Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

16.5.2014 | Von:
Stefan Alscher
Stephan Liebscher
Fatma Rebeggiani

Kurzmeldungen – Welt

Mexiko: Aufenthaltstitel für verunglückte Migranten in Aussicht gestellt

MexikoMexiko (© Burak Korkmaz)
Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto (Partei der Institutionellen Revolution, sozialistisch) erklärte Medienberichten zufolge, dass seine Regierung auf der Durchreise verunglückten Menschen mit Verstümmelungen künftig einen humanitären Aufenthaltstitel zukommen lassen will. Anlass war die Forderung des honduranischen Verbands für behinderte Rückkehrer (Amiredis) am 9. April, Mittelamerikanern, die Mexiko in Richtung USA durchqueren, humanitäre Visa zu erteilen. Amiredis vertritt rund 450 Honduraner, die in den vergangenen Jahren bei der Durchreise durch Mexiko auf dem Dach eines Güterzuges einen Unfall erlitten und dabei Gliedmaßen verloren haben. Sie wurden medizinisch versorgt und dann in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Mexiko erteilt nur jenen Migranten ein Visum, die auch für die Vereinigten Staaten gültige Papiere haben, so dass all jene ohne US-Visum gezwungenermaßen untertauchen. Um weiterzureisen warten sie meist an der Zugstrecke, um unentdeckt auf den in den Norden Mexikos fahrenden Zug zu springen. Obwohl inzwischen die mexikanische Bundespolizei in den Zügen patroulliert, werden die schutzlosen Migranten immer wieder von mafiösen Banden oder korrupten Beamten überfallen oder entführt (vgl. Ausgaben 5/12, 7/10). Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen sind auf der Strecke seit 2006 mehrere Tausend Personen verschwunden. Die 3.000 Kilometer lange Zugstrecke durch Mexiko gilt als eine der gefährlichsten weltweit für Migranten. Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder die mangelnde Bereitschaft der mexikanischen Regierung, Migranten vor Überfällen, Schutzgelderpressungen und Zwangsprostitution zu schützen.

Zum Thema:

UNHCR: Asylzahlen 2013



In insgesamt 44 Industriestaaten ist die Zahl der Asylanträge im Jahr 2013 deutlich gestiegen. Dies geht aus dem Bericht "Asylum Trends 2013" hervor, den das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) am 21. März veröffentlicht hat. In den Staaten Europas, Nordamerikas, Ostasiens und der Pazifikregion stellten insgesamt 612.730 Personen einen Antrag auf Asyl (2012: 479.470). Dies entspricht einem Anstieg von rund 28 % gegenüber dem Vorjahr. 484.600 Asylanträge wurden in 38 europäischen Staaten gestellt, was einem Wachstum um etwa ein Drittel entspricht (2012: 368.400). Deutschland war 2013 zum ersten Mal seit 1999 wichtigstes Zielland (109.600), gefolgt von den USA (88.400), Frankreich (60.100), Schweden (54.300) und der Türkei (44.800). Die Hauptherkunftsländer von Asylsuchenden in den 44 Industriestaaten waren Syrien (56.400), die Russische Föderation (39.800), Afghanistan (38.700), Irak (38.200), Serbien einschließlich Kosovo (34.700), Pakistan (26.300), Iran (23.900), Somalia (23.100) und Eritrea (21.800) (vgl. Ausgaben 2/14, 1/14).

Zum Thema:

Jordanien/Libanon: Situation syrischer Flüchtlinge

Laut Angaben des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) halten sich inzwischen insgesamt rund 3 Mio. syrische Flüchtlinge im Irak, Libanon, der Türkei, Jordanien und Ägypten auf. Allein im Libanon leben etwa 1 Mio. syrische Flüchtlinge, was rund einem Viertel der libanesischen Bevölkerung entspricht. In Jordanien leben über 500.000 syrische Flüchtlinge, davon über 100.000 allein im Flüchtlingscamp Za’atari im Norden des Landes. Ende April wurde ein weiteres Flüchtlingslager für 25.000 Menschen eröffnet. Aufgrund des anhaltenden Zustroms von Kriegsflüchtlingen aus Syrien bahnen sich in beiden Ländern wirtschaftliche und soziale Krisen an. Die öffentliche Infrastruktur ist stark belastet, die staatlichen Ausgaben steigen stetig an. Nach Auskunft der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gehen syrische Flüchtlinge auf der Suche nach Arbeit und Einkommen in ihrer Not auch schlechte Bedingungen ein, wodurch die Löhne in beiden Ländern unter Druck geraten. Auch die Lage der Flüchtlingskinder ist dramatisch: Von den über 400.000 Kindern haben laut UNHCR lediglich 100.000 einen Platz in libanesischen Schulen bekommen (siehe Grafik). Das UNHCR hat gemeinsam mit den fünf Hauptaufnahmeländern die internationale Gemeinschaft aufgefordert, ihre Bemühungen zur Linderung der humanitären Krise deutlich zu erhöhen (vgl. Ausgaben 10/13, 9/13, 7/13).

Zum Thema:

Kanada: Express-System für qualifizierte Zuwanderer ab 2015

KanadaKanada (© Burak Korkmaz)

Qualifizierten Arbeitsmigranten wird in Kanada ab Januar 2015 ein schnellerer Zugang zu Daueraufenthaltsgenehmigungen als durch das bisherige Punktesystem in Aussicht gestellt, teilte die konservative Regierung am 8. April mit. Das neue Rekrutierungsmodell trägt den Namen „Express Entry“ und zielt auf die passgenaue Anwerbung qualifizierter ausländischer Arbeitskräfte zur Verringerung regionaler Engpässe ab. Demnach können Arbeitgeber künftig bei Bedarf auf eine von der Regierung verwaltete Datenbank von ausländischen Arbeitsuchenden, die sich noch im Herkunftsland befinden, zugreifen. In dieser befinden sich Angaben zu Berufsabschlüssen und Arbeitserfahrungen. Bekommen ausländische Bewerber ein konkretes Jobangebot oder passt ihr Profil auf freie Stellen, sollen ihre Einreiseanträge bevorzugt behandelt werden. Innerhalb von sechs Monaten sollen sie eine Daueraufenthaltserlaubnis erhalten, außerdem werde ihnen der Zugang zur kanadischen Staatsbürgerschaft erleichtert. Sozialdemokraten in Kanada kritisieren das Konzept, da es unkalkulierbare Wartezeiten für die anderen Bewerber schaffe (vgl. Ausgaben 10/12, 2/12, Länderprofil Kanada).

Zum Thema:

USA: Gezielte Minderheitenförderung kann aufgehoben werden

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten sprach sich in einem Urteil vom 22. April (Az. 12-682) dafür aus, dass Regelungen zur gezielten Minderheitenförderung ("Affirmative Action") per Volksentscheid begrenzt bzw. aufgehoben werden dürfen. Hintergrund für die Entscheidung ist ein seit 2006 anhaltender Rechtsstreit im US-Bundesstaat Michigan (vgl. Ausgabe 10/12), nachdem sich eine Mehrheit der Bevölkerung per Referendum für die Abschaffung von so genannter positiver Diskriminierung an den Universitäten des Bundesstaates ausgesprochen hatte. Bürgerrechtsorganisationen bezeichneten das mit sechs zu zwei Stimmen gefällte Urteil des Obersten Gerichtshofs als "Rückschritt im Streben nach mehr Vielfalt". Mit dem Urteil dürften ähnliche Gesetze in anderen Bundesstaaten, darunter Florida, Kalifornien und Texas, juristisch unangefochten bleiben.

Zum Thema:

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Stefan Alscher, Stephan Liebscher, Fatma Rebeggiani für bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und der Autoren/-innen teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.