihre Arbeitskraft in anderen Landesteilen – und nach Mitte des 18. Jahrhunderts auch im Ausland – anzubieten.

Im 19. Jahrhundert erreichte die chinesische Auswanderung neue Dimensionen. Zum einen flohen Chinesen vor Kriegen und Hungersnöten in Regionen wie Burma, Indonesien und Vietnam. Hier bauten sich viele eine neue Existenz in Landwirtschaft und Fischerei auf oder betätigten sich im Handel. Viele der 19 Millionen Chinesen, die zwischen 1840 und 1940 nach Südostasien und in Gebiete im Indischen und Pazifischen Ozean emigrierten, wurden als Vertragsarbeiter in französischen, britischen und niederländischen Kolonien eingesetzt. Zwischen 1850 und 1875 zog es zudem über zwei Millionen Chinesen aus Südchina in die Karibik, nach Kalifornien und nach Mittelamerika. Sie arbeiteten unter anderem im Eisenbahnbau in den USA und in den Silberminen Perus. Ab 1937 flohen Zehntausende Chinesen vor dem sino-japanischen Krieg.[2]

Rückwanderung nach China

Die Gründung der Volksrepublik führte zur Rückwanderung von Auslandschinesen, die selbst oder deren Vorfahren China einst verlassen hatten. Ihre Zahl wird auf einige Millionen geschätzt. Viele folgten dem Ruf der politischen Führung, nach dem chinesischen Bürgerkrieg und dem sino-japanischen Krieg einen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes zu leisten. In den späten 1950er und frühen 1960er Jahren kamen Hunderttausende in Südostasien lebende ethnische Chinesen zurück nach China, da sie sich durch anti-chinesische Politiken und Gewaltakte in ihren "neuen" Heimatländern wie Indonesien und Malaysia bedroht fühlten. Ab Mitte der 1970er Jahre führten territoriale Konflikte zwischen China und Vietnam zudem zur Rückkehr von ethnischen Chinesen aus Vietnam.[3]

Migration nach China – Einwanderer aus Entwicklungsländern und Industrienationen

Nach der Asien-Afrika-Konferenz in Bandung 1955 und unter Einfluss der Bewegung der Blockfreien Staaten übernahm China seit Mitte der 1950er Jahre eine führende Rolle unter den Entwicklungsländern. Die Volksrepublik bot insbesondere einer Reihe afrikanischer Länder finanzielle und technische Unterstützung an. In der Folge kamen Bürger afrikanischer Staaten zu Ausbildungszwecken, zum Studium und zur Erwerbsaufnahme nach China. Viele von ihnen blieben länger oder ließen sich ganz in der Volksrepublik nieder.[4] Seit der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik ab 1978 kommen außerdem immer mehr Ausländer aus Industrienationen für einen temporären oder langfristigen Aufenthalt nach China.

Dieser Text ist Teil des Länderprofils China.

Fußnoten

1.
Perdue (2011), Vogelsang (2013), S. 453, 458, Laytner (2011), S. 101.
2.
Vogelsang (2013), S. 431, Peterson (2012), S. 8-10, 107f.
3.
Peterson (2012), S. 103-108, 125, Chung et al. (2010), S. 353f.
4.
Chung et al. (2010), S. 353.
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