Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.9.2010 | Von:
Graeme Hugo

Migrationsprogramme für Einwanderer

Gegenwärtig wird die Migration jährlich in Programmen festgelegt. Die Hauptzielgruppen australischer Migrationsprogramme sind in der Abbildung "Einwanderung und befristete Aufenthalte" dargestellt.

Einwanderung und befristete AufenthalteEinwanderung und befristete Aufenthalte Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)
Die Migrationsprogramme für befristeten und unbefristeten Aufenthalt werden streng unterschieden, obgleich ein Drittel der Einwanderer aus den Jahren 2007/2008 ursprünglich mit einem befristeten Visum ins Land gekommen waren.

Während die Migrations- und Einwanderungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg erheblichen Schwankungen unterlag, ist das aktuelle Programm straff und bürokratisch organisiert und in vier getrennte Zuwandererkategorien gegliedert:
  1. Qualifizierte Arbeitskräfte mit einem Beruf, bei dem es auf dem australischen Arbeitsmarkt zu Engpässen kommt;
  2. Familienangehörige von Einwanderern früherer Generationen;
  3. Flüchtlinge, die vom UN-Flüchtlingshilfswerk nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt wurden oder aus anderen humanitären Gründen aufgenommene Schutzbedürftige;
  4. Andere, mehrheitlich Neuseeländer, die mehr oder weniger unbeschränkt nach Australien einwandern können.
Jedes Jahr berät sich die Bundesregierung mit verschiedenen gesellschaftlichen Interessengruppen in Australien, um die Quoten für jede der vier Kategorien festzulegen.

Programm für Qualifizierte

Die Arbeitsmigration als Teil des Einwanderungsprogramms zielt auf Schlüsselqualifikationen, von denen die australische Wirtschaft profitieren kann. Nach einem Punktesystem werden potentiellen Arbeitsmigranten Punkte für Schul- und Berufsabschlüsse sowie Berufserfahrung, Alter, Englischkenntnisse und andere arbeitsmarktrelevante Fähigkeiten erteilt. Die Mindestpunktzahl wird festgelegt. Sie schwankt je nach der erreichten Punktzahl der Einwanderungswilligen im jeweiligen Jahr. Der Bereich der Qualifizierten innerhalb des Einwanderungsprogramms umfasst mehrere Visumskategorien und hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, da die Regierungen bestrebt sind, die Einwanderung als Beitrag zum Wirtschaftswachstum stärker in den Vordergrund zu rücken. Aktuell macht dieser Bereich 70% des Einwanderungsprogramms aus, was mehr als einer Verdopplung im Vergleich zu den frühen 90er Jahren gleichkommt. 2008/2009 war die Zahl von 190.000 sogar die höchste jemals erreichte Quote, die allerdings 2009/2010 durch die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise um 30.000 zurückging.

Punkte im Auswahlverfahren für qualifizierte Arbeitskräfte
KriterienMaximalpunkte
Qualifizierte Beschäftigung60
Alter30
Englische Sprachkenntnisse25
Spezifische Arbeitserfahrung10
Arbeitserfahrung in Australien10
Australische Qualifikationen25
Nachgefragte Beschäftigung (und konkretes Stellenangebot)20
Besondere Sprachkenntnisse5
Studieren und Leben in gering besiedelten Gebieten5
Qualifizierung des Partners5
Nominierung durch Bundesstaat/Territorium10
Finanzierung durch Verwandte in einem bestimmten Gebiet25
Gesamt (max.)230
Jedes Jahr wird ein Grenzwert für jede Visumskategorie festgesetzt, den jemand erreichen muss, um in den "Pool" von Einwanderungs-
kandidaten aufgenommen zu werden ("pool mark"). Entwicklungen des australischen Arbeitsmarktes führen zur Anpassung der beiden Grenzwerte.
Quelle: DIAC.

Regionale Migration

In den letzten Jahren wurden eine Reihe neuer Visumskategorien innerhalb des Plans zur gezielten Verteilung Qualifizierter in dünn besiedelten Regionen (State Specific and Regional Migration Scheme, SSRM) geschaffen, der seinerseits Bestandteil des Migrationsprogramms für Qualifizierte ist. Folglich sind SSRM-Zahlen als Untermengen der Kategorie Einwanderung Qualifizierter zu verstehen. Der SSRM weist Arbeitsmigranten bestimmte Gegenden zu – weit entfernt von den großen Metropolen der östlichen und südöstlichen Küstenregionen. Zweck des SSRM war es, Unternehmern, bundesstaatlichen und lokalen Regierungen sowie Familien in strukturschwachen Regionen die Möglichkeit zu geben, Migranten zu unterstützen, die die strengen Anforderungen der australischen Punktebewertung nicht vollständig erfüllen können.

Das Programm begann 1997/98, als 1.753 SSRM-Migranten in Australien eintrafen. Es gewann besonders seit 2003 zunehmend an Bedeutung, als Bundesstaaten wie Südaustralien beachtliche eigene Anwerbe- und Ansiedelungsaktivitäten entfalteten. In den Jahren 2007/2008 profitierten 26.162 Migranten von diesem Plan. Der SSRM bedeutet in zweifacher Hinsicht eine Abkehr von der früheren australischen Einwanderungspolitik [1]:
  • Die australischen Bundesstaaten und Territorien werden zunehmend in die Einwanderung und Anwerbung von Migranten eingebunden. Bis dahin lag dies fast ausschließlich im Verantwortungsbereich der nationalen Regierung.
  • Viele der SSRM-Migranten kommen für einen zeitlich befristeten Aufenthalt nach Australien. Wenn sie dann nach einem bestimmten Zeitraum (etwa 2 Jahre) unter Beweis gestellt haben, dass sie sich erfolgreich an den australischen Arbeitsmarkt und an die allgemeinen Lebensbedingungen in Australien angepasst haben, erhalten sie eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Familienzusammenführung

Das australische Familienzusammenführungsprogramm hat die Einwanderung enger Familienmitglieder wie Ehepartner, Kinder, Eltern und ausgewählter anderer Verwandter zum Ziel. Aufgrund eines Strategiewechsels der Regierung, das Einwanderungsprogramm an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes anzupassen, hat die Familienzusammenführung im Verhältnis zum Einwanderungsprogramm seit den frühen 1990er Jahren an Bedeutung verloren: Während Qualifizierte 1993/1994 23,7% der Einwanderer ausmachten, lag ihr Anteil 2008/2009 bei 62,1%. Folglich ist die Familienzusammenführung über die Jahre immer restriktiver gehandhabt worden. Beispielsweise wurde das Kontingent für Eltern verringert. Im Moment macht der Ehegattennachzug den Löwenanteil aus: Er liegt bei 80% der 49.870 Familienzusammenführungen für 2008/2009.

Fußnoten

1.
Hugo (2005a).

Kurzdossiers

Zuwanderung, Flucht und Asyl: Aktuelle Themen

Ein Kurzdossier legt komplexe Zusammenhänge aus den Bereichen Zuwanderung, Flucht und Asyl sowie Integration auf einfache und klare Art und Weise dar. Es bietet einen fundierten Einstieg in eine bestimmte Thematik, in dem es den Hintergrund näher beleuchtet und verschiedene Standpunkte wissenschaftlich und kritisch abwägt. Darüber hinaus enthält es Hinweise auf weiterführende Literatur und Internet-Verweise. Dies eröffnet die Möglichkeit, sich eingehender mit der Thematik zu befassen. Unsere Kurzdossiers erscheinen bis zu 6-mal jährlich.

Mehr lesen