Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

7.5.2012

Deutschland: Fast jede dritte Familie mit Migrationshintergrund

Der Anteil der Familien in Deutschland mit Migrationshintergrund ist in den letzten Jahren leicht angestiegen. Migrantenfamilien leben überwiegend in großen Städten, haben ein geringeres Einkommen und mehr Kinder als Familien ohne Zuwanderungsgeschichte. Insgesamt ist ein leichter Trend zu einer Annäherung der Lebensverhältnisse zu beobachten.

Als Familien zählen in einem Haushalt zusammenlebende Eltern-Kind-Gemeinschaften mit minderjährigen Kindern. Von Migrantenfamilien spricht man, wenn mindestens ein Elternteil eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt, die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung erhielt oder Spätaussiedler ist (vgl. MuB 7/08). Unerheblich ist dabei, ob diese Person zugewandert ist oder in Deutschland geboren wurde (vgl. MuB 10/08, MuB 5/07, 5/06). Im Jahr 2010 lebten insgesamt rund 8,12 Mio. Familien in der Bundesrepublik (2005: 8,90 Mio., -9 %). Davon hatten 2,33 Mio. bzw. 28,8 % einen Migrationshintergrund (2005: 2,38 Mio., 26,8 %). Der Anteil der Migrantenfamilien ist in den letzten fünf Jahren also leicht angestiegen. Dies geht aus Zahlen des Mikrozensus für 2010 hervor, die das Statistische Bundesamt Mitte März veröffentlichte.

Herkunftsländer

21 % aller Migrantenfamilien hatten einen türkischen Hintergrund. Familien aus der ehemaligen Sowjetunion bildeten mit 16 % die zweitgrößte Gruppe. Es folgten Familien aus Ex-Jugoslawien (9 %) sowie aus Portugal, Spanien, Italien und Griechenland (je 8 %).

Regionale Konzentration

Migrantenfamilien leben überwiegend in den alten Bundesländern. Am höchsten war ihr Anteil in den Stadtstaaten Bremen (44,3 %) und Hamburg (41,8 %). Fast jede zweite Familie lebte 2010 in Großstädten mit über 500.000 Einwohnern (42,6 %).

Kinderzahl

Migrantenfamilien haben häufiger drei und mehr Kinder (15 %) als Familien ohne Migrationshintergrund (9 %). In 37,6 % aller Migrantenfamilien und 36,1 % der übrigen Familien lebten zwei Kinder. Die Ein-Kind-Familie war unter Migranten- wie Nicht-Migranten-Familien die am weitesten verbreitete Familienform (47,5 % bzw. 54,9 %).

Familienform

Etwa vier Fünftel der Migranten lebten 2010 in einer Ehe (80,4 %; 2005: 83 %). Bei Nicht-Migranten waren dies gut zwei Drittel (68,6 %; 2005: 71,7 %). Alleinerziehend waren 14,2 % (2005: 12,2 %) aller Migrantenmütter und -väter im Vergleich zu 21,5 % unter den Alleinerziehenden ohne Zuwanderungsgeschichte (2005: 19,5 %). Auch hier sind auf unterschiedlichen Niveaus ähnliche Trends in beiden Gruppen zu erkennen: Der Anteil der ehelichen Familien geht zurück, der Anteil der Alleinerziehenden nimmt zu.

Erwerbsbeteiligung

Erwerbsbeteiligung der Familien
Die insgesamt traditionelleren Rollenvorstellungen spiegeln sich auch bei der Beteiligung auf dem Arbeitsmarkt wider. Während bei 58,6 % der Familien ohne Migrationshintergrund beide Elternteile aktiv erwerbstätig waren, traf dies lediglich auf 38,7 % der Migrantenfamilien zu. Bei 40,4 % der Migrantenfamilien ging ausschließlich der Vater einer Erwerbsarbeit nach. Bei Familien ohne Zuwanderungsgeschichte war dies bei 28,4 % der Fall (siehe Tabelle).

Einkommen

Die geringere Erwerbsbeteiligung der Frauen trägt auch dazu bei, dass Migrantenfamilien häufiger ein niedrigeres Familiennettoeinkommen haben. Fast zwei Drittel (61,8 %; 2005: 73,8 %) mussten mit weniger als 2.600 Euro netto im Monat auskommen (ohne Migrationshintergrund 43,7 %; 2005: 55,1 %). Migrantenfamilien sind zudem häufiger auf staatliche Transferzahlungen zur Finanzierung des Lebensunterhalts angewiesen. Für 17,2 % der Familien mit Migrationshintergrund stellten staatliche Transferzahlungen die Haupteinkommensquelle dar (2005: 19,3 %). Bei Familien ohne Migrationshintergrund lag dieser Anteil bei 8,2 % (2005: 9 %). Jedoch ist die eigene Erwerbstätigkeit sowohl bei Migrantenfamilien (78,5 %; 2005: 76,1 %) als auch bei Familien ohne Zuwanderungsgeschichte die Haupteinnahmequelle (87,5 %; 2005: 86,2 %).

Weitere Informationen

www.destatis.de