Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

20.6.2014 | Von:
Stefan Alscher

Stabile Zuwanderung in die OECD-Staaten

Zwischen 2008 und 2012 sind jährlich etwa vier Millionen Menschen dauerhaft in die OECD-Staaten eingewandert. Während die Vereinigten Staaten weiterhin das wichtigste Zielland sind, stand Deutschland 2012 erstmals an zweiter Stelle. Dazu trägt vor allem die Zuwanderung aus anderen EU-Staaten bei.

Veränderung der dauerhaften Migration (2007 vs. 2012)Veränderung der dauerhaften Migration (2007 vs. 2012) PDF-Icon Grafik als PDF (© Burak Korkmaz, www.bkorkmaz.com)

Unter dem Titel "Steigt Zuwanderung wirklich an?" beleuchtet ein Ende Mai veröffentlichter Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die dauerhafte Migration in ausgewählte Industrieländer. Als dauerhaft werden dabei solche Migrationsbewegungen bezeichnet, bei denen der Aufenthalt im Zielland mindestens ein Jahr beträgt. Studierende und Saisonkräfte werden nicht einbezogen.

Der Analyse zufolge ist die Zuwanderung in die OECD-Staaten im Jahr 2012 gegenüber den Vorjahren stabil geblieben. Nachdem die Zahl der Zuwanderer nach der Jahrhundertwende von etwa 3 Mio. (2000) auf 4,4 Mio. (2007) Menschen angestiegen war, ging sie im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise wieder zurück (2008: 4,1 Mio.; 2009: 3,9 Mio.). Seitdem liegt die dauerhafte Zuwanderung in den Industrieländern konstant bei jährlich rund 4 Mio. Menschen und somit rund ein Drittel über dem Wert des Jahres 2000.
Zusammensetzung der dauerhaften Migration nach Kategorie (2012)Zusammensetzung der dauerhaften Migration nach Kategorie (2012) PDF-Icon Grafik als PDF (© Burak Korkmaz, www.bkorkmaz.com)

Wanderung

Im Jahr 2012 sind insgesamt 1,03 Mio. Menschen in die Vereinigten Staaten eingewandert (2011: 1,06 Mio.). Während in den Jahren zuvor die südeuropäischen Staaten Spanien (2011, 2007) und Italien (2009, 2008) sowie das Vereinigte Königreich (2010) an zweiter Stelle folgten, war 2012 erstmals Deutschland das zweitbeliebteste Zielland von Zuwanderern. Gegenüber 2011 stieg die dauerhafte Zuwanderung nach Deutschland von 290.800 auf 399.900 (+38 %). Die Einwanderung nach Deutschland überstieg in absoluten Zahlen auch die klassischer Einwanderungsländer wie Kanada (2012: 257.900) oder Australien (2012: 245.100). Setzt man jedoch die Zahl der Zuwanderer ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung der Zielländer, so sind in der Schweiz, Norwegen, Australien und Neuseeland die höchsten Raten zu beobachten. Im Vergleich der Jahre 2007 und 2012 ging die dauerhafte Zuwanderung in die von der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders betroffenen Staaten Spanien (-416.900), Italien (-305.600) und Irland (-88.300) stark zurück. In Deutschland nahm die Zuwanderung im selben Zeitraum (+167.100) deutlich zu (vgl. Ausgaben 7/11, 6/09).

Ursachen

Der Anstieg der Zuwanderung nach Deutschland ist auf den Abbau von Hürden beim Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zurückzuführen. "Man kann hier ohne Übertreibung von einem Boom sprechen", erklärte OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Deutschland sei mittlerweile "zentraler Motor der Migrationsentwicklung in Europa".

Etwa drei Viertel (75,8 %) der dauerhaften Zuwanderung nach Deutschland basieren auf innereuropäischer Migration im Rahmen der Personenfreizügigkeit, allen voran aus Ostmittel- und Südost- sowie aus Südeuropa, wo die Folgen der Wirtschaftskrise weiterhin spürbar sind. Nur in der Schweiz (77 %) und in Österreich (75,9 %) war der Anteil der Zuwanderung aus EU- und EFTA-Staaten höher. Zuwanderung auf der Basis von Familienzusammenführung spielte in Deutschland vergleichsweise nur eine geringe Rolle (13,7 %), vor allem im Vergleich zu den Vereinigten Staaten (73,6 %). Arbeitsmigration aus Drittstaaten ist insbesondere in Spanien (41 %), dem Vereinigten Königreich (39,3 %) und in Kanada (26,5 %) von Bedeutung.

Vorteile der Zuwanderung

Eine weitere OECD-Analyse unterstreicht, dass Zuwanderung ein Gewinn für die Zielländer ist. Zuwanderer sind demnach zunehmend gut ausgebildet, vor allem in dynamischen Wirtschaftssektoren erwerbstätig und tragen zu einer Verjüngung der Arbeitnehmerschaft bei (vgl. Ausgabe 8/08). Der Anteil von Hochqualifizierten unter europäischen Zuwanderern ist höher als innerhalb der im Inland geborenen Bevölkerung. Schließlich sind – entgegen weit verbreiteter Annahmen – die Steuern und Abgaben, die die Zuwandererbevölkerung einzahlt, weitaus höher als die Sozialleistungen, die ein Teil von ihnen in Anspruch nimmt.

Zum Thema:


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Stefan Alscher für bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.