Schüler stellen am 12.06.2013 in der Ernst-Schering-Schule in Berlin Prominenten Fragen bei einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion "Gewalt verhindern - Integration fördern".

Südafrika: Die Apartheid wirkt immer noch nach


20.3.2015
Südafrika zählt zu den wirtschaftlich aufstrebenden BRICS-Staaten und gilt als Wirtschaftsmotor in der Region südliches Afrika. Seit der Kolonialisierung durch Niederländer und Briten im 17. und 18. Jahrhundert hat das Land Einwanderer aus Europa und anderen Teilen der Welt angezogen. Die Migrationspolitik war jedoch insbesondere während der Apartheid von rassistischen Selektionskriterien geprägt – ein Erbe, das bis heute nachwirkt.

SüdafrikaSüdafrika (© Burak Korkmaz)
Südafrika gilt trotz seiner multiethnischen Bevölkerung als eines der einwanderungsfeindlichsten Länder der Welt. Regelmäßig kommt es zu gewaltsamen Ausschreitungen gegenüber Einwanderern, insbesondere gegenüber Arbeitsmigranten aus den Nachbarländern, die sich in Südafrika bessere wirtschaftliche Perspektiven erhoffen (vgl. Ausgaben 2/11, 5/08). Die Migrationspolitik des Landes zielt vorrangig auf die Kontrolle und Abwehr von Zuwanderung. Legale Zuwanderungsmöglichkeiten bestehen nur für besonders qualifizierte Migranten und nur in Arbeitsmarktsektoren, in denen die Nachfrage nicht durch einheimische Arbeitnehmer gedeckt werden kann. Arbeitsmigranten erhalten zumeist nur eine zeitlich befristete Aufenthaltsgenehmigung. Dies gilt insbesondere für Zuwanderer aus benachbarten afrikanischen Staaten. Ausländische Arbeitnehmer haben zudem nicht dieselben Rechte wie Einheimische.

Die Ursprünge der heutigen südafrikanischen Einwanderungspolitik gehen bis in die Kolonialzeit zurück. Ende des 19. Jahrhunderts leiteten Gold- und Diamantenfunde eine Phase starken wirtschaftlichen Wachstums ein. Dieses zog auch tausende Arbeitsmigranten aus anderen Ländern an. Um die Migrationsbewegungen innerhalb der 1910 gegründeten Südafrikanischen Union besser kontrollieren zu können, richtete die weiße Regierung ein zentrales Rekrutierungssystem für Arbeitsmigranten ein. Dieses prägte nachhaltig die Migrationsgeschichte des Landes im gesamten 20. Jahrhundert. Die Regierung erließ ab 1913 erste Migrations- und Zuwanderungsgesetze, wonach nur männliche Arbeiter einreisen und nur für maximal ein Jahr im Land bleiben durften. Ein Recht auf Familiennachzug gab es nicht. Die zumeist schwarzen Migranten, die in der Bergbauindustrie arbeiteten, wurden in abgeschlossenen, nach Herkunft getrennten, kasernenartigen Heimen untergebracht. Nach und nach beschränkte die Regierung auch die innerstaatliche Bewegungsfreiheit der einheimischen schwarzen Bevölkerung. 1937 führte der "Aliens Control Act" ein "Rassenkriterium" für die Zuwanderung nach Südafrika ein. Demnach wurden weiße (insbesondere protestantische) Einwanderer aus Europa gegenüber schwarzen Zuwanderern aus den Nachbarländern sowie jüdischen Zuwanderern aus Osteuropa bevorzugt. Diese rassistische, auch als "two gates policy" bezeichnete Selektion von Migranten wurde während der als Apartheid bekannten, staatlich organisierten und gesetzlich festgeschriebenen Politik der "Rassentrennung" (1948-1994) weiter fortgesetzt und sogar ausgebaut. Weiße Zuwanderer wurden willkommen geheißen, in der Hoffnung, so die Macht der regierenden Elite zu sichern; für Schwarze gab es hingegen kaum legale Zuwanderungsmöglichkeiten. Das galt auch für Schwarze aus den Nachbarstaaten, die seit den 1980er Jahren vor bewaffneten Konflikten aus ihren Herkunftsländern nach Südafrika flohen, insbesondere aus Mosambik (vgl. Ausgabe 9/14). Schutz wurde ihnen lediglich in den grenznahen Homelands Gazankulu und Kangwane gewährt.

Nach dem Ende der Apartheid 1994 sollte es noch sieben Jahre dauern, bis eine neue Einwanderungsgesetzgebung verabschiedet wurde, die die rassistische Selektion von Zuwanderern abschaffte und ihnen bestimmte Grundrechte zusicherte. Obwohl der Immigration Act von 2002 Migration erstmals als nützliches Instrument zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes anerkannte, bleibt das Gesetz in seiner Grundhaltung restriktiv (vgl. Ausgaben 6/02, 3/00). Die Politik hat es bislang versäumt, die positiven Aspekte von Zuwanderung in der öffentlichen Debatte hervorzuheben. Einwanderer werden von großen Bevölkerungsteilen weiterhin als Konkurrenten um Wohnraum, Arbeit und Wohlstand sowie Ursache sozialer Missstände gesehen. Dabei ist Südafrikas Wirtschaft auf ausländische Fachkräfte angewiesen, um Engpässe zu schließen, die auch durch eine hohe Abwanderung südafrikanischer Staatsangehöriger entstehen.

Der Text ist eine Zusammenfassung des Länderprofils Südafrika auf www.bpb.de

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Autor: Vera Hanewinkel für bpb.de
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