Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

12.2.2015 | Von:
Jan-Berent Schmidt

Zukünftige Herausforderungen

Südafrika zieht seit der Kolonialzeit Einwanderer an. Die meisten von ihnen stammen aus der Region südliches Afrika und kommen auf der Suche nach Arbeit ins Land. Die Migrationspolitik war lange Zeit rassistisch motiviert und bevorzugte weiße gegenüber schwarzen Zuwandernden. Dies änderte sich erst nach dem Ende der Apartheid. Fremdenfeindlichkeit ist jedoch bis heute ein großes gesellschaftliches Problem und eine der Herausforderungen der zukünftigen Migrationspolitik Südafrikas.

Vor fremdenfeindlichen Übergriffen fliehende Frau in Johannesburg 2008: Die weit verbreitete Fremdenfeindlichkeit resultiert auch aus politischen Versäumnissen und Missständen der Post-Apartheid-Ära.Vor fremdenfeindlichen Übergriffen fliehende Frau in Johannesburg 2008: Die weit verbreitete Fremdenfeindlichkeit resultiert auch aus politischen Versäumnissen und Missständen der Post-Apartheid-Ära. (© picture-alliance/dpa)

Fachkräftemigration und Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC)

Eine der zentralen zukünftigen migrationspolitischen Herausforderungen Südafrikas wird der Umgang mit der Abwanderung von gut ausgebildetem Fachpersonal sein. Die Ursachen dieser Abwanderung liegen vor allem in der Unzufriedenheit mit der sozialen und wirtschaftlichen Situation des Landes[1]. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Dies soll auch durch die Möglichkeit der Freizügigkeit von Menschen aus der SADC-Region geschehen. Erste Schritte dazu wurden 2005 mit dem Protocol on the Facilitation of Movement of Persons eingeleitet. Dieses ist Teil einer Initiative der SADC, Strategien zu erarbeiten und einzuführen, welche die Hürden für die grenzüberschreitende Mobilität von Gütern und Arbeitskräften zwischen den Staaten der Region abbauen sollen. Damit würde es den Bewohnern der Region leichter gemacht werden, in anderen Mitgliedstaaten zu arbeiten oder sich dauerhaft dort niederzulassen. Bislang hat jedoch nur Südafrika das Protokoll ratifiziert. Es wird vermutet, dass die Gewährung von Freizügigkeit die Migrationsprozesse und die wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Südafrika und den anderen SADC-Staaten noch verstärken wird. Dies könnte allerdings Potenzial für neue Konflikte bergen, wenn z.B. die Nachbarländer Südafrikas durch die Abwanderung ihrer eigenen Fachkräfte geschwächt werden.[2]

Migrationspolitische Ausrichtung und Xenophobie

Die bisherige Migrationspolitik Südafrikas ist geprägt von einem sehr restriktiven Grundverständnis. Nicht nur der Blick auf den Fachkräftemangel des Landes macht jedoch die Notwendigkeit einer politischen Öffnung deutlich. Die Migrationspolitik muss zudem stärker die wirtschaftliche Entwicklung und die soziale Ungleichheit in Südafrika berücksichtigen. Dabei dürfen auch die Auswirkungen der Zuwanderung insbesondere aus umliegenden Staaten auf die Herkunftsländer der Zuwanderer nicht außer Acht gelassen werden. Gleichzeitig sollte daran gearbeitet werden, dass Migranten nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werden. Grundlegend dafür ist der Kampf gegen Xenophobie in der südafrikanischen Bevölkerung. Die weit verbreitete Fremdenfeindlichkeit resultiert auch aus politischen Versäumnissen und Missständen der Post-Apartheid-Ära[3].

Integration, Asylsystem, Datenlage

Die Migrationsbewegungen, die gerade in Südafrika auch Prozesse der Urbanisierung sind, stellen vor allem die Kommunen vor große Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Einige Gemeinden haben bereits erkannt, dass Migration ein wichtiger Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort sein kann[4]. Bislang fehlt es aber an kohärenten Strategien zur gesellschaftlichen Integration der Zugewanderten, seien es Binnenmigranten oder internationale Zuwanderer.

Auch das Asylsystem verlangt nach einer Reform. Bislang ist die Haltung gegenüber Asylsuchenden ambivalent: Einerseits sieht sich Südafrika internationalen Menschenrechtsabkommen verpflichtet, andererseits werden Flüchtlingen und Asylsuchenden diese Rechte nicht oder nur eingeschränkt gewährt.

Deutlich werden migrationspolitische Versäumnisse auch hinsichtlich zuverlässiger Datenerfassung über Wanderungsbewegungen in, aus und nach Südafrika. Fehlende, veraltete oder widersprüchliche Statistiken erschweren einen klaren Überblick über Entwicklungen in diesem Bereich[5].

Dieser Text ist Teil des Länderprofils Südafrika.

Fußnoten

1.
Pendleton et al. (2007).
2.
SADC (2014); Crush/Dodson (2007); Arnold (2012); Segatti (2011a).
3.
Crush (2008); Crush et al. (2005).
4.
Landau et al. (2011b).
5.
Die mangelhaften statistischen Grundlagen sind auch in Bezug auf dieses Länderprofil zu berücksichtigen. Nicht immer standen aktuellere Zahlen als die hier präsentierten zur Verfügung.

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