Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

3.8.2012

Kurzmeldungen – Deutschland

Zahl der Geburten sinkt weiter

Die Zahl der Geburten in Deutschland ist 2011 auf einen neuen Tiefstand gefallen. Wie das Statistische Bundesamt Anfang Juli bekannt gab, kamen im vergangenen Jahr 662.712 Kinder zur Welt, rund 15.000 weniger (–2,2 %) als 2010 (677.947 Lebendgeburten; 2009: 665.126). Damit setzt sich der Trend sinkender Geburtenzahlen fort. Gegenüber dem Rekordjahr 1964 (1.357.304) ist die Zahl der Geburten somit um mehr als die Hälfte gesunken. Auch das im Januar 2007 eingeführte Elterngeld hat an dem Trend bislang nichts geändert. Die Zahl der Sterbefälle sank vergangenes Jahr um 0,7 % auf 852.359 (2010: 858.768). Damit wurden 2011 etwa 189.000 Kinder weniger geboren als Menschen verstarben. Die Bevölkerung in Deutschland wuchs dennoch leicht auf 81,8 Mio. an, weil es einen Wanderungsüberschuss von 279.207 Personen gab (vgl. MuB 5/12).
www.destatis.de

Mehr Einbürgerungen

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 106.900 Ausländer eingebürgert worden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von Anfang Juli stieg die Zahl der Einbürgerungen im Vergleich zu 2010 somit um 5,2 % (101.570). Ehemalige Türken stellten mit 26 %, wie in den Vorjahren, den größten Anteil. Danach kamen ehemalige Bürger Serbiens, Montenegros und des Kosovo (6 %), des Irak und Polens (jeweils 4 %). Die meisten Einbürgerungen erfolgten bei Personen mit einem mindestens achtjährigen Aufenthalt (74 %). Bei 10,1 % der Fälle handelte es sich um Miteinbürgerungen in Deutschland lebender Ehepartner und minderjähriger Kinder, in 6,5 % der Fälle um Ausländer mit einem deutschen Ehe- oder Lebenspartner. Nach Einführung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 waren die Einbürgerungszahlen zunächst gesunken (2000: 186.700; 2008: 94.500). Seit 2009 gibt es einen leichten Aufwärtstrend (vgl. MuB 6/11, 6/10).
www.destatis.de

Positiver Beitrag von Zuwanderern

Zuwanderer haben in den vergangenen Jahren einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlstand und gegen den Fachkräftemangel geleistet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Anfang Juli veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Insgesamt sind im Zeitraum 1999 bis 2009 185.000 Akademiker in den Engpassbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sowie 42.000 Mediziner nach Deutschland eingewandert und geblieben. Ein gutes Viertel der Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter hat einen Hochschulabschluss (Bevölkerung Deutschlands insgesamt: 18 %). Die Integration der Neuzuwanderer in den Arbeitsmarkt hat sich deutlich verbessert, der Anteil der hochspezialisierten Fach- und Führungskräfte unter den Neuzuwanderern stieg von 12 % im Jahr 2000 auf 21 % im Jahr 2009. Mindestens 88.000 bzw. 48 % der MINT-Einwanderer und 22.000 bzw. 52 % der Mediziner hatten zuletzt einen ihrer Qualifikation entsprechenden Job. Den Wertschöpfungsbeitrag der seit 1999 Zugewanderten schätzt die Studie auf mindestens 13 Mrd. Euro pro Jahr.
www.iwkoeln.de

Kindergeld für Saisonarbeiter

Arbeitnehmer aus EU-Mitgliedstaaten, die saisonbedingt oder für eine begrenzte Zeit in Deutschland arbeiten und in diesem Zeitraum Einkommensteuer zahlen, haben Anspruch auf deutsches Kindergeld. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Urteil vom 12. Juni 2012 (Rechtssachen C-611/10 und C-612/10). Geklagt hatten zwei Polen, die für den Zeitraum ihrer Tätigkeit in Nordrhein-Westfalen Kindergeld beantragt hatten. Ihre Anträge waren von den deutschen Behörden mit der Begründung abgelehnt worden, dass das polnische Sozialversicherungsrecht angewendet werde und nicht das deutsche. Der EuGH entschied nun, dass die deutsche Regelung EU-Arbeitnehmer in ihrer Freizü-gigkeit benachteilige. Außerdem dürfe der deutsche Gesetzgeber Familienleistungen nicht kategorisch verweigern, auch dann nicht, wenn Saisonarbeiter bereits in einem anderen EU-Land vergleichbare Leistungen in Anspruch nehmen. Eine Verrechnung mit Leistungen aus dem anderen EU-Staat sei jedoch erlaubt.
http://curia.europa.eu