Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

26.6.2014 | Von:
Lan Diao
Maren Opitz

Staatsbürgerschaft

Das chinesische Staatsbürgerschaftsrecht wird nach dem Abstammungsprinzip (Jus sanguinis) vergeben und erlaubt keine Doppelstaatlichkeit. Eine Einbürgerung von nicht-ethnischen Ausländern ist an bestimmte Bedingungen geknüpft und daher wohl eher selten.

Laden für Brautmode in Peking. Das chinesische Staatsbürgerschaftsrecht basiert weitgehend auf dem Abstammungsprinzip. Eine Einbürgerung ist jedoch zum Beispiel über eine Hochzeit mit einem chinesischen Staatsbürger möglich, jedoch nur wenn die alte Staatsbürgerschaft aufgegeben wird.Laden für Brautmode in Peking. Das chinesische Staatsbürgerschaftsrecht basiert weitgehend auf dem Abstammungsprinzip. Eine Einbürgerung ist jedoch zum Beispiel über eine Hochzeit mit einem chinesischen Staatsbürger möglich, jedoch nur wenn die alte Staatsbürgerschaft aufgegeben wird. (© picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Das 1980 verabschiedete und bis heute geltende Staatsangehörigkeitsgesetz regelt den Verleih der chinesischen Staatsbürgerschaft. Das Gesetz fußt maßgeblich auf dem Jus sanguinis-Prinzip. Damit wird Kindern mit einem oder zwei chinesischen Elternteilen automatisch die chinesische Staatsbürgerschaft verliehen, egal ob sich diese zur Zeit der Geburt in der Volksrepublik aufhalten oder nicht (Artikel 4 und 5). Aufgeweicht wird das Abstammungsprinzip dahingehend, dass Kinder von langfristig im Ausland lebenden Chinesen nicht die chinesische Staatsangehörigkeit erhalten, wenn das Land, in dem die Kinder geboren werden, seine Staatsangehörigkeit nach dem Territorialprinzip (jus soli) vergibt. Dadurch soll die doppelte Staatsangehörigkeit verhindert werden, die laut Staatsangehörigkeitsgesetz verboten ist (Artikel 3).

Chinesen, die eine andere Staatsbürgerschaft annehmen, verlieren nach Artikel 9 automatisch ihre chinesische. Diese Regelung ist historisch gewachsen: In den ersten Jahren nach Gründung der Volksrepublik durften in Südostasien lebende Chinesen noch zwei Staatsangehörigkeiten besitzen. Eben erst unabhängig gewordene und zum Großteil anti-kommunistische Staaten wie Indonesien nahmen dies jedoch als Gefahr für den eigenen Staatsbildungsprozess wahr. Als Konsequenz daraus schloss China – um diplomatische Spannungen zu vermeiden – ein Abkommen mit Indonesien, das ein Verbot der doppelten Staatsbürgerschaft für ethnische Chinesen in Indonesien vorsah. Das Abkommen trat 1960 in Kraft. Regierungsberater haben zuletzt vorgeschlagen, von der Nicht-Anerkennung der doppelten Staatsbürgerschaft abzurücken. Der Kurs der Regierung hat sich allerdings nicht geändert.

Artikel 7 des Staatsangehörigkeitsgesetzes erlaubt die Einbürgerung von Ausländern unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel wenn eine enge Beziehung zu chinesischen Staatsangehörigen besteht oder wenn sich die betreffende Person langfristig in China niedergelassen hat. Die Anzahl an bisher eingebürgerten Personen, insbesondere derer ohne Beziehung zu ethnischen Chinesen, dürfte gering sein.[1] Tatsächlich nutzt die chinesische Regierung die Vergabe der chinesischen Staatsbürgerschaft nicht dazu, gezielt Anreize für potentielle (gut ausgebildete) Rückkehrer oder Investoren zu bieten.[2]

Dieser Text ist Teil des Länderprofils China.

Fußnoten

1.
Den Autorinnen waren keine Statistiken zugänglich.
2.
Dan (2009), S. 27, GovHK (2010), Skrentny et al (2007), S. 805.
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