Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Bundeshaushalt und Bürger profitieren von Migration


12.12.2014
Steuer- und Sozialabgaben von ausländischen Staatsbürgern in Deutschland leisten einen positiven finanziellen Beitrag zu den öffentlichen Haushalten. Das Ergebnis könnte durch Bildungsinvestitionen noch gesteigert werden, wie eine wirtschaftswissenschaftliche Studie zeigt. Eine Berücksichtigung der Beiträge von Doppelstaatsbürgern und Deutschen mit Migrationshintergrund würde den positiven Haushaltseffekt noch einmal deutlich verstärken.

Fiskalische Pro-Kopf-Entlastung bei einem Nettozuzug von jährlich 200.000 MenschenFiskalische Pro-Kopf-Entlastung bei einem Nettozuzug von jährlich 200.000 Menschen (PDF-Icon Grafik als PDF (214 KB)) (© Deniz Keskin, www.denizkeskin.nl)

Deutschland ist in diesem Jahr nicht nur das global zweitwichtigste Einwanderungsland, wie jüngst der Internationale Migrationsausblick 2014 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigte, sondern profitiert auch beim Steueraufkommen und den Sozialabgaben deutlich von seinen Einwanderern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwanderung zum deutschen Staatshaushalt", die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Köln im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erstellt hat. Die 6,6 Mio. Ausländer in Deutschland zahlen demnach deutlich mehr finanzielle Beiträge in den Steuertopf und in die Sozialkassen, als sie gemeinsam durch Transfers empfangen. Allein im Jahr 2012 habe der Überschuss 22 Mrd. Euro betragen, Tendenz steigend. Jeder Ausländer habe im Durchschnitt 3.300 Euro mehr an Steuern und Sozialabgaben gezahlt, als Sozialleistungen bezogen (deutsche Staatsbürger: 4.000 Euro). "Deutschland profitiert finanziell also beachtlich von seiner ausländischen Wohnbevölkerung", heißt es in der Studie.

Diese Rechnung gehe auch auf, wenn man die Alterung der ausländischen Bevölkerung berücksichtigt. Auf ein ganzes Leben gerechnet profitiere der deutsche Staat mit 22.300 Euro pro Person von der ausländischen Bevölkerung. Dies führe zu einem finanziellen Gesamtgewinn durch die 2012 in Deutschland lebenden Ausländer von insgesamt 147,9 Mrd. Euro. Die Berechnung der vorliegenden Studie umfasst nur Personen ohne deutschen Pass, nicht die etwa doppelt so große Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund. Berücksichtigte man auch diese durchschnittlich besser ausgebildete Gruppe, stiegen die positiven Beiträge noch deutlich an, erklärte der Autor der Studie Holger Bonin.

Die Studie liefert Szenarien zu den Beiträgen zukünftiger Migranten in die öffentlichen Kassen (siehe Grafik). Dafür wurden Berechnungen zur fiskalischen Pro-Kopf-Entlastung der Bevölkerung bei einem Nettozuzug von jährlich 200.000 Personen angestellt. Geht man davon aus, dass sich die Einwanderer vom Bildungsgrad her so zusammensetzen wie die 6,6 Mio. Ausländer, die bereits in Deutschland leben, würde Einwanderung die öffentliche Hand aufgrund der Altersansprüche der ausländischen Bevölkerung perspektivisch in Höhe von 125 Euro pro Bürger und Jahr belasten. Bonin spricht sich daher für die umstrittene "humankapitalorientierte" Einwanderungssteuerung aus (vgl. Ausgaben 6/13, 10/11, 1/11). Würden sich die jährlichen Zuzügler dem Qualifikationsprofil nach so zusammensetzen wie die aktuelle Wohnbevölkerung Deutschlands, entstünde eine steuerliche Entlastung pro Jahr und Kopf von 347 Euro. Bei der Annahme einer durchschnittlichen Mischung von 20 % gering-, 50 % mittel- und 30 % hochqualifizierten Zuwanderern würde die Entlastung jährlich 406 Euro pro Einwohner betragen. Gesteuerte Zuwanderung würde also nicht nur den Staatshaushalt stützen, sondern auch zu direkten finanziellen Entlastungen auf individueller Ebene beitragen.

Das ZEW legte auch Modellrechnungen vor, wie sich der fiskalische Beitrag von Zuwanderern noch erhöhen ließe. Eine deutliche Wirkung hätte etwa eine bessere Ausbildung und Qualifizierung. Würden die schon im Land lebenden Ausländer unter 30 Jahren das gleiche Bildungsniveau wie die durchschnittliche deutsche Bevölkerung gleichen Alters erreichen, erzielten sie auch höhere Einkünfte. Auf die Lebenszeit gerechnet könnte der deutsche Staat dann Mehreinnahmen von 118.400 Euro pro Person durch Sozialbeiträge bereits in Deutschland lebender Ausländer erwarten. Dies wären insgesamt 23,6 Mrd. Euro, die kostenneutral in die Qualifizierung und Weiterbildung junger Ausländer investiert werden sollten, empfiehlt Bonin in der Studie. Durch gezielte Anstrengungen bei der jungen Ausländergeneration seien Bildungsaufstiege zu realisieren. "Gute Bildungspolitik", kommentierte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, "ist die beste Integrationspolitik".


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Autor: Rainer Ohliger für bpb.de
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