Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

26.6.2014 | Von:
Lan Diao
Maren Opitz

Irreguläre Migration

In China gibt es zunehmend auch irreguläre Migranten. Das sind zum einen afrikanische Händler oder Frauen, die zwecks Eheschließung einreisen, aber auch Migranten aus Chinas Nachbarstaaten, die Arbeit in der Landwirtschaft oder Industrie suchen. Die gesetzlichen Regelungen bezüglich irregulärer Migranten sind streng, es gibt aber auch pragmatische Ansätze.

Ein angolanischer Händler verhandelt mit einer chinesischen Ladenbesitzerin in Guangzhou. In der südchinesischen Provinz Guangdong leben geschätzte 200.000 Personen aus afrikanischen Staaten.Ein angolanischer Händler verhandelt mit einer chinesischen Ladenbesitzerin in Guangzhou. In der südchinesischen Provinz Guangdong leben geschätzte 200.000 Personen aus afrikanischen Staaten. (© picture alliance / Photoshot)

2011 untersuchten die chinesischen Behörden rund 20.000 Fälle von irregulärer Einreise, irregulärem Aufenthalt und irregulärer Beschäftigung (doppelt so viele wie 1995). Bei einem Teil der irregulären Einwanderer handelt es sich um afrikanische Händler, die sich insbesondere in der südchinesischen Provinz Guangdong konzentrieren. Hier haben Vertreter der afrikanischen Community harsche Kritik am Umgang der chinesischen Polizei mit Einwanderern ohne gültige Papiere geäußert. Des Weiteren reisen russische Frauen über die an Russland grenzende nordchinesische Provinz Heilongjiang nach China ein, wo sie häufig Anstellung in der Entertainment-Branche finden.

Viele der irregulären Migranten kommen zudem aus Chinas Nachbarstaaten wie Vietnam, Laos und Kambodscha und suchen Beschäftigung in der Landwirtschaft oder in Fabriken im Süden des Landes. Manche reisen mit einem Arbeitsvisum ein und bleiben nach dessen Ablauf im Land, andere haben keine gültige Einreisegenehmigung und werden von Schmugglern eingeschleust. China verfolgt einen pragmatischen Ansatz im Umgang mit (irregulären) Grenzüberquerungen: In zwei Grenzstädten, in Dongxing an der Grenze zu Vietnam und in Ruili an der Grenze zu Myanmar, wurden in den letzten Jahren Freihandelszonen eingerichtet, in denen sich circa 37.000 Händler aus den Nachbarländern legal aufhalten. China betrachtet die Errichtung solcher Handelszonen als Möglichkeit, die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Mitgliedstaaten des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) zu stärken.

Heiratsmigration

Ein weiteres Phänomen ist die irreguläre Einreise von "ausländischen Bräuten". Da die Ein-Kind-Politik zu einem Männerüberschuss in der chinesischen Gesellschaft geführt hat, "kaufen" sich manche chinesischen Männer ihre Ehefrauen aus Ländern wie Russland, Nordkorea, Vietnam, Laos und Myanmar. In der Provinz Yunnan, nahe Myanmar, wird derzeit in einem Pilotprojekt erprobt, die Einreise zu Heiratszwecken zu legalisieren. Paare können hier ihre Hochzeit registrieren lassen, wodurch die Ehefrau eine Aufenthaltsgenehmigung erhält. Bei einer Eheschließung zwischen einem Chinesen und einer Ausländerin erhält letztere eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung erst, nachdem sie fünf Jahre lang in Folge jährlich mindestens neun Monate in China gelebt hat.

Gesetzliche Regelungen

Nach Angaben des chinesischen Ministeriums für Öffentliche Sicherheit wurden im Jahr 2012 2.614 Ausländer beim Versuch, die chinesische Grenze unerlaubt zu überqueren, festgenommen. Zuständig für die Grenzsicherung sind so genannte Grenzkontrolltruppen und bewaffnete Spezialeinheiten der Polizei, die dem Ministerium für Öffentliche Sicherheit unterstehen. Das im Juli 2013 reformierte Gesetz zur Einreise von Ausländern zielt auch auf die Eindämmung irregulärer Migration nach China. Es sieht unter anderem strengere Strafen beim Überziehen des Visums und bei illegaler Beschäftigung vor (nunmehr auch für die Arbeitgeber). Wie sich das Gesetz auf niedrig qualifizierte und teilweise ohne gültige Genehmigungen arbeitende Ausländer – zum Beispiel philippinische Hausmädchen, afrikanische Händler und Bräute aus Korea, Russland und Myanmar – auswirkt, ist noch ungewiss. Das Gesetz ruft die Bevölkerung dazu auf, verdächtige Person zu melden. Arbeitgeber und Universitäten sollen bei der Polizei angeben, wenn sie von Nebentätigkeiten eines Ausländers erfahren.[1]

Dieser Text ist Teil des Länderprofils China.

Fußnoten

1.
Wang (2012), Deng (2010), Chung (2010), S. 354, Zhang (2013), Shen (2011), Zentralregierung der Volksrepublik China (ohne Datum c), Liu (2011), Lefkowitz (2013), Denver Post (2012).
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