30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

3.8.2012

Industriestaaten: Leichter Anstieg bei Einwanderung

Nachdem wegen der Wirtschaftskrise über mehrere Jahre ein Rückgang der Zuwanderung in die Industriestaaten zu verzeichnen war, ist seit 2011 wieder ein Anstieg zu beobachten. In Deutschland war dieser besonders hoch. Dies geht aus dem OECD-Migrationsausblick 2012 hervor, der Ende Juni veröffentlicht wurde.

Der jährlich erscheinende Migrationsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beschreibt die aktuellen Muster und Trends internationaler Wanderungsbewegungen (vgl. MuB 7/11, 8/08). Der Schwerpunkt des diesjährigen Reports liegt auf den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf Migrationsprozesse. Zudem werden die Rolle der Zuwanderung angesichts alternder Erwerbsbevölkerungen in den Industriestaaten sowie die wachsende Bedeutung der internationalen Migration aus Asien beleuchtet.

Wanderungsdaten

Dem Migrationsausblick zufolge wanderten im Jahr 2010 insgesamt rund 4,11 Millionen Menschen in die 23 OECD-Staaten und Russland ein. Dies entspricht einem Rückgang von -3 % gegenüber dem Vorjahr (2009: 4,24 Mio.), sodass die Zuwanderung in die OECD-Staaten seit 2008 zum dritten Mal in Folge gesunken ist. Etwa drei Viertel des Rückgangs geht auf die sinkende Zuwanderung in die Krisenstaaten der Eurozone zurück. In Irland sank die Zuwanderung innerhalb eines Jahres um 55 %, in Griechenland um 31 %, in Portugal um 17 % und in Spanien um 10 %. Vorläufigen Daten zufolge stieg 2011 hingegen in den meisten europäischen OECD-Staaten die Zuwanderung wieder an. Ausnahme ist hier v. a. Italien, wo die Zuwanderung zwischen Januar und September 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 % gesunken ist. Auch in Spanien (-3 %) sowie Schweden (-2 %) waren weitere Rückgänge zu verzeichnen. Außerhalb Europas war der Rückgang der Zuwanderung in Kanada besonders stark (-15 %).

Wirtschaftskrise

Die OECD führt den Rückgang auf zwei Faktoren zurück. Zum einen ist die Nachfrage nach Arbeitskräften angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise v. a. in den Krisenstaaten gesunken, zum anderen haben diese Staaten restriktive Maßnahmen zur Senkung der Zuwanderung eingeführt. Einige Staaten, darunter Spanien, schränkten die Personenfreizügigkeit für Staatsbürger Bulgariens und Rumäniens ein (vgl. MuB 1/12, 7/11). Laut Migrationsausblick sanken die internationalen Wanderungsbewegungen aufgrund dieser Beschränkungen zwischen 2007 und 2010 um etwa 470.000 Personen.

Der Rückgang der Nachfrage auf den Arbeitsmärkten drückte sich auch in einem Rückgang der Arbeitsmigration aus (2007:880.000, 2010: 780.000).

Auf den Arbeitsmärkten waren Migranten besonders stark von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise betroffen. So ist die Arbeitslosenquote der im Ausland geborenen Personen zwischen 2008 und 2011 um 4 % gestiegen, während bei im Inland Geborenen ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 2,5 % zu verzeichnen war. Beim Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit entfielen in den meisten OECD-Staaten 14 bis 30 % der Zunahme auf Migranten. Besonders stark betroffen waren geringqualifizierte sowie junge Migranten. Frauen waren vom Anstieg der Arbeitslosigkeit weniger betroffen als Männer, weil viele Frauen auf dem Arbeitsmarkt aktiv wurden, um die Einkommensverluste ihrer Ehepartner auszugleichen. Zudem arbeiten deutlich weniger Migrantinnen in den besonders von der Krise betroffenen Branchen der Bauwirtschaft (4 %) oder der verarbeitenden Industrie (10 %).

Asien

Der Migrationsausblick hebt hervor, dass die Rolle der internationalen Wanderung aus Asien an Bedeutung gewinnt. Mitte der 2000er Jahre waren 17 % aller Einwanderer in OECD-Staaten im Alter von über 15 Jahren aus Asien. Dieser Anteil stieg 2010 auf bereits 30 % aller Zugewanderten. Chinesen stellen inzwischen jeden zehnten Migranten in OECD-Ländern, Inder jeden zwanzigsten. Etwa 40 % der Migranten aus Asien sind hochqualifiziert. Dem Migrationsausblick zufolge wird Asien auch in Zukunft eine wichtige Herkunftsregion für hochqualifizierte Arbeitskräfte bleiben. Zugleich werden die asiatischen Regierungen aber versuchen, die Abwanderung von Fachkräften zu verhindern.

Deutschland

Im Gegensatz zum allgemeinen Trend in den OECD-Staaten stieg die Zuwanderung nach Deutschland in den vergangenen beiden Jahren an. Von 2009 auf 2010 erhöhte sich die Zahl der dauerhaften Migration nach Deutschland um 10 % auf 222.400 Menschen (2009: 201.400). Auch in 2011 hielt dieser Trend an. Neben polnischen, rumänischen und bulgarischen Staatsbürgern kommen seit 2011 auch vermehrt Zuwanderer aus Griechenland (23.779) und Spanien (20.672) nach Deutschland (vgl. MuB 5/12, 3/12, 1/12). Die Gesamtzahl der Zuwanderung war jedoch niedriger als in anderen EU-Staaten. Nach Großbritannien wan-derten 2010 ca. 414.000 Menschen dauerhaft ein, nach Italien 332.000 und nach Spanien 300.000.

Zudem weisen Indikatoren auf eine bessere Arbeitsmarktintegration von Migranten in Deutschland hin. Deren Beschäftigungsquote stieg von 2008 bis 2011 um 4 % auf 66,5 %. OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría wies bei der Vorstellung des Berichts darauf hin, dass dennoch Engpässe auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu erwarten seien: "Wenn die Einwanderung auf dem gegenwärtigen Niveau bleibt, wird sie 2015 nicht mehr ausreichen, um das Arbeitskräftepotential zu decken“, so Gurría. Dies gelte auch für die anderen EU-Staaten.

Weitere Informationen