Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.9.2010 | Von:
Graeme Hugo

Hintergrundinformationen

Mit einer Bevölkerung, die fast zur Hälfte aus im Ausland Geborenen und deren Kindern besteht, gilt Australien als der Inbegriff eines Einwanderungslandes. Neben Kanada, den USA und Neuseeland ist Australien eines der traditionellen Einwanderungsländer mit einer über 200-jährigen Einwanderungspolitik und einer Bevölkerung, die Migration mehrheitlich als wirtschaftlichen und sozialen Zugewinn auffasst.

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Mit einer Bevölkerung, die fast zur Hälfte aus im Ausland Geborenen und deren Kindern besteht, gilt Australien als der Inbegriff eines Einwanderungslandes. Darüber hinaus hatten Mitte 2008 mehr als 800.000 Menschen einen befristeten Aufenthaltsstatus (dies entspricht 3,8% der Einwohner) und eine Million Australier lebten dauerhaft oder für einen längeren Zeitraum im Ausland.[1] Neben Kanada, den USA und Neuseeland ist Australien eines der traditionellen Einwanderungsländer mit einer über 200-jährigen Einwanderungspolitik und einer Bevölkerung, die Migration mehrheitlich als wirtschaftlichen und sozialen Zugewinn auffasst.

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Info

Hintergrundinformationen

Hauptstadt: Canberra
Sprache: Englisch
Fläche: 7 759 538,2 km²
Bevölkerungszahl (Dez. 2008): 21 644 000
Bevölkerungsdichte (Dez. 2008): 2,8 Einwohner pro km²
Bevölkerungswachstum (2008): 1,9%
Erwerbsquote (Aug. 2009): 63,5%
Anteil Einwanderer an der Gesamtbevölkerung (Juni 2008): 25,6%
Anteil Einwanderer an der Erwerbsbevölkerung (Febr. 2007): 24,9%
Arbeitslosenquote (Aug. 2009): 6,1%
Religionen (2006, Anteil in %): Katholiken 25,8, Protestanten 18,7, Andere Christen 19,4, Buddhisten 2,1, Muslime 1,7, Andere 2,3, Ohne Religionszugehörigkeit 18,7, Keine Angaben 11,2

Unmittelbar bevor die europäische Zuwanderung im späten 18. Jahrhundert einsetzte, betrug die Zahl der indigenen Bewohner schätzungsweise 300.000. Während die aktuelle Anzahl der Aborigines und Torres-Strait-Insulaner 2006 auf 517.043 geschätzt wurde, ist die Einwohnerzahl Ende 2008 insgesamt auf 21.644.000 angewachsen [2], was auf Einwanderung und die Fertilität der Einwanderer zurückzuführen ist.


Historische Entwicklung der Einwanderungspolitik

Bei eingehender Betrachtung der australischen Einwanderungsentwicklung erweist sich der Zweite Weltkrieg eindeutig als Wendepunkt. Die Ankunft der ersten europäischen Zuwanderer im Jahr 1788, die sich überwiegend aus Strafgefangenen zusammensetzten, markierte den Beginn einer über 100 Jahre dauernden Zeitspanne, in deren Verlauf die eigenständigen Kolonien New South Wales, Tasmania, Victoria, South Australia, Queensland und Western Australia jeweils ihre eigene Einwanderungspolitik betrieben. Die Einwanderung nahm zwar im Zeitraum bis zur Gründung des Australischen Bundes 1901 stetig zu, es kam jedoch im Zuge von Goldräuschen und massiver Verschiebungen der Siedlungsgrenzen auch immer wieder zu Einwanderungsspitzen. Die Zuwanderer kamen überwiegend aus England, obwohl auch ein größerer Zustrom von Chinesen in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts einsetzte, als der Abbau von Bodenschätzen seinen Höhepunkt erreichte. Mit der Bildung des Australischen Staatenbundes ging die Einwanderungspolitik auf die neue Bundesregierung über. Eines ihrer ersten Gesetze begründete die White-Australia-Politik, nach der Einwanderung auf Europäer hauptsächlich britischer Herkunft beschränkt wurde. Es gab jedoch beachtliche Einwanderungswellen aus Deutschland (in den 1840er und 1850er Jahren) und aus Italien (besonders im frühen 20. Jahrhundert). Der Einwanderungszustrom folgte dem wirtschaftlichen Auf und Ab, er stieg in den Hochkonjunkturzeiten der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts stark an, fiel während der großen Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre jäh ab und wies in manchen Jahren sogar eine Nettoabwanderung auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete die Einwanderung nach Australien einen neuen starken Zuwachs, der über die folgenden sechs Jahrzehnte mit Höhen und Tiefen im Zuge wirtschaftlicher Schwankungen und Richtungswechsel in der Einwanderungspolitik anhielt. Der Anstieg der Einwanderung macht jedoch nur einen Aspekt ihrer Transformation in der Nachkriegszeit aus.

Fußnoten

1.
Hugo (2006).
2.
ABS (2009).

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