Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Deutschland: Zuwanderung 2012 deutlich gestiegen

17.6.2013
Im Jahr 2012 zogen 1.081.000 Personen nach Deutschland. Das bedeutet einen Wanderungszuwachs von 13 % im Vergleich zum Vorjahr und die höchste Zuwandererzahl seit 1995. Dies ist das Ergebnis der vorläufigen Wanderungsstatistik, die das Statistische Bundesamt im Mai veröffentlichte. Demnach verließen im vergangenen Jahr 712.000 Menschen die Bundesrepublik, woraus sich ein Wanderungsüberschuss von 369.000 Personen ergibt.

Zuwanderung 2012



Im Jahr 2012 zogen 1.081.000 Personen nach Deutschland. Das bedeutet einen Wanderungszuwachs von 13 % im Vergleich zum Vorjahr und die höchste Zuwandererzahl seit 1995. Dies ist das Ergebnis der vorläufigen Wanderungsstatistik, die das Statistische Bundesamt im Mai veröffentlichte. Demnach verließen im vergangenen Jahr 712.000 Menschen die Bundesrepublik, woraus sich ein Wanderungsüberschuss von 369.000 Personen ergibt.

Ein Hauptgrund dieser Entwicklung ist die anhaltende Finanzkrise im Euroraum: So wuchs die Zahl der Menschen, die aus Spanien, Portugal, Italien und Griechenland nach Deutschland zogen, um jeweils 40 bis 45 % im Vergleich zu 2011. Daneben kamen auch deutlich mehr Zuwanderer aus mittel- und osteuropäischen EU-Staaten wie Polen, Slowenien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien (vgl. Ausgabe 10/12).

Die meisten Zuwanderer kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes unverändert aus Polen und Rumänien (184.000 bzw. 117.000 Personen). Beide sind gleichzeitig die häufigsten Zielländer derjenigen Menschen, die Deutschland im vergangenen Jahr verließen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) äußerte sich positiv über die gestiegenen Zuwanderungszahlen. Zuwanderung sei ein Gewinn für Deutschland, da sich durch den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte der wachsende Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft ausgleichen ließe. Rösler plädierte deshalb dafür, weitere Anreize für gut ausgebildete Zuwanderer zu schaffen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) äußerte hingegen in den vergangenen Wochen immer wieder Bedenken angesichts sogenannter "Armutszuwanderer" aus Bulgarien und Rumänien (vgl. Ausgaben 3/13, 2/13). Er warnte in diesem Zusammenhang vor einem Missbrauch der Sozialleistungen und forderte in einem gemeinsamen Schreiben mit seinen österreichischen, niederländischen und britischen Amtskollegen von der EU ein schärferes Vorgehen gegen Sozialbetrüger. An einem deutschen Veto war bereits im März die Aufnahme Rumäniens und Bulgariens in den Schengen-Raum gescheitert.

Asylanträge 2012



Der Anstieg der Zuwanderungszahlen ist ebenso, wenn auch nur zu einem kleinen Teil, auf eine Zunahme der Zahl der Asylbewerber zurückzuführen, die ebenfalls in die Wanderungsstatistik einfließt. Rund 65.000 Menschen beantragten 2012 nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge die Anerkennung als Flüchtling, was einen Anstieg von 41 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet (vgl. Ausgabe 1/13). Hauptherkunftsländer der Antragsteller waren neben Krisengebieten wie Irak, Afghanistan und Syrien insbesondere Russland sowie Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina. Besonders groß war mit rund 130 % der Anstieg der Asylbewerberzahlen aus dem ehemaligen Jugoslawiengegenüber 2011 (vgl. Ausgabe 9/12). Bei diesen handelte es sich laut Angaben des Bundesinnenministeriums überwiegend um Roma, bei denen jedoch in keinem Fall eine asylrelevante Verfolgung im jeweiligen Herkunftsland feststellbar gewesen sei. Das aus diesem Grund neu eingeführte beschleunigte Prüfverfahren für Antragsteller aus den westlichen Balkanländern bremste den Anstieg der Antragszahlen aus dieser Region noch vor Jahresende. Bundesinnenminister Friedrich begründete das neue Verfahren damit, dass dieses dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ermögliche, "die Asylanträge der Asylbewerber, die aus den Krisengebieten dieser Welt zu uns flüchten, wieder verstärkt zu bearbeiten. Wir werden auch künftig entschlossen gegen den Missbrauch unseres Asylsystems vorgehen."

Insgesamt wurden von den 65.000 Antragstellern rund 8.800 als Flüchtlinge anerkannt, insbesondere Personen aus Kriegs- und Krisengebieten wie Afghanistan, Irak, Iran und Syrien sowie aus Russland. Daneben wurde in rund 8.400 Fällen ein Abschiebeverbot erlassen.

Arbeitsgenehmigung für Asylbewerber entfällt

Ab dem 1. Juli dürfen Asylbewerber, deren Abschiebung ausgesetzt wurde, nach vier Jahren eine Arbeit annehmen, ohne dafür die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit einzuholen. Auch für die Aufnahme einer Berufsausbildung, die bereits nach einem Jahr möglich ist, entfällt laut Beschluss der Bundesregierung vom 29. Mai die derzeit noch erforderliche behördliche Genehmigung.


Asylanträge 2013



Aktuelle Erhebungen des Bundesamtes zeigen, dass die Zahl der Asylbewerber zu Beginn des Jahres 2013 abermals gestiegen ist. So gingen in den ersten vier Monaten rund 30.000 Anträge ein (62 % mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres). Während sich der deutliche Anstieg der Asylbewerberzahlen aus Syrien (+ 258 %) durch den anhaltenden Bürgerkrieg erklärt, überrascht, dass Russland mit über 5.000 Anträgen (+ 727 %) derzeit das wichtigste Herkunftsland von Asylsuchenden ist. Diese stammen fast ausschließlich aus Tschetschenien und weiteren Nordkaukasus-Republiken. Mögliche Gründe für diese Entwicklung sieht das Bundesamt in der nach wie vor instabilen Lage in Tschetschenien (Menschenrechtsverletzungen und Repressionen durch die Behörden) sowie in der Islamisierung der tschetschenischen Gesellschaft und der Armut der Menschen. Viele russische Staatsbürger stellten laut Bundesamt zunächst einen Asylantrag in Polen, zögen dann aber weiter nach Deutschland. Grund dafür seien die höheren Asylbewerberleistungen hierzulande.

Weitere Informationen


www.destatis.de
www.bmi.bund.de
www.bamf.de

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