Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Asyl und Flucht in Afrika und Ostasien


12.12.2014
Während Asylsuchende vor allem in Europa und Nordamerika Aufnahme finden, verbleibt der Großteil der weltweiten Flüchtlinge als Binnenvertriebene in ihren Herkunftsländern oder sucht Schutz in Ländern der jeweiligen Region. Vor allem zahlreiche afrikanische Staaten verzeichnen hohe Flüchtlingszahlen. Auch einige asiatische Staaten sind Ziel regionaler und weltweiter Flüchtlingsbewegungen.

Asylanträge in Deutschland 1990-2013Asylanträge in Deutschland 1990-2013 (© Deniz Keskin, www.denizkeskin.nl)

Afrika



Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) war Südafrika von 2008 bis 2011 weltweit das Land, das die höchste Zahl neuer Asylanträge registriert hat (716.500). Seit 2010 ist die Tendenz jedoch rückläufig (vgl. Ausgaben 8/14, 4/14). Im Jahr 2013 lag die Zahl neuer Anträge bei rund 70.000 (-15 % gegenüber 2012). Zusammen mit Anträgen aus den Vorjahren belief sich die Zahl noch nicht entschiedener Asylanträge zum Jahresende 2013 auf insgesamt 232.211 Fälle. Hauptherkunftsländer der Schutzsuchenden in Südafrika sind Simbabwe, die Demokratische Republik Kongo, Burundi, Ruanda, Äthiopien und Somalia. Angesichts schleppender Asylverfahren, mangelnder Ausstellung von Dokumenten und des oft fehlenden Zugangs zur Grundversorgung kam es mehrfach zu teils gewaltsamen Protesten von Asylsuchenden, so zuletzt Ende November in Kapstadt. Neben den neuen Asylsuchenden leben in Südafrika bereits rund 65.000 anerkannte Flüchtlinge gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention.

Im krisen- und kriegsgeschüttelten Zentral- und Ostafrika ist Äthiopien im Laufe des Jahres 2014 zum wichtigsten Aufnahmeland von Flüchtlingen geworden. Allein von Januar bis Ende Juli 2014 ist die Zahl der Flüchtlinge von 433.936 auf insgesamt 629.718 angewachsen, wie das UNHCR Mitte August mitteilte. Damit verzeichnete das Land mehr als doppelt so viele Schutzsuchende wie Deutschland im selben Zeitraum. Dabei handelt es sich vor allem um Flüchtlinge aus dem benachbarten Südsudan, aber auch aus Somalia und Eritrea (vgl. Ausgabe 8/14). Um den Anstieg zu bewältigen, wurden weitere Flüchtlingscamps errichtet.

Bis 2013 war das zentralafrikanische Kenia Hauptaufnahmeland von Flüchtlingen in der Region. Hier lebten zum Jahresende 2013 über eine halbe Million Flüchtlinge (534.938), hauptsächlich aus den Nachbarstaaten Somalia, Äthiopien und Südsudan. Allein in der Region um die Ortschaft Dadaab, wo mit einer Aufnahmekapazität von ursprünglich 100.000 Schutzsuchenden das weltweit größte Flüchtlingscamp existiert, waren zuletzt nahezu 340.000 somalische Flüchtlinge untergebracht (Stand 31.10.2014). Die Zahl der ausstehenden Asylverfahren lag Anfang 2014 bei 52.285 Fällen. Ende 2013 unterzeichneten Vertreter kenianischer und somalischer Behörden sowie des UNHCR zwar ein Abkommen zur Rückführung der somalischen Flüchtlinge. Angesichts willkürlicher Festnahmen und Abschiebungen seitens kenianischer Behörden setzte Somalia seine Teilnahme an dem Repatriierungsprogramm jedoch zeitweise aus. Das Welternährungsprogramm erklärte im November, dass nicht mehr ausreichende Mittel zur Versorgung der Flüchtlinge in den kenianischen Aufnahmelagern zur Verfügung stünden. Die Essensrationen mussten verringert werden.

Der zentralafrikanische Tschad (insgesamt 434.479 Flüchtlinge) nimmt vor allem Flüchtlinge aus dem Sudan sowie der Zentralafrikanischen Republik auf.

Ostasien



Im ostasiatischen Raum ist formal gesehen China das Land mit der höchsten Flüchtlingszahl (301.047), wobei es sich hier nahezu ausschließlich um vietnamesische Flüchtlinge handelt, die zu Zeiten des Vietnam-Krieges (1955-75) in die Volksrepublik geflohen sind. Sie genießen den Schutz der chinesischen Regierung und sind nach Angaben des UNHCR gut in die chinesische Gesellschaft integriert. Im Sommer 2014 kritisierte eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen, dass die chinesischen Behörden nordkoreanische Flüchtlinge unter Zwang in ihr Herkunftsland abschieben, obwohl ihnen dort Haftstrafen, Folter und Exekutionen drohten.

Im südostasiatischen Malaysia schätzte das UNHCR Anfang 2014 die Gesamtzahl der Personen unter seinem Mandat auf 260.552, darunter 97.513 Flüchtlinge, 43.039 Asylbewerber in laufenden Verfahren, circa 40.000 Staatenlose sowie rund 80.000 weitere Personen, die von der UN-Organisation betreut werden. Der Großteil der Schutzsuchenden gehöre muslimischen Minderheiten aus Myanmar an. Malaysia hat die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 nicht unterzeichnet. Asylsuchende und Flüchtlinge werden von den malaysischen Behörden zumeist wie irreguläre Migranten behandelt. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren Rechtlosigkeit und willkürliche Festnahmen sowie Abschiebungen.

Japan verzeichnet angesichts einer traditionell restriktiven Asyl- und Migrationspolitik nur sehr geringe Zahlen an Flüchtlingen (2.584) und Asylbewerbern (6.742). Im Jahr 2014 wurden von insgesamt 3.777 Asylanträgen nur sechs Anträge positiv entschieden. Dies ist die geringste Zahl an Anerkennungen in einem Zeitraum von 15 Jahren. Das japanische Justizministerium hat unterdessen eine Kommission zur Überprüfung des Asylverfahrens eingerichtet. Gesetzesänderungen in diesem Bereich sind für das kommende Jahr zu erwarten (vgl. Ausgaben 3/14, 2/09).

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Autor: Stefan Alscher für bpb.de
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