Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

28.1.2013 | Von:
Fatma Rebeggiani

Deutschland: Lohnentwicklung von Ausländern

Wenn Ausländer erstmals auf dem deutschen Arbeitsmarkt tätig werden, verdienen sie meist deutlich weniger als Deutsche. Die Lohnunterschiede werden aber im Laufe der Zeit geringer. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Herkunftsgruppen.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat Anfang Januar eine Studie veröffentlicht, in der die Lohnentwicklung von ausländischen und deutschen Arbeitnehmern verglichen wurde. Aus methodischen Gründen wurden nur Männer in Vollzeitbeschäftigung in die Untersuchung einbezogen.

Der Lohnunterschied zwischen deutschen und ausländischen Vollzeitbeschäftigten hat sich im Zeitraum 2000 bis 2008 deutlich verringert, ist aber noch weit von einer Angleichung entfernt. Laut der Studie verdienten Ausländer, die im Jahr 2000 neu in den deutschen Arbeitsmarkt eintraten, 64 % des Durchschnittslohns deutscher Arbeitnehmer. Acht Jahre später erreichten sie 72 %. Für den weiterhin merklichen Unterschied in den Lohnniveaus nennen die Forscher als mögliche Gründe die Qualifikation, das Alter, die Berufserfahrung und die Sprachkenntnisse der betrachteten Ausländergruppe – alles Faktoren, die im Durchschnitt negativ wirkten. Dass sich die Entwicklung der Löhne stark nach dem jeweiligen Herkunftsland unterscheidet, ist vor allem auf die unterschiedliche Zusammensetzung der Arbeitnehmergruppen zurückzuführen.

Lohnangleichung

Bei Ausländern, die im Durchschnitt auf einem eher geringen Lohnniveau in den Arbeitsmarkt eintraten, verlief auch die Lohnentwicklung flacher. Dies gilt z. B. für Türken, Portugiesen oder Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Ihr Lohnniveau betrug im Jahr 2000 zwischen 54 % und 59 % des deutschen Durchschnittslohns und stieg im Beobachtungszeitraum lediglich auf 61 % bis 64 % der Vergleichslöhne (siehe Infografik).

Einige Nationalitäten wie beispielsweise Franzosen, Spanier oder Tschechen verdienten bereits beim Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt relativ viel (87 %, 80 % bzw. 71 % des deutschen Durchschnittseinkommens). Ihre Löhne stiegen auch überdurchschnittlich stark.

Österreicher, Niederländer oder Briten stiegen bereits mit einem überdurchschnittlichen Lohnniveau ein und steigerten dieses sogar noch. Das liegt daran, dass es sich bei diesen Arbeitnehmern in der Regel um hochqualifizierte Zuwanderer handelt, die ein besonders hohes Einkommen aufweisen.

Faktoren der Lohnanpassung

Die Autoren der Studie identifizieren verschiedene Faktoren, welche die Entwicklung der Löhne von Ausländern bestimmen und die sich auch nach Herkunftsgruppen unterscheiden. Zum einen spielen Alters- und Trendeffekte eine Rolle. Denn die betrachteten Ausländergruppen sind tendenziell jünger und in jungen Jahren werden stärkere Lohnsteigerungen realisiert als in späteren Karrierejahren.

Lohnlücke zwischen Ausländern und DeutschenLohnlücke zwischen Ausländern und Deutschen (© Deniz Keskin, www.denizkeskin.nl)
Zum anderen spielt der sogenannte Kompositionseffekt eine große Rolle, also die jeweilige Gruppenzusammensetzung und ihre Veränderung im Zeitablauf. Verlassen zum Beispiel vergleichsweise weniger erfolgreiche Migranten einer Herkunftsgruppe den deutschen Arbeitsmarkt wieder – etwa durch Rückkehr ins Heimatland oder durch Weiterwanderung in ein anderes Land – und bleiben nur die erfolgreichen Personen, so nimmt das durchschnittliche Lohnniveau dieser Gruppe zu, ohne dass sich die individuellen Verhältnisse der in Deutschland arbeitenden Ausländer verändert haben. Diese Effekte erklären einen Großteil der positiven Lohnentwicklung bei Franzosen, Tschechen und Bulgaren sowie bei Arbeitnehmern aus Ungarn. Der Kompositionseffekt kann aber auch negativ sein: Von indischen Arbeitnehmern haben die eher besser verdienenden den deutschen Arbeitsmarkt wieder verlassen. Der Kompositionseffekt wirkt hier also negativ auf die Lohnentwicklung, die insgesamt stagniert.

Bei Ausländergruppen, die bereits lange in Deutschland leben und die eine eher geringe Rückwanderungsneigung aufweisen, findet nur wenig Veränderung in der Zusammensetzung statt. Daher lässt sich ihre Lohnentwicklung kaum bis gar nicht auf die Zusammensetzung der Gruppe zurückführen. Dies gilt für Ausländer aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, Italien, Griechenland und Portugal. Ihre Lohnentwicklung wird durch sogenannte "beobachtbare Merkmale", also arbeitsmarktrelevante Veränderungen auf der individuellen Ebene beeinflusst. Diese Arbeitnehmer erzielten ihre Lohnsteigerungen in den Jahren 2000 bis 2008 eher über die längere Betriebszugehörigkeit, über einen Wechsel in besser bezahlte Berufe und Branchen sowie über stabilere Beschäftigungsverhältnisse.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine rein deskriptive Beschreibung von Lohnunterschieden zwischen Ausländern und Deutschen wenig aussagt. Es muss vielmehr nach Herkunftsgruppen unterschieden werden, um der Heterogenität der in Deutschland lebenden Ausländer und ihrer Karrieren auf dem Arbeitsmarkt gerecht zu werden.

Weitere Informationen:

http://doku.iab.de/kurzber/2013/kb0113.pdf

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Autor: Fatma Rebeggiani für bpb.de
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