Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Syrien: Über eine Million Kinder auf der Flucht


12.12.2013
1,1 Millionen Kinder sind aufgrund des Krieges in Syrien in die unmittelbaren Nachbarländer geflohen. Ein Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks zeigt, dass viele der minderjährigen syrischen Flüchtlinge von ihren Familienangehörigen getrennt leben müssen, keinen Zugang zu Schulbildung haben und oft in Kinderarbeitsverhältnissen ausgebeutet werden.

Die am 24. November veröffentlichte Studie "Gestohlene Zukunft" der Londoner Nichtregierungsorganisation Oxford Research Group belegt, dass fast jedes zehnte Todesopfer im syrischen Bürgerkrieg unter 18 Jahre alt ist. Demnach kamen bis Ende August mehr als 11.400 Minderjährige in Syrien ums Leben.

Aufgrund der ständigen Lebensgefahr sind zahlreiche Kinder ins angrenzende Ausland geflohen. Der am 29. November vorgestellten Studie "Die Zukunft Syriens – Flüchtlingskinder in der Krise" des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zufolge befinden sich 1,1 Mio. syrische Minderjährige außerhalb der Landesgrenzen. Dies entspricht etwa der Hälfte der 2,2 Mio. syrischen Flüchtlinge im Ausland und mehr als 10 % aller unter 18-jährigen Syrer insgesamt. Im Libanon (385.007), in der Türkei (294.000) und in Jordanien (291.238) leben zusammen mehr als zwei Drittel der ins Ausland geflohenen Minderjährigen. Neben bereits vorliegenden Daten basiert die UNHCR-Forschungsarbeit auf Ergebnissen von nicht repräsentativen Befragungen syrischer Kinderflüchtlinge und ihrer Familien, die zwischen Juli und Oktober 2013 in Jordanien und im Libanon durchgeführt wurden, den beiden wichtigsten Aufnahmeländern syrischer Flüchtlinge (vgl. Ausgabe 7/13).

Die im UNHCR-Bericht dokumentierten kritischen Lebensbedingungen der Minderjährigen reichen von der psychischen Traumatisierung durch Krieg und Flucht über die Trennung von Familienangehörigen bis hin zur Ausbeutung durch Kinderarbeit in den Aufnahmeländern.

Etwa 3.700 Flüchtlingskinder im Libanon und in Jordanien leben demnach von ihren Eltern getrennt, weil diese entweder ums Leben gekommen sind, sich in Gefangenschaft befinden oder vermisst werden. Spezielle Einrichtungen für diese unbegleiteten Minderjährigen gibt es nicht. Man bemühe sich aber darum, sie mit anderen Familienmitgliedern oder mit Bekannten aus der Wohnumgebung zusammenzuführen, heißt es in dem Bericht. Über 70.000 weitere Flüchtlingsfamilien müssten ohne Vater zurechtkommen. Zu Familien, die ohne Mutter leben müssen, werden keine Angaben gemacht.

Bei Konflikten innerhalb und außerhalb der Flüchtlingslager seien vor allem Kinder besonders gefährdet. Aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen gaben viele Flüchtlingsfamilien an, ihren Kindern nur einmal in der Woche das Verlassen der Unterkunft zu erlauben. Darüber hinaus seien die Minderjährigen aufgrund der psychischen, sozialen und materiellen Belastung der Familienmitglieder nicht selten mit familiärer Gewalt konfrontiert, heißt es im Bericht.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich aus fehlenden Geburtsurkunden der Kinder, die auf der Flucht oder im Ausland geboren wurden. Ihnen droht die Staatenlosigkeit. Ferner stehe nicht einmal für jedes zweite Flüchtlingskind im schulfähigen Alter ein Schulplatz zur Verfügung. Derweil müssten viele Minderjährige arbeiten, um ihren Familien das Überleben mit zu sichern. Eine im Rahmen der Studie vorgenommene Erhebung in Jordanien ergab, dass die Hälfte aller Flüchtlingshaushalte auf die Einnahmen der Kinder angewiesen ist. Diese arbeiten oft unter gefährlichen und ausbeuterischen, weil meist illegalen Arbeitsverhältnissen.

Um die aus diesen vielfältigen Problemen der Minderjährigen resultierenden Schwierigkeiten aufzufangen, hat das UNHCR in diesem Jahr bereits mehr als 250.000 Flüchtlingskinder psychosozial betreut.

Weitere Informationen



http://unhcr.org
www.unhcr.de
www.oxfordresearchgroup.org.uk


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Autor: Thomas Hummitzsch für bpb.de
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