Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Weltweite Flüchtlingszahlen: UNHCR fordert Lösungen


18.7.2014
Über 50 Mio. Menschen waren im Jahr 2013 auf der Flucht. Die Zahl der Binnenvertriebenen war doppelt so hoch wie die der grenzüberschreitenden Flüchtlinge, die im Ausland Schutz suchten. Die meisten Flüchtlinge wurden in Pakistan aufgenommen, in Deutschland wurden weltweit die meisten Asylanträge gestellt. Der UNHCR rief zu mehr Solidarität über die europäischen Grenzen hinaus auf.

Staaten mit den meisten Binnenvertriebenen weltweitStaaten mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit (© Burak Korkmaz)

Im vergangenen Jahr waren mit insgesamt 51,2 Mio. so viele Menschen wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen 1989 auf der Flucht (2012: 45,2 Mio.; +13 %). Die Zahl der Binnenvertriebenen (IDPs) wurde mit 33,3 Mio. nahezu doppelt so hoch beziffert wie die der Flüchtlinge nach Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) mit 16,7 Mio. Dazu kommen etwa 1,2 Mio. Asylsuchende. Dies geht aus dem am 20. Juni vorgestellten »Jahrestrendbericht« des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) hervor. Die Zahl der Staatenlosen wird darin gruppenübergreifend auf mindestens 10 Mio. geschätzt.

Binnenvertriebene



Nur ein Teil der IDPs weltweit fällt in die Zuständigkeit des UNHCR (2012: 23,9 Mio.; 2013: 17,7 Mio.). Die Datengrundlage in dessen Bericht ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Anders bei der »Auswertung« des Internal Displacement Monitoring Centres (IDMC), die alle 33,3 Mio. IDPs erfasst (2012: 28,8 %; +16 %). Demnach befanden sich 2013 die meisten IDPs im bürgerkriegszerrütteten Syrien (6,5 Mio.), gefolgt von Kolumbien (5,7 Mio.), wo die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und paramilitärischen Gruppen Menschen seit Jahren zum Verlassen ihres Zuhauses zwingt. An dritter Stelle steht Nigeria (3,3 Mio.), wo der Konflikt zwischen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram und der Regierung Massenfluchtbewegungen hervorgerufen hat.

Flüchtlinge



5 Mio. der im vergangenen Jahr registrierten Flüchtlinge sind Palästinenser unter dem Mandat des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge. Die meisten der verbleibenden 11,7 Mio. Flüchtlinge (2012: 10,5 Mio.; +11 %) kamen aus Afghanistan (2,6 Mio.), Syrien (2,5 Mio.) und Somalia (1,1 Mio.), dem Sudan (650.000) und der Demokratischen Republik Kongo (500.000). Der Anteil der unter 18-Jährigen war 2013 so hoch wie noch nie, jeder zweite registrierte Flüchtling war minderjährig.

Asyl



Fast 1,1 Mio. Personen stellten im Jahr 2013 in insgesamt 167 Ländern einen Antrag auf Asyl bzw. Anerkennung als Flüchtling (2012: 900.000; +15 %). In Deutschland wurden mit 109.600 Asylanträgen (2012: 64.500; +70 %) die meisten Asylgesuche eingereicht. Danach folgten die USA mit 84.400 (2012: 70.700; +19 %) und Südafrika mit 70.000 (2012: 82.000; -15 %) neu gestellten Asylanträgen (vgl. Ausgaben 4/14, 2/14). Die Anzahl der Asylgesuche lässt keinen direkten Rückschluss auf die Zahl der aufgenommen Flüchtlinge zu.

Wichtigste Herkunfts- und Aufnahmestaaten von FlüchtlingenWichtigste Herkunfts- und Aufnahmestaaten von Flüchtlingen (© Burak Korzmaz)


Entwicklung 2013



Allein 2013 ist die Flüchtlingspopulation weltweit um 10,7 Mio. Menschen gewachsen – das ist der höchste Anstieg seit Beginn der Erhebungen (2012: 7,6 Mio.; +41 %). Über drei Viertel davon sind sogenannte Binnenvertriebene (IDPs) und blieben innerhalb der Staatsgrenzen (8,2 Mio.; 77 %), ein knappes Viertel grenzüberschreitende Flüchtlinge (2,5 Mio.; 23 %). Insbesondere in Syrien, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, in Mali sowie im Grenzgebiet zwischen Südsudan und Sudan ist es im vergangenen Jahr zu Verfolgung, Krieg, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gekommen, was zum erneuten Anstieg der Flüchtlingspopulation geführt hat (vgl. Ausgaben 2/14, 1/14, 7/13).

Regionale Verteilung



Ein Drittel der Flüchtlingspopulation unter UNHCR-Mandat hielt sich 2013 in Asien und dem Pazifischen Raum auf (3,5 Mio.), ein Viertel wurde im subsaharischen Afrika registriert (2,9 Mio.) und etwas mehr als ein Fünftel in der Region Nordafrika und Naher Osten (2,6 Mio.). Die wenigsten Flüchtlinge hielten sich in Europa (1,8 Mio.) sowie in Nord- und Südamerika (800.000) auf.

Die wichtigsten Aufnahmeländer befinden sich meist in direkter Nachbarschaft zu den Krisenregionen (siehe Abbildung). Die meisten Flüchtlinge wurden 2013 in Pakistan (1,6 Mio.), im Iran und im Libanon (je 900.000) sowie in Jordanien und der Türkei (je 600.000) verzeichnet (vgl. Ausgabe 4/14), Nachbarländer der Krisenstaaten Syrien und Afghanistan. Vor allem der syrische Bürgerkrieg stellt einige Nachbarstaaten vor enorme Herausforderungen. Der Libanon, Jordanien und die Türkei sind dem Bericht zufolge innerhalb eines Jahres zum dritt-, viert- und fünftwichtigsten Aufnahmestaat für Flüchtlinge weltweit geworden. Insbesondere der Libanon stößt mittlerweile an seine sozio-ökonomischen Grenzen der Aufnahmefähigkeit heißt es in dem Bericht. Fast jede fünfte Person (18 %) in dem Land war 2013 ein Flüchtling.

Appell



UN-Flüchtlingskommissar António Guterres »appellierte« an die internationale Gemeinschaft, sich über politische Differenzen hinwegzusetzen und politische Lösungen für die anhaltenden Konflikte zu finden. Angesichts der vergleichsweise geringen Aufnahmequoten europäischer Staaten »forderte« Volker Türk, UNHCR-Direktor für Internationalen Schutz, größere globale Solidarität. Diese könne sich neben humanitärer Hilfe vor Ort auch in der verstärkten Aufnahme von Flüchtlingen ausdrücken (vgl. S. 5, Ausgaben 5/14, 8/13, 5/13). Weiterhin sagte Türk, dass die Belastung für "Europa insgesamt händelbar" sei, die Zahlen würden "manchmal überdramatisiert", bezeichnete aber das Engagement Deutschlands bei der Aufnahme syrischer Flüchtlinge als vorbildlich.

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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Stephan Liebscher für bpb.de

 
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