Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.
1 | 2 Pfeil rechts

Eine zunehmend heterogene Gesellschaft


1.9.2010
Ohne die Migrationsentwicklung in der Nachkriegszeit würde Australiens Bevölkerung eher 12 Millionen als aktuell 22 Millionen betragen, aber die Auswirkungen der Migration auf die australische Bevölkerung gehen über das rein Rechnerische hinaus.

Vor einem halben Jahrhundert war Australiens Bevölkerung überwiegend englisch-irischen Ursprungs, hat sich aber seit dem 2. Weltkrieg zu einer der am stärksten multikulturell geprägten Gesellschaften gewandelt. Es ist schwierig, alle Dimensionen dieser Vielfalt zu erfassen, aber einige der Erkenntnisse aus der Volkszählung von 2006 sollen der Veranschaulichung dienen.
  • Um die 23,9% der Gesamtbevölkerung sind außerhalb der Grenzen Australiens geboren, 14,8% in Ländern, in denen Englisch nicht die Hauptsprache ist. Die Vergleichswerte für 1947 betrugen 9,8% und 2%.
  • Über ein Fünftel der im Ausland Geborenen (21,5%) sprechen zu Hause eine andere Sprache als Englisch.
  • 26,4% der in Australien geborenen Bevölkerung hat mindestens einen im Ausland geborenen Elternteil.
  • 2006 gab es 12 Geburtsländergruppen mit mehr als 100.000 in Australien lebenden Personen und 61 Geburtsländergruppen mit mehr als 10.000 Personen mit Wohnsitz in Australien.
Heterogene Einwanderung nach Region des letzten WohnortesHeterogene Einwanderung nach Region des letzten Wohnortes Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)
Die obere Abbildung verdeutlicht, wie vielfältig die Einwanderung nach Australien in der Nachkriegszeit geworden ist. Während Großbritannien in der Vorkriegszeit noch an erster Stelle stand, verstärkte sich der Zustrom vom europäischen Festland in den ersten Nachkriegsjahren. In den 1970er Jahren dann wurde die White-Australia-Politik, die seit den späten 1940er Jahren ganz allmählich ausgehöhlt worden war, endgültig begraben, und ein Flüchtlingszustrom aus dem indisch-chinesischen Raum nach 1975 läutete den Beginn einer anhaltenden Migration asiatischer Einwanderer nach Australien ein. In den folgenden drei Jahrzehnten dominierten abwechselnd verschiedene asiatische Volksgruppen die Einwanderung, wobei sich in den letzten Jahren China und Indien als Hauptherkunftsländer etablierten. Die Erweiterung des Flüchtlingsprogramms auf den afrikanischen Kontinent im letzten Jahrzehnt brachte zum ersten Mal auch eine beträchtliche Zahl von schwarzafrikanischen Migranten nach Australien und ergänzte somit die ethnische Vielfalt um ein weiteres Element. In der aus Ozeanien stammenden Bevölkerung überwiegen die Neuseeländer, deren Zuwanderung nach Australien nicht nur durch die freien Zugangsbedingungen des Transtasmanischen Abkommens erleichtert wird, sondern auch durch die zunehmende Verflechtung der australischen mit der neuseeländischen Wirtschaft.

Einwanderung nach GeburtslandEinwanderung nach Geburtsland Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)
Die untere Abbildung stellt die Verteilung der Herkunftsländer von kürzlich nach Australien eingereisten Zuwanderern dar. Demnach spielen zwar die traditionellen Herkunftsländer Großbritannien und Neuseeland weiterhin eine wichtige Rolle, dennoch ist aber eine große Bandbreite zu erkennen. Darüber hinaus wird die Bedeutung Asiens, vornehmlich Indiens und Chinas ersichtlich.

Staatsbürgerschaft und Einbürgerung



Australien hat Einwanderer ausdrücklich ermutigt, die australische Staatsbürgerschaft anzunehmen, wozu sie bis 2007 nach zweijährigem und danach nach vierjährigem Aufenthalt berechtigt sind. Von der im Ausland geborenen Bevölkerung haben etwas mehr als Dreiviertel die australische Staatsbürgerschaft angenommen, 1989 lag die Einbürgerungsquote noch bei einem Anteil von weniger als zwei Drittel. Die Einbürgerungsquoten schwanken je nach Geburtsland und sind bei Migranten aus Griechenland, Ungarn, Libanon, Ägypten, Vietnam, Bosnien-Herzegowina und Kroatien besonders hoch, bei Einwanderern aus Großbritannien und Neuseeland besonders niedrig. Zu den anderen Nationalitäten mit einer großen Zahl von Einbürgerungsberechtigten, die die australische Staatsbürgerschaft nicht angenommen haben, gehören Italien, Malaysia, Indien und die Volksrepublik China. [1]

Das Gesetz zur australischen Staatsbürgerschaft von 1948 legte fest, dass diejenigen, die in Australien geboren sind und eine andere Nationalität annehmen, ihre australische Staatsbürgerschaft verlieren. Mit zunehmender australischer Emigration wuchs die Opposition gegen dieses Gesetz und gipfelte 2001 in einer Anfrage des Senats und der nachfolgenden Gesetzesänderung 2002, die Australiern die doppelte Staatsbürgerschaft einräumte.


Fußnoten

1.
DIAC (2009a: 12).