Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

16.10.2012 | Von:
Fatma Rebeggiani

Deutschland: Mehr Menschen mit Migrationshintergrund

Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes verändert sich die Struktur der Bevölkerung in Deutschland weiter. Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist auf knapp 16 Millionen angewachsen. Die Lebenserwartung ist gestiegen und die durchschnittliche Kinderzahl je Frau leicht gesunken.

Migrationshintergrund

Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ist im Jahr 2011 weiter angestiegen (vgl. Ausgabe 8/11, 7/10, 5/06). Im September veröffentlichte Daten des Mikrozensus zeigen im Vorjahresvergleich einen Anstieg um 216.000 (+1,4 %) auf nun 15,96 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt somit 19,5 %. Die Mehrheit unter ihnen (8,8 Mio.) sind deutsche Staatsbürger, 7,2 Mio. sind Ausländer.

Von den Menschen mit Migrationshintergrund sind zwei Drittel (10,7 Mio.) selbst zugewandert, während ein Drittel in Deutschland geboren ist (5,3 Mio.) und über keine eigene Migrationserfahrung verfügt. Den stärksten Anstieg verzeichnete die Gruppe der hier geborenen Deutschen mit Migrationshintergrund auf 3,8 Mio. (+4,8 %), wohingegen die Zahl der hier geborenen Ausländer rückläufig ist und 1,5 Mio. beträgt (-3,4 %). Größer wurde im vergangenen Jahr auch die Gruppe der zugewanderten Ausländer (5,6 Mio., +1,7 %; vgl. Ausgabe 5/12, 3/12, 1/12).

Die Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund ist vergleichsweise jung. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 35,2 gegenüber 44 Jahren für die Gesamtbevölkerung. Bei den unter Fünfjährigen stellen sie mittlerweile 34,9 % der Bevölkerung. Personen mit Migrationshintergrund leben zudem häufiger in Familien zusammen (65,6 % gegenüber 48,7 % der Gesamtbevölkerung, vgl. Ausgabe 4/12).

Mit 15,4 Mio. lebt der weit überwiegende Teil der Migrationsbevölkerung im früheren Bundesgebiet und Berlin (96,3 %). Besonders hohe Anteile an der Bevölkerung gibt es in Großstädten, etwa in Stuttgart (29,5 %, Regierungsbezirk), Bremen (28,1 %), Hamburg (26,9 %), Köln (25,2 %, Regierungsbezirk) und Berlin (24,8 %).

Unter allen in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund stammt die größte Gruppe aus der Türkei (ca. 3,0 Mio.), gefolgt von Polen (1,5 Mio.), der Russischen Föderation (1,2 Mio.), Kasachstan (0,9 Mio.) und Italien (0,8 Mio.).

Alterung

Die in Deutschland lebende Bevölkerung wird nicht nur vielfältiger, sondern auch immer älter. Das Statistische Bundesamt gab Anfang Oktober bekannt, dass die Lebenserwartung von neugeborenen Jungen 77 Jahre und 9 Monate und von neugeborenen Mädchen 82 Jahre und 9 Monate beträgt. Diese Werte beziehen sich auf die sogenannte Periodensterbetafel 2009/2011, welche die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse ausdrückt. Im Vergleich zu 2008/2010 bedeuten die neuen Daten einen Anstieg der Lebenserwartung für Jungen um 3 Monate und für Mädchen um 2 Monate.

Fertilität

Die Zahl der Geburten ist im Jahr 2011 insgesamt rückläufig (vgl. Ausgabe 7/12). Wie das Statistische Bundesamt Ende September mitteilte, ist die durchschnittliche Anzahl von Kindern je Frau im Jahr 2011 auf 1,36 Kinder gesunken und liegt damit – nach 1,39 im Jahr 2010 – in etwa auf dem Niveau von 2009. Die durchschnittliche Geburtenzahl ging dabei für jüngere Frauen zurück, während sie für Frauen im Alter von Mitte 30 bis Mitte 40 anstieg.

Eine im September veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) gibt im Hinblick auf den viel diskutierten Geburtenrückgang bei Akademikerinnen jedoch Entwarnung. Dieser ist nach neuesten Berechnungen gestoppt. Die Ergebnisse beruhen auf einer neuen Berechnungsmethode (sogenannter Indikator CFR34+). Hierbei werden sowohl die Zahl der Kinder, die Frauen eines bestimmten Altersjahrgangs insgesamt im Lebensverlauf bekommen (Kohortenfertilität) als auch die aktuelle zusammengefasste Geburtenziffer berücksichtigt. Nach Berechnungen des BiB wird demnach eine im Jahr 2011 34-jährige Akademikerin in Westdeutschland im Verlauf ihres Lebens statistisch 1,34 Kinder bekommen. Zwar liegt dieser Wert etwas unter dem der beiden Vorjahre (1,39), doch für 2005 lag er noch bei 1,24 Kindern. Im Vergleich dazu bekommen Akademikerinnen in Ostdeutschland deutlich mehr Kinder: 1,61 beträgt für diese Gruppe die CFR34+ für 2011.

Der neue Indikator ermöglicht unter anderem, Verlagerungen von Geburten auf spätere Lebensabschnitte abzubilden. Dieser Trend lässt sich insgesamt für alle Frauen beobachten und zeigt sich z. B. im Anstieg des durchschnittlichen Alters von Frauen bei der ersten Geburt von 24,9 Jahren im Jahre 1965 auf knapp 29 Jahre in 2010. Akademikerinnen aber verschieben die Familiengründung in besonderem Maße auf spätere Lebensabschnitte: So wurden in Westdeutschland im Jahr 2011 38 % der Kinder von Akademikerinnen nach dem 35. Geburtstag geboren, bei Nichtakademikerinnen waren es nur 16 %.

Weitere Informationen: