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Zuwanderung


12.2.2015
Als regionaler Wirtschaftsmotor zieht Südafrika zahlreiche Arbeitsmigranten, insbesondere aus benachbarten Staaten, an. Die Migrationspolitik des Landes beruhte lange Zeit auf einer rassistischen Selektion der Zuwandernden: Weiße wurden schwarzen Migranten gegenüber bevorzugt. Seit dem Ende der Apartheid ist dies nicht mehr der Fall. Dennoch stehen Großteile der Bevölkerung Migranten feindlich gegenüber.

Erzabbau in südafrikanischer Mine: Vor allem in der Bergbauindustrie wurden und werden viele ausländische Arbeitskräfte eingesetzt.Erzabbau in südafrikanischer Mine: Vor allem in der Bergbauindustrie wurden und werden viele ausländische Arbeitskräfte eingesetzt. (© picture-alliance/dpa)

Zuwandererbevölkerung



Die dauerhafte Zuwanderung von schwarzen und weißen Migranten nach Südafrika war vor 1995 unterschiedlich geregelt und ließ vor allem die weiße Immigration zu (vgl. Abschnitt Migrationspolitik). Die zugewanderte weiße Bevölkerung ist von ca. 18.000 im Jahr 1960 auf über 160.000 im Jahr 1991 angestiegen.

Mit dem Ende der Apartheid kam es weder zu einer befürchteten massenhaften Abwanderung der weißen Bevölkerung noch zu einem nicht beherrschbaren Zustrom schwarzer Migranten. In der Dekade von 1990 bis 2000 wanderten zunächst sogar weniger Menschen nach Südafrika ein als zuvor; der Anteil afrikanischstämmiger Migranten nahm jedoch stetig zu.

 
Tabelle 1: Legale Migration nach Südafrika 1990-2004
 
JahrLegale EinwandererAnteil afrikanischer Migranten (%)
199014.49911,2
19928.68614,6
19946.39825,4
19965.40729,6
19984.37126,7
20003.05327,2
20026.54537,8
200410.71448,9
Total (1990-2004)110.12127
Quelle: Crush (2008): South Africa - Policy in the Face of Xenophobia. www.migrationpolicy.org/article/south-africa-policy-face-xenophobia (Zugriff: 15.2.2014); eigene Darstellung.

Wie in Tabelle 1 zu sehen ist, kam es erst nach 2000 wieder zu einer stärkeren Zuwanderung. Insgesamt stieg der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung von 3,8 Prozent im Jahr 1990 auf 4,5 Prozent im Jahr 2013.[1]

Nicht ohne Grund wird Südafrika auch als "Regenbogennation" bezeichnet, denn die Bevölkerung des Landes ist insgesamt sehr heterogen und vereint Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Nach Ergebnissen des Zensus aus dem Jahr 2011 bezeichnen sich knapp 80 Prozent der Bevölkerung als afrikanisch, jeweils etwa 9 Prozent als weiß oder farbig und weitere 2,5 Prozent als asiatisch.

Arbeitsmigration



In den frühen Jahren der Besiedelung durch Niederländer und Briten kam es zur gewaltsamen Verschleppung von Menschen aus dem restlichen Afrika, Indien, Indonesien und Madagaskar nach Südafrika. Diese Personen wurden als Sklaven auf dem südafrikanischen Arbeitsmarkt eingesetzt. Die Beschäftigung von Arbeitswanderern gewann insbesondere ab Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. 1880 waren zunächst lediglich 1.400 Migranten in Südafrika beschäftigt, nur 19 Jahre später waren es bereits 97.000, 60 Prozent von ihnen stammten aus Mosambik.

Das System zur Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte wurde nach dem Ende der Apartheid größtenteils aufrechterhalten. Die Bedeutung des Minensektors und die Anzahl der Beschäftigten sanken von 1990 bis 2000 zunächst, während gleichzeitig der Anteil ausländischer Minenarbeiter anstieg. Seit 2000 hat sich dieser Trend wieder umgekehrt. Mit dem Immigration Act von 2002 wurde die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte zugunsten südafrikanischer Bürger erschwert. Gleichzeitig wuchs aufgrund steigender Goldpreise der Bedarf an Arbeitskräften, der nun wieder vermehrt über den heimischen Arbeitsmarkt gedeckt wird. Nach wie vor stammen die meisten ausländischen Arbeiter in der Bergbauindustrie aus Lesotho und Mosambik.

 
Tabelle 2: Herkunft der Arbeitskräfte in südafrikanischen Goldminen 1990-2006
 
JahrSüdafrikaBotswanaLesothoMosambikSwasilandAusländer-anteil in %Gesamt
1990199.81014.60999.70744.59017.75747376.473
1992166.26112.78193.51950.65116.27351339.485
1994142.83911.09989.23756.19715.89255315.264
1996122.10410.47781.35755.74114.37158284.050
199897.6207.75260.45051.91310.33657228.071
200099.5756.49458.22457.0349.36057230.687
2002116.5544.22754.15751.3558.69850234.991
2004121.3693.92448.96248.9187.59847230.771
2006164.9892.99246.08246.7077.12438267.894
Quelle: Crush (2008): South Africa - Policy in the Face of Xenophobia. www.migrationpolicy.org/article/south-africa-policy-face-xenophobia (Zugriff: 15.2.2014); eigene Darstellung.

Da viele qualifizierte Arbeitskräfte aus Südafrika abwandern, wird seit Inkrafttreten des Immigration Act 2002 mit Hilfe einer Quotenregelung festgelegt, in welchen Bereichen der Wirtschaft qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland benötigt werden. Vor allem im Gesundheitssektor besteht in Südafrika ein gravierender Fachkräftemangel, der derzeit auch durch ausländische Arbeitskräfte nicht vollständig behoben werden kann. Dennoch bleibt die Politik Südafrikas weiterhin restriktiv; außerhalb der strikt gesetzten Quoten ist eine Migration nach Südafrika sogar für qualifizierte Arbeitskräfte schwierig.

Seit 2000 kam es zu einem massiven Anstieg der Migration aus Simbabwe. Im Jahr 2011 wurden 15 Prozent aller befristeten Aufenthaltstitel an Simbabwer vergeben. Betrachtet man ausschließlich die befristeten Arbeitsgenehmigungen sind es sogar 25 Prozent, wie Tabelle 3 zeigt. Insgesamt erhielten Migranten aus Simbabwe nahezu die Hälfte aller befristeten Titel, die an Einwohner des südlichen Afrikas vergeben wurden, gefolgt von Lesotho mit 8,5 Prozent und der Demokratischen Republik Kongo mit 8,2 Prozent.

 
Tabelle 3: Befristete Aufenthaltstitel und Arbeitsgenehmigungen 2011
 
Herkunft der InhaberGesamtzahl der befristeten Aufenthaltstitel und Arbeitsgenehmigungendavon ArbeitsgenehmigungenHerkunftsanteil an allen Arbeitsgenehmigungen (in %)
Alle Länder 106.17320.673100
Übersee48.63111.88557
Afrika57.4608.76542
SADC31.7966.32931
Simbabwe15.6285.06925
Lesotho2.7061071
DRK2.6012141
Changwe Nshimbi, C./Fioramonti, L. (2014): The Will to Integrate: South Africa’s Responses to Regional Migration from the SADC Region. African Development Review, Jg. 26, Nr. 1, S. 52–63; eigene Darstellung.

Simbabwe liegt wirtschaftlich und politisch am Boden. Die Arbeitslosigkeit wird auf über 80 Prozent geschätzt. Der Immigration Act von 2002 erleichterte die Anstellung von hochqualifizierten Migranten aus Simbabwe. Anders als der Großteil der Migranten aus dem südlichen Afrika arbeiten viele Simbabwer aufgrund ihrer guten Ausbildung nicht in den südafrikanischen Minen, sondern überwiegend im Gesundheitssektor - mit fatalen Folgen für das Gesundheitssystem in Simbabwe selbst. Während es in Simbabwe 1995 noch durchschnittlich 7.000 Patienten pro Arzt gab, waren es im Jahr 2004 fast 18.000 Patienten. Eine Umfrage aus dem Jahr 2002 ergab, dass 68 Prozent der medizinischen Fachkräfte in Erwägung ziehen, aus Simbabwe zu emigrieren. Bereits im Jahr 2000 lebte mit 38,7 Prozent der größte Teil der ausgewanderten Ärzte in Südafrika.[2]


Fußnoten

1.
Crush (2000), UN Department of Economic and Social Affairs (2013).
2.
Curtin (1994); Trimikliniotis et al. (2008); CIA World Factbook (2009); Chikanda (2010); Crush (2004).
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Autor: Kim Katharina Runge für bpb.de
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