Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Irak: Über eine Million Menschen auf der Flucht


20.6.2014
Der Vormarsch der radikal-islamischen ISIS-Milizen und eskalierende Kampfhandlungen in weiten Teilen des Iraks treiben immer mehr Menschen in die Flucht. Hilfsorganisationen schätzen die Zahl der Flüchtlinge auf bis zu 1,2 Millionen.

Hintergrund



Seit Anfang des Jahres dringt die radikal-islamische Miliz "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) von Syrien ausgehend immer weiter in den Irak vor. Die unter anderem von »deutschen« und amerikanischen Geheimdiensten als Terrororganisation »eingestufte« Gruppierung ging aus der 2003 gegründeten Widerstandsgruppe "Tawhid und Dschihad" hervor, die gegen den US-amerikanischen Militäreinsatz im Irak kämpfte. Sie zielt auf die Errichtung eines sunnitischen "Gottesstaates" im Nahen Osten. Dazu nutzt sie das machtpolitische Vakuum im multiethnischen Irak, das die US-amerikanische Armee nach ihrem Abzug 2011 hinterlassen hat, und rückt in Richtung der irakischen Hauptstadt Bagdad vor. Dabei hat die islamistische Miliz bereits zahlreiche Städte und strategisch wichtige Gebiete im Norden des Landes erobert, darunter auch die zweitgrößte Stadt des Landes, die Dreimillionenmetropole Mossul. Dort haben die Extremisten 49 Mitarbeiter des türkischen Konsulats entführt. Daneben sollen auch zahlreiche ausländische Arbeiter verschleppt worden sein, heißt es in Medienberichten.

Die Dschihadisten sollen inzwischen bereits mehr als ein Viertel des irakischen Staatsgebiets kontrollieren. Auf ihrem Vormarsch liefern sie sich schwere Gefechte mit der irakischen Armee und den als Peschmerga bekannten kurdischen Elite-Truppen. Bislang konnten die Islamisten nur punktuell gestoppt werden. Der irakischen Armee wird Versagen im Kampf gegen die ISIS-Truppen vorgeworfen. Als Konsequenz hat Regierungschef Nuri al-Maliki (Islamische Dawa-Partei) bereits mehrere ranghohe Militärs entlassen. Augenzeugen berichten von immer mehr Deserteuren in den Reihen der irakischen Streitkräfte.

Flucht



Die ISIS-Offensive schürt die Angst vor einem erneuten Bürgerkrieg zwischen den Sunniten und der schiitischen Bevölkerungsmehrheit im Irak. Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Krise. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind bereits 1,2 Mio. Menschen vor den Kämpfen auf der Flucht. Allein aus der 350 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Mossul, die am 10. Juni von ISIS-Kämpfern eingenommen worden war, sollen eine halbe Million Iraker geflohen sein, berichtet die Internationale Organisation für Migration (IOM). Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) »beziffert« die Zahl der Vertriebenen in der großen Wüstenprovinz Al-Anbar auf 480.000. Hier haben die Dschihadisten bereits seit Januar die Stadt Falludscha sowie Teile der Provinzhauptstadt Ramadi in ihrer Gewalt. Vor allem in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak suchen viele Menschen Schutz. Dort leben aber schon etwa 220.000 Flüchtlinge aus Syrien, die Flüchtlingsunterkünfte sind bereits jetzt überfüllt. Es fehlt an finanziellen Mitteln, sauberem Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten. Der Irak zählte bereits vor dem Vormarsch der ISIS-Truppen weltweit zu den zehn Ländern mit dem höchsten Flüchtlingsaufkommen (vgl. Ausgabe 6/13).

Aktuelle Entwicklungen



Derweil haben die Islamisten Verhaltensregeln für die Bewohner in den von ihnen besetzten Gebieten veröffentlicht, die ihr Ziel der Wiedereinrichtung eines islamischen Kalifats unter Scharia-Recht unterstreichen. Dementsprechend soll Dieben die Hand abgehackt werden, Frauen müssen sich verhüllen und dürfen nur im Ausnahmefall das Haus verlassen. Angesichts der Entwicklungen im Irak warnen die Vereinten Nationen (UN) vor einem Krieg, der sich auf die gesamte Region ausweiten könnte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte: "Es gibt die echte Gefahr weiterer konfessioneller Gewalt in enormem Maßstab im Irak und jenseits seiner Grenzen."


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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Vera Hanewinkel für bpb.de

 
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